Aachen - Schminken, Singen, Spielen: Jugendliche als Videostars

Schminken, Singen, Spielen: Jugendliche als Videostars

Von: Jenifer Töpperwein
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Johann Beurich produziert all seine Mathematik-Songs selbst. Foto: dpa

Aachen. Lieder über Liebe gab es ja schon so wahnsinnig viele. Also hat sich „DorFuchs“ für Mathe entschieden. Seit 2011 rappt er bei Youtube über die pq-Formel, den Satz des Pythagoras und Polynomdivision. Ein sehr spezielles Hobby, das viele Fans fand.

„Ich habe mich selbstironisch als Streber dargestellt“, sagt Johann Beurich, wie der 20-Jährige tatsächlich heißt.

So gut läuft es nicht bei allen Youtubern. Die Kommentare unter den Videos können drastisch sein. „Jugendliche müssen lernen, das auszuhalten“, sagt Elisa Behner, Medienpädagogin aus Düsseldorf. Sie rät, selbstbewusst zu bleiben: „Jugendliche machen solche Videos, um sich als Experten darzustellen.“ Nach Kritik sollten sie sich daran erinnern, dass sie etwas können.

Beleidigende Kommentare zu den Videos kann man ignorieren. Konstruktive Kritik sollte man ernst nehmen, sagt Ulrich Tausend, Soziologe und Referent am JFF Institut für Medienpädagogik in München. Bei Youtube dominieren die beliebten Let‘s Plays, in denen meistens Jungen ein Computerspiel vorführen und kommentieren. Bei Mädchen seien Schminkanleitungen und Tanzvideos der absolute Trend.

Auch wenn die Themen unterschiedlich sind: Alle erfolgreichen Videos haben eins gemeinsam: einen bestimmten Stil, etwas Besonderes, das das Video von anderen unterscheidet. Für den Anfang reicht einfache Technik, findet er. Die meisten Computer haben bereits eine Webcam und eine Schnittsoftware. Gute Mikros seien günstig. Was man aber nicht unterschätzen darf, ist das Schneiden. Da müssen sich Jugendliche lange einarbeiten.

Als Johann anfing, lieh er sich die Digitalkamera seiner Schwester aus. „Mein erstes Video war technisch nicht gut, aber der Inhalt stimmte. Wichtig ist, dass jedes Video eine Aussage hat“, erklärt er. Pädagogin Behner bestätigt: „Es ist wichtig zu wissen, was man sagen möchte.“ Die größte Gefahr bei Anfängern sei, dass die Videos zu lang sind.

Freunde können die ersten Zuschauer und Kritiker sein. Gut ist es auch, die Eltern einzubeziehen. „Die haben einen anderen, vorsichtigeren Blick“, sagt Tausend. Denn man müsse sich bewusst sein: Was ich veröffentliche, können alle sehen. Wer das Risiko nicht eingehen möchte, kann die Videos anonym drehen. Oder zunächst die pädagogisch betreute Plattform juki.de vom Deutschen Kinderhilfswerk nutzen.

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