Schulen an Fettdonnerstag: Hier Alaaf, dort Klausur

Von: Margot Gasper
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Vier Wochen noch, dann tanzen die Jecken wieder auf den Straßen. Würde man am Fettdonnerstag eine Tour durch die weiterführenden Schulen in Aachen machen, man träfe ganz unterschiedliche Verhältnisse an. Foto: imago

Aachen. Vier Wochen noch, dann tanzen die Jecken wieder auf den Straßen. Würde man am Fettdonnerstag eine Tour durch die weiterführenden Schulen in Aachen machen, man träfe ganz unterschiedliche Verhältnisse an.

Manche Schulen machen an Weiberfastnacht Unterricht, allen Pappnasen zum Trotz und wenigstens für ein paar Stunden. Andere machen selbst Karneval. Es gibt aber auch Schulen, die sind am Fettdonnerstag geschlossen.

Die Schulaufsicht bei der Bezirksregierung in Köln sieht das allerdings nicht so gerne. Die Schulen werden sogar aufgefordert, ihr Schüler nicht vorzeitig nach Hause zu schicken. Das entsprechende Schreiben sei in Vorbereitung, so eine Sprecherin. So will man vermeiden, dass sich die jungen Leute allzu früh in den Trubel - mit all seinen Nebenwirkungen - stürzen.

Elke Münich, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule, findet auch, dass der Fettdonnerstag ein Schultag sein sollte. „Wir als Schulträger schlagen vor, den Freitag nach Fettdonnerstag, den Rosenmontag und den Veilchendienstag freizugeben.”

Münich plädiert außerdem für einen eindeutig närrischen Akzent am Fettdonnerstag. „Aachen ist eine Karnevalshochburg, und Karneval ist Brauchtumspflege”, sagt sie, „ich finde es schade, wenn Schulgemeinschaften sich da zurückhalten und den Kindern diese Tradition nehmen.” Brauchtum solle unterstützt und nicht aus der Schule verbannt werden.

Ob eine Schule am Fettdonnerstag freimacht, hat offenbar viel damit zu tun, ob es dort eine karnevalistische Tradition gibt. Die Show am Gymnasium St. Leonhard zum Beispiel hat längst Kultcharakter über die Schule hinaus. Einfluss hat aber auch die Nähe zur Innenstadt - und Erfahrungen, die die Schule in den vergangenen Jahren mit den Wogen des närrischen Frohsinns gemacht hat.

„Wir haben hier an der Schule keine karnevalistische Tradition”, bedauert zum Beispiel Günther Sonnen, Schulleiter des Couven-Gymnasiums. „Und es ist sehr schwierig, die Schüler an dem Tag in der Schule zu halten.” Zwar liegt die Lütticher Straße nicht gerade im Epizentrum des närrischen Treibens. „Aber mit dem Bus ist man flott am Markt. Deshalb geben wir die Kinder an diesem Tag in die Verantwortung der Eltern.” Die Lehrer am Couven gehen übrigens zur Schule. Für sie ist eine Fortbildung angesetzt. Zu Karneval, sagt der Schulleiter, sei es einfacher, Referenten zu bekommen.

Am Kaiser-Karls-Gymnasium, nur einen Steinwurf vom Markt entfernt, ist an Weiberfastnacht auch schulfrei. „Bis vor ein paar Jahren wollte ich noch mit dem Kopf durch die Wand und auf jeden Fall Unterricht machen”, erklärt Schulleiter Paul-Wolfgang Jaegers. „Aber ringsum brandet der Karneval, und wir können die Schule nicht zum Hochsicherheitstrakt umbauen.”

Das Inda-Gymnasium ist in Kornelimünster zwar weitab vom Schuss. „Aber Unterricht ist an dem Tag erfahrungsgemäß nur schwer umzusetzen”, sagt Schulleiter Arthur Bierganz. Er hat deshalb die Tradition seiner Vorgängerin übernommen und gibt schulfrei. „So ermöglichen wir den Schülern, am Brauchtum der Stadt teilzunehmen.”

Auch an der Alkiun-Realschule hat die Schulkonferenz für Fettdonnerstag einen freien Tag beschlossen. Das Problem mit dem Alkohol, berichtet Schulleiter Günter Maaßen, habe immer wieder zu Problemen geführt. „Einzelne Schüler kamen schon angetrunken zur Schule. Diese Auseinandersetzungen können wir uns wirklich sparen.” Er sieht auch die Eltern in der Pflicht. „Man kann die Verantwortung nicht immer den Schulen übertragen.”

An der Heinrich-Heine-Gesamtschule machten in der Vergangenheit vor allem Jugendliche von außerhalb Probleme. „Viele Schulen machten frei, und die Schüler hatten nichts Besseres zu tun, als bei uns anzutanzen”, berichtet Schulleiter Heinrich Parting. „Ich habe selbst an der Tür besoffenen Halbwüchsigen gegenübergestanden.” Sogar die Polizei musste anrücken. Vor drei Jahren zog die Schulkonferenz schließlich die Reißleine und genehmigte einen freien Tag. „Wir sehen nicht ein, dass die Probleme von anderen Schulen zu uns verlagert werden”, sagt Parting rigoros.

Klaus-Reiner Börger dagegen hält dem Karneval die Stange. Zumindest den Kleinen in den unteren Klassen wolle man etwas Karneval bieten, sagt der Schulleiter der Gemeinschaftshauptschule Eilendorf. Allerdings verstärkt auch Börger an dem Tag die Aufsicht und lässt am Eingang die Taschen kontrollieren, damit niemand Alkohol einschmuggelt. Die Eilendorfer gehören zu den ganz wenigen Schulen, die auch am Freitag Unterricht machen. „Wir haben ja diesmal nur drei bewegliche Ferientage”, erklärt Börger. Die wolle man lieber anders nutzen.

Und das Pius-Gymnasium lässt an Fettdonnerstag sogar Klassenarbeiten schreiben. „Mutet sonderbar an, ist aber gemeinsam mit den Schülern so beschlossen”, versichert Schulleiter Josef Els. Praktischer Nebeneffekt: „Wir vermeiden so, dass einzelne Schüler betrunken in die Schule kommen.” Nicht einmal Kontrollen seien nötig. Nachmittags startet am Pius traditionell die Karnevalssitzung. Die große Sause muss allerdings in diesem Jahr etliche Nummern kleiner ausfallen. Die Schulaula ist nämlich Baustelle, weil dort die Decke rausgerissen wird.

Nachvollziehen kann Schulamtschefin Elke Münich die Argumente der Schulen - zumindest in der Innenstadt - durchaus. „Die sind ganz nah dran am Karnevalsgeschehen.” Eine einheitliche Karnevalsregelung für alle Schulen fände sie dennoch sinnvoll und wünschenswert - auch mit Blick auf die Betreuung. „Für berufstätige Eltern mit mehreren Schulkindern ist es ein echter Kraftakt, wenn ein Kind frei hat und das andere nicht.” Münich betont: „Eine einheitliche Regelung erleichtert Eltern die Organisation.”
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