Aachen - Schängche-Spieler Reuters: „Das geht schon in die Knochen”

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Schängche-Spieler Reuters: „Das geht schon in die Knochen”

Von: Georg Dünnwald
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Viel Spaß und Freude hatten d
Viel Spaß und Freude hatten die älteren Herrschaften in der AWO-Begegnungsstätte an der Schleswigstraße beim Verzäll von Puppenspieler Peter Reuters, der sein Schängche mitgebracht hatte. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Kriegen die Puppen denn keine Abnutzungserscheinungen an ihren Gelenken”, fragte die ältere Dame hintersinnig und erntete für ihre trocken vorgebrachte Frage ein herzhaftes Lachen. Peter Reuters, der „Schang” des Öcher Schängche, erzählt im Seniorentreff der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Schleswigstraße Ameröllchen aus dem Leben der Stockpuppen.

Er führt die Hauptfigur, das Öcher Schängche, und gibt ihr auch die Stimme. Und das schon seit einigen Jahren, nachdem er Hubert Crott, das Jüppchen von Josef, Jupp und Jüppchen, beerbte.

Reuters bläst der Stockpuppe quasi eine Seele ein, lässt sie sympathisch erscheinen, hintersinnig, vorlaut, naiv, beherzt und herzlich, mutig und ängstlich zugleich. „Ene richtige Öcher es dat”, weiß Reuters. Um auf die Frage nach den Gelenken zurückzukommen: „Unsere Puppen haben schon ziemlich stabile Gelenke”, antwortet Reuters den älteren Herrschaften, die sich alle während des Vortrags amüsieren und auch das Platt verstehen, das der Herr Reuters da spricht. „Allerdings werden in den spielfreien Zeiten unsere Puppen, dr Schang, et Jriet, dr Veries, dr Nieres, dr Noppeney und alle anderen auf Herz und Nieren überprüft, und hin und wieder ist auch mal eine kleine Operation fällig”, sagt Reuters.

„Echte” Gelenke

Er verweist darauf, dass die Stockpuppen des Puppentheaters in der Barockfabrik am Löhergraben „echte” Gelenke haben, „deshalb können sie auch richtig sitzen, wenn der Stuhl eine Auslassung für den Stock hat.” Bei den Puppen des Kölsch Hänneschen sei das nicht der Fall. Da wirbelten die Beine bei bestimmten Bewegungen nur so in der Luft. „Die machen ja auch weniger als die Hälfte des Gewichts unserer Puppen aus und sind auch um die Hälfte kleiner”, stellt Reuters fest. Denn die Öcher seien im Schnitt 90 Zentimeter groß, die Kölner nur 45 Zentimeter.

Die Aachener und die Kölner Puppenbühnen seien aber die einzigen Stockpuppenbühnen Deutschlands, bemerkt der Puppenspielkünstler. Er erinnert auch daran, dass es Hubert Crott war, der seinerzeit das Schängche Fastelovvend fiere ließ. „Wir hatten einen Abend eingeplant.” Jetzt seien es schon sieben jecke Abende in familiärer Umgebung.

Und die haben es auch in sich. Denn et Schängche und et Jriet brächten immerhin zehn bis zwölf Kilo auf die Waage. „Das Führen der Puppen geht ganz schön in die Knochen. Nach einem Spiel für Erwachsene, und das dauert immerhin zwischen zwei und zweieinhalb Stunden, weiß man, was man getan hat”, beteuert der Puppenführer. Jedenfalls könne er sich den Besuch eines Fitnessstudios sparen, „in unserem zwölfköpfigen Ensemble ist jeder fit und baut während der Spielzeit am laufenden Meter Muskeln auf”.

Die nächste Erwachsenenvorführung sei für diesen Monat geplant. Der Bettelstudent soll die Besucher locken, „die ersten Vorstellungen sind schon längst ausverkauft”, weiß Reuters. Er tröstet seine Zuhörer, die vor lauter Begeisterung vergessen, ihr Törtchen zu essen: „Aber wir bieten ja bis in den Juni hinein Abende an, da werden mit Sicherheit noch Karten zu haben sein.”

150 Personen passen in das Theatersälchen in der Barockfabrik, „Am schönsten ist es natürlich, wenn das Haus ausverkauft ist”, sagt Reuters. Für ihn ist es wichtig, dass die Darsteller ein perfektes Öcher Platt sprechen. Etwa 80 Prozent eines Stückes für Erwachsene wird in der Mundart geboten, bei den vielen Kinderstücken, die an Sonntagnachmittagen aufgeführt werden, sind es etwa 40 Prozent. Er bedauert, dass immer weniger Kinder und Jugendliche das Öcher Idiom kennen und können, „obwohl sich viele Lehrer bemühen und es vom Verein Öcher Platt und von der Sparkasse initiierte Wettbewerbe gibt”.
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