Aachen - Schlange stehen für den Luxus-Lernplatz an der RWTH

Schlange stehen für den Luxus-Lernplatz an der RWTH

Von: Sarah-Lena Gombert
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Morgens um halb acht in Aachen: Wer zeitig ist, bekommt einen der begehrten Lernplätze in den Zentralbibliotheken. Kurz vor der anstehenden Klausurphase ist am Templergraben viel los. Foto: Sarah-Lena Gombert

Aachen. Langsam bewegt sich die Schlange vorwärts. Es ist Mittwochmorgen, acht Uhr. Hunderte Studenten haben sich vor den beiden Zentralbibliotheken der RWTH am Templergraben eingereiht, die in Kürze ihre Türen öffnen. Hier, an einem der rund 500 Lernplätze, wollen die jungen Männer und Frauen für ihre anstehenden Klausuren pauken. Dafür nehmen sie Wartezeiten in Kauf.

Ein Ordner steht ein wenig abseits und passt auf, dass sich niemand vordrängelt. „Einige stellen sich morgens ab 7 Uhr an“, sagt Kristina. Sie studiert auf Lehramt, ist im 10. Semester, macht bald ihren Master. Natürlich gebe es auch andere Orte zum Lernen. „Aber an der Zentralbibliothek hat jeder Platz eine eigene Steckdose, eigenes Licht und genügend Platz“, sagt sie.

Viele Gründe für lange Schlangen

Dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) sind die Probleme bekannt. „So drastisch die Bilder auch aussehen: Für Studierende ist diese Situation eigentlich normal“, sagt Justus Schwarzott, Vorsitzender des AStA. Ob es die besonders anspruchsvollen Klausuren sind oder beengte Verhältnisse in den Wohnungen der Studenten: In Schwarzotts Augen könne es viele Gründe dafür geben, warum sich gerade in Aachen so lange Schlangen vor den Bibliotheken bilden.

Studenten sprechen nicht nur miteinander, sie „jodeln“ auch. Die vor allem von Studierenden genutzte App, bei der man sich anonym mit anderen Menschen in seiner näheren Umgebung austauschen kann, findet in Aachen großen Anklang. Auch die Warteschlangen vor den Bibliotheken oder die nicht vorhandenen Lernplätze werden immer wieder diskutiert. Da fordern angehende Chemiker die Maschinenbauer und Betriebswirtschaftler ziemlich rabiat auf, die Räume der Chemie nicht zu blockieren. Das seien Einzelfälle, schätzt Justus Schwarzott.

Der AStA sei stets bemüht, mehr Plätze für die Studis herauszuschlagen. „Wir gelangen mittlerweile in eine Situation, in der es schwierig ist, neue Räume zu schaffen“, sagt Schwarzott. Darum komme es auf eine bessere Verteilung an.

Innerhalb der Hochschulverwaltung ist Olga Marusich für die Raumverteilung zuständig. „Die Lernräume sind ein großes Thema“, erklärt sie. Im Wintersemester werde es kein Lernzelt wie im vergangenen Sommer geben. Das sei schlicht eine Kostenfrage. Auch der AStA äußert sich kritisch zum Thema Zelt: „Das Geld, das man für dieses Zelt ausgibt, fehlt an anderer Stelle, um in die feste Infrastruktur zu investieren“, argumentiert Schwarzott.

Dennoch sei man bemüht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Platz zu schaffen, betont Marusich. So würden in der vorlesungsfreien Zeit Seminarräume im Carl freigegeben. Das Sparkassenforum sei wochenends geöffnet. Mobiliar aus dem Kármán-Auditorium wird in Foyers verschiedener Institute gekarrt, damit Lernplätze geschaffen werden können.

Wie die Studierendenvertreter wünscht sich auch die Verwaltung mehr Platz für die Lernenden. Ob aber beispielsweise im Kármán-Auditorium, das saniert wird, dauerhaft Lernplätze entstehen könnten, sei Sache des Landes. „Letztlich können wir aber nicht allen Studenten einen Lernplatz anbieten“, sagt Marusich.

Auch an der Fachhochschule bemüht man sich, mehr Lernraum zu schaffen. Denn auch hier knubbelt es sich. Es sei aber keine zusätzliche finanzielle Unterstützung durch das Land zu erwarten. Abhilfe gibt es trotzdem: Im April ist Baubeginn für die Erweiterung der Bibliothek. „Der Lesesaal mit 150 Plätzen wird 2019 für die Studierenden bereitstehen“, sagt Marcus Baumann, Rektor der FH. Eigentlich sei aus Sicht der FH bereits vor drei Jahren geklärt gewesen, dass die Bauarbeiten beginnen können.

„Über die Verzögerung sind wir sehr verärgert“, sagt Baumann. Der zögerliche Fortgang bei Bauprojekten, unter dem die FH leide, mache sich auch bei diesem Thema bemerkbar. Man warte zudem auf die Fertigstellung des Kompetenzzentrums Mobilität. „Hier sind zusätzliche Lernräume vorgesehen“, sagt Baumann. Doch an der Hohenstauffen­allee sei immer noch eine unbearbeitete Brachfläche. „Wir hoffen, dass es nun im Frühjahr endlich losgeht.“

Lernen bis Mitternacht

Die Schlange hat am Templergraben hat sich wieder ein Stück bewegt. Kristina ist guter Dinge, einen Platz zu bekommen. Auf die Frage, wie lange sie an diesem Tag in der Bibliothek bleiben will, guckt sie zunächst etwas ungläubig, und antwortet dann: „Bis Mitternacht natürlich!“

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