Aachen/Herzogenrath - Schuss fällt nach Missverständnis beim SEK-Einsatz

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Schuss fällt nach Missverständnis beim SEK-Einsatz

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Herzogenrath. Dass Anfang April dieses Jahres eine Kugel Jürgen K. (51) in seiner Herzogenrather Dachwohnung in die Hüfte traf und niederstreckte, war eigentlich nur ein schicksalhafter Zufall. Das jedenfalls berichtete vor der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht der Leiter jenes Sondereinsatzkommandos (SEK), das den lebensmüden ehemaligen Lokführer vor der Zündung von selbst gebastelten Rohrbomben abhalten sollte.

Bereits seit Stunden hatte man mit dem völlig aufgelösten und drogenabhängigen Mann verhandelt, als die SEK-Leitung den Zugriff beschloss. „Wir zündeten einen Irritationskörper draußen am Fenster“, beschrieb der aus Brühl als Zeuge angereiste SEK-Befehlshaber die Situation damals.

„Messer“ statt „Taser“

Das diene zur Ablenkung, damit der Einsatz der Ramme an der Eingangstüre nicht sofort bemerkt werde. Hinter der Ramme dann stürmten vier bis fünf Mann bewaffnet und im aus Film und Fernsehen bekannten SEK-Outfit, also mit Helm und Schutzanzug, die Dachwohnung des Mannes, der gedroht hatte, „mit einem großen Rums“ alles in die Luft gehen zu lassen. Die Zielperson sei aufgesprungen, habe mit den Händen gefuchtelt und den ersten Beamten angegriffen. Dies in der Dunkelheit der Nacht und nur im Strahl der Einsatzlampen.

Das habe im Zwielicht wie ein Messerangriff ausgesehen. Und als der Frontmann den Befehl gab „Taser einsetzen“, habe der Schütze im Trupp durch die Kopfhörer im Schutzhelm nicht „Taser“ sondern „Messer“ verstanden. Da habe der zum Schutz seines Kollegen abgedrückt.

„Taser“ sei der Begriff für jene Elektroschocker, mit denen man punktgenau Personen außer Gefecht setzen könne. Doch auch der Schütze traf genau, so dass die Zielperson zu Boden ging und ins Aachener Klinikum abtransportiert werden musste.

Bevor am Donnerstag gegen Mittag eine Entscheidung im Fall des inzwischen einsichtigen 51-Jährigen gefällt wird, berichtete aktuell ein Sprengstoffexperte des Düsseldorfer Landeskriminalamtes dem Gericht, was es mit den vier Rohrbomben, die K. zum Zwecke seines vermeintlich sicheren Suizides angefertigt hatte, auf sich hatte.

Explosionsgefahr bestand

Die Rohrbomben und die eigens dazu gebastelten Zünder seien fachgerecht und durchaus zu einer Explosion geeignet gewesen. Die Splitter der Bomben hätten „bis zu 300 Meter weit fliegen können“, hieß es. Also durchaus eine ernst zu nehmende Bedrohung in dem Herzogenrather Mietshaus.

Vorher schon habe K. versucht, sich im freien Feld in seinem Pkw in die Luft zu sprengen, die Sache misslang. Auch die Einnahme von 100 Tabletten mit Alkohol habe zu nichts geführt, schilderte die Verteidigung die damalige Situation. Hintergrund seien wahnhafte Ideen über das Verhältnis zu seiner Ex-Freundin gewesen. Ob K. nun dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht oder als Täter zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird, entscheidet die Strafkammer voraussichtlich am heutigen Donnerstag.

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