Aachen - Schulverband Aachen-Ost hat Barrieren abgebaut

Schulverband Aachen-Ost hat Barrieren abgebaut

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
5020416.jpg
Barrieren abbauen, Chancen eröffnen: Prof. Marold Wosnitza (vorne links) hat den Schulverband wissenschaftlich begleitet. Zusammen mit Jennifer Fest (hinten 4.v.l.), Vertretern der Schulen und dem Schulausschussvorsitzenden Wolfgang Boenke (hinten 2.v.r.) stellte er nun die Ergebnisse vor. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. In Nordrhein-Westfalen, sagt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, kommen auf einen Schüler, der den Sprung in eine höhere Schulform schafft, viereinhalb Wechsel, die die Schule „abwärts“ verlassen, etwa vom Gymnasium zur Realschule oder von der Realschule zur Hauptschule. Im Schulverband Aachen-Ost allerdings fällt dieser Vergleich spektakulär anders aus.

Hier gab es zum Beispiel im Schuljahr 2010/11 elf Abwärtsbewegungen, auf der anderen Seite aber 36 „Aufsteiger“ in eine höhere Schulform. Diesen „signifikant höheren Aufwärtswechsel, der komplett gegen den Landes- und Bundestrend geht“, hat RWTH-Professor Marold Wosnitza ermittelt. Der Erziehungswissenschaftler hat die zweijährige Begleitstudie zu dem Modellprojekt erstellt. Mittwochabend präsentierte er Ergebnisse. „Diese Zahlen zeigen, dass der Schulverband eine effektive Form der Schulkooperation sein kann“, erklärte Wosnitza.

Mit einem großen Anspruch war der Schulverband Aachen-Ost 2010 an den Start gegangen: mehr Durchlässigkeit zwischen drei Schulen und drei Schulformen und damit mehr Chancen für die Schüler. Die Gemeinschaftshauptschule Aretzstraße, die Hugo-Junkers-Realschule und das Geschwister-Scholl-Gymnasium sind in dem Modellprojekt eng vernetzt.

Nicht nur die Zahl der Wechsel spricht dafür, dass der Schulverband tatsächlich mehr Durchlässigkeit schafft. Auch viele der befragten Schüler betonten, dass sie sich beim Schulwechsel sehr gut begleitet fühlen, wie Jennifer Fest ausführte. Ein Schüler prägte sogar den Begriff von den „Geschwisterschulen“. Schülern ist aber auch wichtig, dass sie ohne viel Aufhebens zurück können an ihre alte Schule, wenn es an Realschule oder Gymnasium doch nicht klappen sollte. „Und wenn sie runterwechseln, dann gehen sie mit der Frage, was muss ich tun, um zurückzukommen“, bilanzierte Fest.

Sehr geschätzt werden die Förderangebote: der Probeunterricht, der alle Wechsler vorbereitet, die Fördermöglichkeiten im Lernzentrum an der Aretzstraße oder die engagierten „Lernhelfer“ aus der Schülerschaft. Und gemeinsame Aktionen wie der Bildungsnachmittag der drei Schulen am Freitag haben offenbar tatsächlich ein Wir-Gefühl geschaffen.

Während Wosnitza in seiner Bilanz dazu rät, dass sich der Verband noch stärker gemeinsam nach außen präsentieren solle, ist den drei Schulen auch das eigene Profil nach wie vor sehr wichtig. Die Hauptschule etwa legt viel Wert auf ihr überschaubares, kleines System, das individuell auch auf schwierige Schüler eingehen kann, wie die kommissarische Schulleiterin Anna Wahl betont.

Die Durchlässigkeit ist das große Pfund, mit dem der Schulverband wuchern kann. „Ängste nehmen, Wege markieren“, gibt Manfred Birmans, stellvertretender Schulleiter am Geschwister-Scholl-Gymnasium, als Devise aus. „Wir wollen unsere Eigenständigkeit bewahren, aber die Übergänge barrierefrei machen“, sagt Herbert Strohmayer, Schulleiter der Hugo-Junkers-Realschule. „Aber das schönste Modell bricht zusammen, wenn wir keine Anmeldungen haben“, sagt er auch mit Blick auf die laufenden Anmeldefristen für die weiterführenden Schulen. „Wir müssen den Eltern hier im Viertel den Verband als richtige Alternative präsentieren.“

„Wir wollten eine individuelle Lösung für dieses schwierige Viertel finden“, erinnerte der Vorsitzende des Schulausschusses, Wolfgang Boenke (CDU). „Und diese Ergebnisse machen Mut.“

Die Pilotphase für den Schulverband läuft noch bis Sommer 2015. So lange ist der Bestand der drei Schulen im Modellprojekt gesichert. Alle Beteiligten hoffen sehr, dass der „Zug Schulverband“ auch danach weiterrollt. Schließlich, sagt Manfred Birmans, sei auch Schulentwicklung ein Stück Stadtentwicklung. „Und wir drei gehören in dieses Viertel.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert