Schagenstraße: Modul-Dorf für sanierungsbedürtige Kitas

Von: Heiner Hautermans
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Trafen sich gestern zur Lagebesprechung an der Schagenstraße: Melanie Klähn (Stadt Aachen), Sebastian Zirke und Nadja Oligschläger (Firma Fagsi), Architekt Harald Sprenker (v. l.). Foto: Heike Lachmann
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Auf Tiefladern wurden die Container in den letzten Tagen angeliefert und von einem Kran an die vorgesehene Stelle gewuchtet. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Die Stadt Aachen hat Probleme mit ihren Kindertagesstätten – in vielfacher Hinsicht. In der Weißwasserstraße war es die Sanierung des schadstoffbelasteten Philipsgeländes nebenan, weswegen eine Container-Siedlung an der Barbarastraße in Rothe Erde aufgestellt worden ist.

Dort ist zurzeit und wahrscheinlich für ein halbes Jahr die Kita Alfons-Gerson-Straße aus Kornelimünster untergebracht, in der es nicht wegzubekommende Ausdünstungen gibt. Sanierungsbedarf gibt es aber auch in anderen Aachener Kindertagesstätten. Das hängt einmal mit deren Alter zusammen, viele sind in den 70er Jahren entstanden, ihr Zustand entspricht modernen Anforderungen nicht mehr. Zum anderen haben sich die gesellschaftlichen Ansprüche gewandelt, gibt es beispielsweise einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Deshalb braucht man mehr Platz.

Um die vorhandenen Kitas auf Vordermann zu bringen, bedarf es deshalb eines zweiten Container-Dorfs, das derzeit an der Schagen-straße zwischen Driescher Hof und Brand errichtet wird. Schon in den Herbstferien wird dort die Kita Franz-Wallraff-Straße ausgelagert, weil dort – nach einem Brand und dem Eintritt von Löschwasser – Feuchtigkeit aufgetreten ist.

Dort sollen die Fußböden vollständig ausgetauscht werden, möglicherweise sind auch noch weitere Sanierungsschritte erforderlich. Anschließend werden die Kinder aus der Aachener Straße in die Schagenstraße umziehen. Ihr altes Gebäude wird komplett abgerissen und für 2,7 Millionen neu gebaut. Möglicherweise sind aber noch weitere Kita-Erneuerungen fällig, da ist man sich im Gebäudemanagement und Jugendamt noch nicht so ganz sicher.

Sportlicher Zeitplan

Deshalb hat die Stadt Aachen Nägel mit Köpfen gemacht und ein ihr gehörendes, 3700 Quadratmeter großes Grundstück gegenüber der Kita an der Schagenstraße, auf dem einmal Wohnbebauung entstehen soll, vorübergehend umgenutzt. 63 nagelneue Container, die speziell auf die Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet sind, sind dort von einem großen Kran in den letzten Tagen auf vorgefertigte provisorische Fundamente gehoben worden, zwei davon dienen ausschließlich der Aufbewahrung von Spielzeug. Zuvor musste eine Lehmschicht abgetragen werden, damit die 2,5 bis vier Tonnen schweren Container auf einen tragfähigen Untergrund gesetzt werden konnten. Sie nehmen jetzt eine Grundfläche von 15 mal 65 Meter ein und sind miteinander verbunden.

„Es ist ein sehr schnelles Bauwerk. In drei Tagen steht die Anlage“, sagt Architekt Harald Sprenker von Büro Medefindt, Dollmann & Partner. „Es ist sportlich, aber wir werden es schaffen.“ Denn mit dem Aufstellen ist es nicht getan, anschließend geht es an den Innenausbau, berichtet Melanie Klähn vom Gebäudemanagement. Wickelräume sind vorgesehen, kindgerechte Toiletten, aber auch Haustechnik, Schallschutz und Brandschutzvorrichtungen samt Alarmanlage befinden sich auf dem neuesten Stand. Es muss rasch gehen: Am 28. Oktober soll nämlich Eröffnung sein, die Kita Franz-Wallraff-Straße ihren Betrieb im Exil aufnehmen.

Etwa 900 Quadratmeter Nutzfläche, die entsprechend den städtischen Richtlinien in Verbindung mit den Vorgaben des Landschaftsverbands Rheinland kindgerecht ausgestattet sind, stehen in den Modulbauten zur Verfügung, der Außenbereich mit Garten und Spielflächen ist 2600 Quadratmeter groß. Sechs Kita-Gruppen können in den 63 Containern untergebracht werden, Kinder unter zwei Jahren und über drei Jahre, zur Not auch aus verschiedenen Einrichtungen.

So viel Infrastruktur, auch wenn sie nur vorübergehend genutzt wird, hat ihren Preis: 600.000 Euro muss die Stadt der darauf spezialisierten Firma Fagsi aus Morsbach hinblättern, zunächst einmal für 24 Monate. Möglich ist aber auch eine Verlängerung. Architekt Sprenker: „Optional ist eine Verlängerung der Mietzeit von 6 bis zu 24 Monaten je nach Erfordernis des Bauherrn möglich.“

Wie lange es auch dauert wird und wie viele Kitas noch auf das Gelände ziehen werden, eines ist sicher: Am Ende wird wieder alles zurückgebaut und das Grundstück in den ursprünglichen Zustand versetzt.

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