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Schultheis und Laschet sind in Aachen vorn

Von: Alfred Stoffels
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Die SPD hat Spaß: Ulla Schmidt, Karl Schultheis, Martin Schulz und Claudia Walther (v. l.) feiern im Eurogress. Foto: Harald Krömer

Aachen. Als auf der Großleinwand im Eurogress, wo am Sonntagabend die städtische Wahlparty über die Bühne ging, zum wiederholten Male der Minister Armin Laschet und nicht sein Chef Jürgen Rüttgers in diversen Talk- und Interviewrunden der Fernsehsender auftauchte, da nahm das Gewisper an den Stehtischen allmählich epidemische Ausmaße an.

Das ist der neue Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, so war am Ende vorherrschende Meinung im großen Foyer des Hauses - wenn, ja wenn die CDU wieder ans Ruder kommt. Was durchaus fraglich ist, denn die ist schwer gebeutelt worden bei der Landtagswahl, und in Aachen war das nicht anders als im Rest von NRW.

Und noch etwas lief in Aachen ziemlich parallel: Der Ausgang des Urnengangs zwischen CDU und SPD war halbe-halbe. Christ- wie Sozialdemokraten holten in der Stadt Aachen je ein Direktmandat - Laschet gewann im Süden der Stadt, Karl Schultheis holte den Norden. Als dieses Ergebnis feststand, kam es doch noch zu einem Riesenapplaus im Eurogress, wo den ganzen Wahlabend über eine seltsam verhaltene Stimmung geherrscht hatte.

Das lag wohl auch daran, dass niemand so genau wusste, wie das denn nun weitergeht in Düsseldorf - mit Rot-Grün, mit Schwarz-Grün, mit einer großen Koalition? Nur eins stand schnell fest: Schwarz-Gelb war mit Pauken und Trompeten abgewählt. Bei der ersten Hochrechnung jubilierten zumindest die Jusos lautstark.

287 Stimmen

Dass Laschet gegen seine SPD-Konkurrentin Claudia Walther gewinnen würde, stand nie in Frage, zu deutlich war von Anfang an der Abstand. Am Ende hatte er gut fünf Prozent Erststimmen mehr als die sozialdemokratische Kandidatin; dennoch gab es auch für ihn schwere Einbußen gegenüber 2005.

Ganz spannend wurde es im Wahlkreis Aachen I, wo Schultheis und Einmahl aufeinandertrafen. Beide amtierende Landtagsabgeordnete, beide ohne Chance, über die Liste einzuziehen - sie mussten vor Ort direkt gewinnen. Wie üblich in Aachen schrumpfte der Vorsprung des SPD-Kandidaten im gleichen Maße, wie die Stimmen der Briefwähler ausgezählt wurden.

Und dann zog es sich wie Kaugummi: Bis 22.19 Uhr dauerte es, bevor der Briefwahlbezirk Ponttor-Ost mit einem Ergebnis niederkam. Dann war die kleine Sensation perfekt: Mit einem Mini-Vorsprung von 287 Stimmen ging Schultheis als Sieger durchs Ziel, zu dieser späten Stunde doch noch frenetisch gefeiert von seinen Parteifreunden, inklusive der Bundestagsabgeordneten Ulla Schmidt und des Fraktionschefs im Europaparlament, Martin Schulz.

Schultheis, man merkte es ihm an, empfand diesen Triumph ganz klar als Wiedergutmachung. Im vergangenen Sommer, bei der OB-Wahl, hatte er noch eine Niederlage einstecken müssen. Der Sozialdemokrat: „Diesmal ist es knapp zu meinen Gunsten ausgegangen”, wohl nicht zuletzt dank vieler grünen Wähler, die tüchtig gesplittet hatten. Mit einigem Stolz registrierte Schultheis auch, dass es in Laurensberg und Richterich, also ganz im Aachener Norden, wo er zuhause ist, hervorragend gelaufen sei - ein Indiz dafür, wie sehr er da verwurzelt sei.

Klare Ansage

Rolf Einmahl, nun ohne Mandat, trug es mit Fassung. „Ich werde auf keinen Fall in ein tiefes schwarzes Loch fallen”, sagte der 60-Jährige, der lange Fraktionsvorsitzender im Rat war und sich wohl wieder auf seine Anwaltstätigkeit konzentrieren wird. Seine Wünsche in Richtung Düsseldorf: „Auf jeden Fall muss etwas Stabiles geschaffen werden.”

An einer solchen Konstruktion schien Laschet am Sonntagabend schon mitzubasteln; als schwarz-grüner Wegbereiter der ersten Stunde eine Funktion, die ihm mit Sicherheit zukommt. Er versuchte gar nicht erst, das Desaster seiner Partei schönzureden oder gar der schwarz-gelben Koalition hinterherzuweinen.

Seine klare Ansage: Die „schwierige Stimmungslage in Berlin” und eigene Fehler in NRW hätten für eine „große Niederlage” gesorgt, die Angst um den Euro und das Griechenland-Spektakel hätten ebenfalls zu den Stimmenverlusten beigetragen. Und was ist mit Rüttgers? „Zu wackelig” nannte Laschet das ganze Wahlergebnis, um eine „Führungsdebatte” anzuzetteln - das geschah, siehe oben, ohne sein Zutun bereits im Eurogress-Publikum.

Zu dem auch ein frohgemuter SPD-Geschäftsführer Theo Niewerth gehörte. Der wollte eigentlich seinen letzten Wahlkampf vor dem Ruhestand hinter sich gebracht haben, sagte aber am Sonntag: „Wir kriegen bald vorgezogene Bundestagswahlen, denen in Berlin fliegt der ganze Laden bald um die Ohren.”
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