Schonzeit fürs Parkhaus erneut verlängert

Von: Gerald Eimer
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„Nikolausviertel“ nennen die Planer das Quartier rund um das Parkhaus Büchel, das grundlegend umgestaltet und aufgewertet werden soll. Nächste Woche sollte eigentlich der Startschuss erfolgen, doch noch herrscht offenbar größerer Klärungsbedarf. Foto: Manfred Kistermann

Aachen. Unter dem neuen Arbeitstitel „Nikolausviertel“ strebt die Stadt nunmehr im Zusammengehen mit den beiden Investoren und Projektentwicklern Norbert Hermanns und Gerd Sauren eine weitreichende Umgestaltung rund um den Büchel an.

Die Zeitvorgaben lassen sich als durchaus ehrgeizig bezeichnen: Schon in der kommenden Woche sollte im Planungsausschuss der Startschuss für den städtebaulichen Wettbewerb fallen. Doch wie es aussieht, ist der Termin nicht zu halten. Die Interessenlage zwischen Politik und Verwaltung auf der einen Seite sowie Eigentümern und Geldgebern auf der anderen Seite ist allem Anschein nach doch unterschiedlicher, als es nach außen hin verlautbart wird.

Es war ein Paukenschlag, mit dem Oberbürgermeister Marcel Philipp und Planungsdezernentin Gisela Nacken im Februar das Ende der „Bel Etage“-Pläne auf dem Parkhaus Büchel-Gelände verkündeten und stattdessen die Geburt eines ganz neuen Innenstadtviertels in Aussicht stellten. Möglich machen sollen es Hermanns und Sauren, die in dem Planungsgebiet zwischen Kleinköln-, Nikolaus-, Mefferdatis- und Antoniusstraße maßgebliche Grundstücke und Immobilien besitzen.

Mehrere Gesprächsrunden hat es seitdem bereits gegeben, doch die Sachlage ist offenbar so komplex, dass nun weitere Treffen angesetzt worden sind, bevor der Wettbewerb überhaupt angeschoben werden kann. Der seit Jahren angekündigte Abriss des bei den Stadtplanern so ungeliebten Parkhauses Büchel wird sich damit weiter verzögern.

Denn wegen der bevorstehenden Neuwahl des Rates und der anschließenden Sommerpause dürfte sich der Start des Städtebauwettbewerbs gleich um mehrere Monate verzögern. Einige Politiker fürchten gar, dass sich vor dem Winter gar nichts mehr tut. Sie sprechen derzeit alle nur hinter vorgehaltener Hand und wollen nicht genannt werden. Getrieben scheinen sie jedoch alle von der Sorge, dass die beiden wichtigen Investoren die bisherigen Pläne kippen könnten.

Vorgesehen ist dabei insbesondere, mit dem Abriss des Parkhauses den Verkehr im Viertel deutlich zurückzudrängen. Der bislang leicht angeschmuddelte Bereich um die Antoniusstraße soll im Gegenzug deutlich aufgewertet werden. Die Rotlichtmeile wird auf ein Meilchen verdichtet, dafür entsteht mehr Platz für Geschäfte, Büros, Wohnungen, neue Wege und vielleicht auch kleine Plätze. Hinter allen Plänen steht auch das Vorhaben, ein Gegengewicht zur neuen Einkaufslandschaft „Aquis Plaza“ zu schaffen. Von einer „Erweiterung der Altstadt mit Wohlfühlcharakter“ sprachen die Planer von Hermanns Landmarken AG bereits im Februar.

Auf Anfrage betont Hermanns erneut, dass das neue Quartier zumindest von der „Raumwirkung“ her Altstadtcharakter erhalten soll. Wie das hinterher im Detail aussieht, sollen Stadtplaner und Architekten erarbeiten. Bevor die jedoch in den Wettbewerb einsteigen können, müssten noch einige Vorarbeiten geleistet werden. Die sich daraus ergebenden Verzögerungen seien nicht dramatisch. „Ich gehe davon aus, dass die Ergebnisse noch in diesem Jahr vorliegen“, gibt er sich optimistisch.

Zu überplanen sei ein „sehr komplexes Gebiet“, an das es verschiedene Anforderungen gebe. „Darüber muss man reden.“ Schließlich werde dort „ein signifikanter Teil der Altstadt für die nächsten hundert Jahre“ neu gebaut. „Das muss toll werden“, unterstreicht Hermanns.

Dass es „toll“ werden muss, finden auch die Politiker. Fragt sich nur, was „toll“ ist. Wie viel Grün, wie viel Wasser, wie viele Geschäfte, wie viele Wohnungen, welche Geschosshöhen, wie viele Autos und welche Wege? Die Antworten auf all diese Fragen sollen nicht alleine den Wettbewerbsteilnehmern überlassen werden.

Und dann ist da vor allem noch die Parkplatzfrage. Der Wegfall der Büchel-Stellplätze müsse kompensiert werden, meinen viele Geschäftsleute. Ein neues Parkhaus im Viertel wäre daher auch aus Sicht der Projektentwickler sinnvoll. Doch das wollen Politik und Verwaltung möglichst verhindern. Denkbarer Ausweg: Ein Parkhaus könnte zwischen Seilgraben und Großkölnstraße gebaut werden – dort, wo das einstige Modehaus Pfeiffer vor sich hingammelt.

Bevor der Städtebauwettbewerb nun tatsächlich gestartet wird, haben sich die Beteiligten auf zwei weitere Workshops verständigt, in denen unter anderem auch die Verkehrsfragen geklärt werden sollen. Trotz der jetzigen Verzögerungen befinde man sich „in konstruktiven Gesprächen“, geben sich einzelne Gesprächspartner zuversichtlich. Andere haben inzwischen jedoch die Sorge, dass der seit langem bestehende Konsens für die Entwicklung des Viertels von den neuen Investoren aufgekündigt werden könnte.

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