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Sascha Berretz zeigt „Utopie und Sampling“

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
Letzte Aktualisierung:
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Der Aachener Künstler Sascha Berretz stellt seine Werke noch bis nächste Woche Freitag aus. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Thrill kommt zuerst. Versunken im Hochwasser zeigen sich edle Glasbauten, die sich als das Wohnhaus des US-Designers und Architekten Charles Eames in Kalifornien erweisen. Die geradlinige, schlichte Architektur mit den an Mondrian angelegten Elementen steht erhaben im Wasser und spiegelt sich bewegt wie verwischt in den Wellen.

Mit cineastischem Blick verfolgt der Betrachter die offensichtliche Katastrophe, die sich im Licht der Glasfenster und Wellen als apokalyptische Vision anbietet. Blendend wie das Licht ist die nie gesehene Schönheit des Szenarios, verwirrend das Spiel von Glas und bewegtem Wasser.

Nun sinkt der Blick in die Malerei, die mit ihren aufwendigen Techniken und komplizierten Schichtungen die seltene Schönheit ermöglicht. Sascha Berretz beschäftigt sich schon seit Jahren mit Malerei, die die besondere Architektur des Bauhauses und der Bauten Mies van der Rohes zum Thema macht und ganz im Sinne ihrer Schöpfer in teils bedrohliche Relation mit der sie umgebenden wilden Natur setzt.

Sieg der Natur

Hochwasser statt Dschungel, der das edle Meisterwerk zu überwuchern droht, steigert die Dramatik der Bilder, die den Sieg der Natur über Menschenwerk nahe legt. Doch die Malerei an sich, die Berretz einzigartig betreibt, ist das eigentliche Thema der Ausstellung. Mehr noch als in früheren Arbeiten pflegt der Aachener Künstler einen vielschichtig angelegten, bisweilen hintergründig-ironischen und irritierenden Malstil, der sich nur in intensiver Betrachtung erschließen lässt.

Zu den als transparente Membranen gedachten Glasbauten fügt Berretz in seiner Malerei optische Membranen durch die Spiegelungen und Reflexionen des Wassers auf dem Glas hinzu, weiterhin durchziehen Streifenmuster, die an TV-Bildstörungen und gleichermaßen an alte Stoffe erinnern, die Gemälde. Bilder, die anfangs eine dokumentarische Note nahelegen, verschwimmen im wahrsten Sinne des Wortes zu Malerei voller Licht, Bewegung und Eigenständigkeit, bei der die Grenzen verschwinden. Reinstes Weiß, mit der Pipette aufgetragen, schafft ein Farbszenario, das selbst im Dunkeln magisch leuchtet und das Wasser schimmern lässt. Ausgangspunkt der gemalten Fantasien um das Eames-Haus sind alte Architekturfotografien, die Berretz nutzt und weiter entwickelt.

Berretze_SSRq Kunst saugt und distanziert zugleich. Wie ein einzelner Überlebender steigt der Betrachter durch das menschenleere, irritierend gleißende Hochwasser, um schließlich einen Blumenstrauß auf Leinwand zu betrachten, der sich dezent wie dekadent nach der Vorlage eines Holzschnitts aus dem 19. Jahrhundert präsentiert. Was sich hier als eleganter Strauß zeigt, sind die Blumen des Bösen – Mohn, Kokain, Stechapfel und Tollkirsche als „Craving Bouquet.“ Berretz zeigt ausschließlich neue Bilder und stellt zunehmend international aus. In den weißen Räumen der Galerie Freitag 18.30 entfalten sie ein unglaubliches Repertoire.

Zu sehen ist die Ausstellung „Utopie und Sampling“ noch bis Freitag, 28. April, an der Steinkaulstraße 11. Öffnungszeiten der Galerie: donnerstags von 14 bis 21 Uhr, freitags von 18.30 bis 21.30 Uhr und samstags von 14 bis 18.30 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0163/6066622.

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