Aachen - Schulwechsel jederzeit möglich, aber mit Begleitung

Schulwechsel jederzeit möglich, aber mit Begleitung

Von: Margot Gasper
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Aachen. Seit neun Monaten arbeitet der Schulverband Aachen-Ost, Kooperationsmodell der Hauptschule Aretzstraße, der Hugo-Junkers-Realschule und des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, ganz offiziell.

Höchste Zeit für eine erste Bilanz, finden die Schulleiter der drei beteiligten Schulen. Gemeinsam erörterten sie, wie sich die strukturierte Zusammenarbeit von drei Schulen und drei Schulformen im Ostviertel bisher bewährt.

Auf dem Prüfstand steht zum Beispiel die Durchlässigkeit der Systeme. Ein Wechsel der Schule ist grundsätzlich jederzeit möglich. Begleitet wird er durch Beratung, Schnuppertagen in der neuen Schule und gezielter Förderung. „Wir wollen den Wechsel unterstützen”, erklärt Manfred Paul, Leiter der Hauptschule Aretzstraße und auch Beiratsvorsitzender. Alle Schüler sollen an dem Lernort arbeiten, der für sie aktuell richtig ist.

So sind in diesem Schuljahr bereits drei Schüler von der Hauptschule auf die Realschule gewechselt. Ein Schüler wechselte von der Realschule aufs Gymnasium, und eine Schülerin wagte sogar den Sprung von der Hauptschule aufs Gymnasium. Das Mädchen stammt aus Moldawien und lebt noch kein Jahr in Deutschland. An der Aretzstraße hat sie die internationale Förderklasse besucht, ganz schnell Deutsch gelernt und arbeitet sich jetzt durch den Französisch-Stoff. „Sie arbeitet mit viel Biss”, loben die Schulleiter beider Schulen, „das wird klappen”.

Auch die gymnasiale Oberstufe am Geschwister-Scholl-Gymnasium wird durch den Schulverband geprägt. 17 junge Leute wechselten nach der Realschulzeit und neun von der Hauptschule in die Oberstufe an Geschwister Scholl.

Das A und O bei jedem Wechsel ist die Begleitung, betont Beiratsvorsitzender Paul. „An drei Nachmittagen in der Woche bieten wir eine Wechselbegleitung an”, erläutert Paul. In den Stunden findet eine gezielte Lernunterstützung, aber auch eine Sozialbegleitung statt. „Kein Schüler wechselt die Schule, der dieses Angebot nicht wahrnimmt”, sagt Paul. Die 13- und 14-Jährigen nähmen die zusätzlichen Stunden bereitwillig auf sich.

Natürlich wechseln auch Kinder in die andere Richtung. Zum Beispiel der Junge, der auf dem Gymnasium unterzugehen drohte und jetzt auf dem besten Weg ist, an der Aretzstraße einen qualifizierten Abschluss zu machen. Danach will er sich im technischen Bereich weitermachen.

Neu: Die Schulform-Empfehlung

Erstmals erhalten alle Sechstklässler und alle Achtklässler an den drei Schulen mit dem Zeugnis im Sommer auch eine Schulform-Empfehlung. Am Ende der Orientierungsstufe und rechtzeitig vor dem Ende der Sekundarstufe I will man Eltern und Kindern Orientierung bieten.

„Es ist uns gut gelungen, die Schulen zu öffnen”, bilanzieren die Schulleiter. Für mehr Miteinander sorge vor allem der „Bildungsnachmittag”. Jeden Freitag gibt es für die Kinder der Klassen 5 und 6 insgesamt 16 freiwillige Angebote an den drei Standorten.

Manche Arbeitsgemeinschaften an diesem „Bildungsnachmittag” haben sich zu regelrechten Rennern entwickelt. Fußball und andere Sportarten gehören natürlich dazu. Aber auch das Nähen an der Nähmaschine ist zum Beispiel überaus gefragt. „Wir haben gar nicht so viele Plätze, wie nachgefragt sind”, resümiert Manfred Paul. Der Tischtennis-Kurs, gestaltet vom Polizeisportverein, ist mittlerweile sogar so beliebt, dass sogar jetzt sogar Schüler auftauchen, die gar nicht zum Schulverband gehören. Und weil die älteren Jahrgänge etwas neidisch auf die tollen Angebote am „Bildungsnachmittag” blicken, hat sich zum Beispiel an der Hugo-Junkers- Realschule eine Mädchenfußball-AG gegründet, berichtet Schulleiter Herbert Strohmayer.

Künftig sollen vermehrt ältere Schüler in den „Bildungsnachmittag” eingebunden werden. Im Fußball hat das schon geklappt. Ein Schüler aus der Oberstufe des Gymnasiums ist jetzt als Co-Trainer im Einsatz.

Auch den Einsatz der „Lernhelfer” will man im Schulverband noch weiter ausbauen. Vier Neuntklässler vom Gymnasium arbeiten schon jetzt jede Woche drei Stunden lang mit den Kleinen an der Hauptschule.

Viele sind noch skeptisch

Wünsche für die Zukunft? Klar, die gibt es weiterhin in dem Modellprojekt. Klaus Becker, Schulleiter am Geschwister-Scholl-Gymnasium, wünscht sich vor allem „mehr Akzeptanz in der Öffentlichkeit”. „Wer uns nicht kennt”, weiß er, „der ist skeptisch”.

Mit den Anmeldezahlen fürs nächste Schuljahr sind die drei Schulleiter recht zufrieden. 160 neue Schüler insgesamt, das sei angesichts generell eher rückläufiger Schülerzahlen, gar nicht so schlecht. „Aber natürlich ausbaufähig”, sagt Herbert Strohmayer.
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