Aachen - Schultheis: Aachen gehen die Fachkräfte aus

Schultheis: Aachen gehen die Fachkräfte aus

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
Karl Schultheis
Karl Schultheis, derzeit SPD-Chef der Aachener SPD, will für den Fall, dass er zum neuen OB gewählt wird, den Parteivorsitz niederlegen. Nominiert worden ist er für die Kandidatur am Samstag. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Aachener SPD-Vorsitzende Karl Schultheis ist der Ansicht, dass Stadt und Region Aachen jetzt schon, trotz Wirtschafts- und Finanzkrise, unter einem bedrohlichen „Fachkräftemangel” leiden, der sich in Zukunft noch verschärfen könne.

Spätestens dann nämlich, wenn die großen Campus-Projekte der RWTH Wirklichkeit würden. Gebot der Stunde sei es daher, eine „Qualifizierungsoffensive” zu starten, insbesondere bei jungen Leuten, die optimal ausgebildet werden müssten.

Schultheis, zugleich OB-Kandidat und Landtagsabgeordneter, legte jetzt Zahlen der Handwerkskammer vor, deren Fachkräftevermittlung für den Monat März 856 freie Stellen ausweist.

Die negative Hitliste sieht folgendermaßen aus: Im Elektrohandwerk sind 81 offene Stellen nicht besetzt, bei den Metallbauern 73, es folgen Kfz-Handwerk (68), Heizung/Sanitär (46), CNC/Maschineneinrichtung (45), Tischler (35) und Dachdecker (25). Außerdem werden „Führungspersönlichkeiten” gesucht, etwa Fertigungs- und Produktionsleiter, Geschäftsführer und Nachfolger von Eigentümern.

Ingenieure gesucht

Die örtliche Arbeitsagentur meldet zudem 124 offene Stellen für Akademiker. Der größte Bedarf besteht bei den Ingenieuren (ohne Architektur), wo es 68 unbesetzte Arbeitsplätze gibt, im IT-Bereich sind es 25, und immerhin neun sind registriert bei den Ärzten (wobei im medizinischen Bereich bei weitem nicht alle offenen Stellen gemeldet seien).

Aus all dem folgert Schultheis, dass es dringend an der Zeit sei, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Allein mit Blick auf die Campus-Vorhaben, die mehrere tausend neue Arbeitsplätze im Gefolge hätten, müsse unbedingt „ein strategisches Qualitätskonzept” her, maßgeschneidert für die Region. Es sei nämlich nicht so schlau, die benötigten Fachkräfte aus anderen Teilen Deutschlands quasi zu importieren, weil man selbst zu wenig geeignete Bewerber habe.

Zum speziell akademischen Fachkräftemangel erklärte Schultheis, bedauerlicherweise sänken die Quoten der Studienanfänger und auch die der Studienabbrecher. Dies habe damit zu tun, dass das deutsche Bildungssystem unsozial sei - nur in Bulgarien seien Studenten aus bildungsfernen Elternhäusern noch chancenloser als in Deutschland. Einer der Gründe liege mit Sicherheit an den Studiengebühren, die daher beseitigt werden müssten - „es führt kein Weg daran vorbei”.

Im Hintertreffen befinde sich die Bundesrepublik auch, was die Zahl berufstätiger Frauen angehe. Und zu bemängeln sei zudem, dass es pro Jahr bundesweit lediglich 4000 Ausbildungsverträge für einen dualen Studiengang gebe, gerade mal ein Prozent aller abgeschlossenen Verträge.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert