Schockvideos sollen junge Leute vom Anschnallen überzeugen

Von: Heiner Hautermans
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Aachen. Ralf Mallmann bevorzugt den Winter, rein beruflich. Der Leiter der Direktion Verkehr im Aachener Polizeipräsidium verbucht an Tagen mit Eis und Schnee zwar viele Zusammenstöße, die allerdings fast immer nur mit Blechschäden abgehen.

Auf der anderen Seite stieg die Zahl der Unfälle mit Personenschaden im heißen Juli 2010 um fast ein Drittel: „Von mir aus könnte zwölf Monate Winter sein.” Im Großen und Ganzen ist der Polizeioberrat aber sehr zufrieden mit der Unfallentwicklung des letzten Jahres. Im Zehnjahresbereich sinken in allen Diagrammen die Ziffern. So ist die Zahl der Verkehrstoten auf ein historisches Tief im Bereich der Städteregion gesunken, auch die Zahl Schwerverletzter ist seit Jahren rückläufig.

Für den Bereich der Stadt Aachen sehen die Zahlen ebenfalls günstig aus: Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle ist um 2,8 Prozent auf 10283 zurückgegangen. Die Zahl der dabei um Leben Gekommenen hat sich sogar von acht auf zwei reduziert, ein Fußgänger und ein Radfahrer. Die Zahl der Verletzten ging ebenfalls deutlich zurück, auf insgesamt 816 im letzten Jahr. Besonders erfreulich: Besonders stark war diese Tendenz bei Schwerverletzten (von 158 auf 108) und Kindern (von 90 auf 62). Elf Unfälle ereigneten sich auf dem Schulweg.

Den positiven Trend führt die Polizeispitze auf das hilfreiche Wirken von Bezirksbeamten und Verkehrsberatern in Schulen und Kindergärten zurück. Aber auch die Konzentration von Verkehrssicherheitsmaßnahmen, etwa Kontrollen, auf die Stadt Aachen hat nach Ansicht der Verantwortlichen dazu beigetragen, dass auch die Zahl der verletzten Radfahrer gesunken ist, um 29 Prozent auf 193.

Dazu könne auch der Ausbau des Radwegenetzes in Aachen beigetragen haben. Ebenfalls erfreulich: Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort ist um 28,5 Prozent auf 143 Fälle gesunken, die Aufklärungsquote gleichzeitig auf mehr als 75 Prozent gestiegen, ein Spitzenplatz im Landesvergleich. Mallmann: „Unfallflucht lohnt sich nicht.”

Erfreuliche Entwicklungen

Wenn auch in fast allen Statistikfeldern erfreuliche Entwicklungen abzulesen sind, gibt es auch Problemfelder, denen sich die Ordnungshüter in Zukunft verstärkt widmen werden, etwa die steigenden Zahlen von Unfällen unter Alkohol- und Drogeneinfluss, unter besonderer Beteiligung von jungen Leuten zwischen 18 und 24 Jahren. Um diese zu überzeugen, sich anzuschnallen, nicht zu rasen und sich nicht berauscht an Steuer zu setzen wird die Aachener Polizei ein neues Landesprojekt in die Schulen bringen „Crash Kurs NRW - Realität erfahren. Echt hart”. Es ist in anderen Städten schon mit Erfolg getestet worden.

Vor hunderten von Schülern wird dann das Leid gezeigt, dass Verkehrsunfälle über Menschen bringen. Schockvideos werden gezeigt, Polizeibeamte, Feuerwehrleute, Seelsorger oder Notärzte berichten von ihren Erlebnissen, Unfallbeteiligte erzählen, Angehörige von Getöteten stellen ihr Schicksal dar. Mallmann: „Spätestens wenn der Trailer gelaufen ist, herrscht Totenstille.”

Denn auch wenn Unfallstatistik in die richtige Richtung weist, ist den Polizeibeamten klar: „Hinter jeder Zahl verbergen sich tragische Schicksale.” Deshalb werde man alles in ihrer Macht Stehende tun, um zu weiteren Verringerungen zu kommen, erklärte die Vertreterin des Polizeipräsidenten, Bärbel Feldmann-Beuß, zu guter Letzt.
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