Sanierungsarbeiten: Nun liegen die Heiligtümer sicher im Tresor

Von: Georg Dünnwald
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Schürztuch, Grabtuch und Schweißtuch: Propst Ewald Vienken (rechts) und Gemeindereferent Adrian Reipen zeigen den „Nachrichten“ exklusiv die in Seide eingepackten Heiligtümer. Diese werden erst am 20. Juni ausgepackt. Fotos und Repro: Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger
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Der Armknochen des Heiligen Kornelius wird in diesem Reliquiar aufbewahrt. Foto: Ralf Roeger
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Diese Büste enthält die Schädeldecke des zweiten Ortsheiligen Cyprianus. Foto: Ralf Roeger

Kornelimünster. Vor einiger Zeit wurde die Kapelle von St. Kornelius in Kornelimünster, in der der Schrein mit den drei Reliquien steht, saniert. Damals musste auch der Schrein, in dem sich die „hellije Hoddele“ befinden, geöffnet werden. Die in Seide eingewickelten Heiligtümer werden seither im Tresor aufbewahrt. Andere Plätze in der Kirche wären nicht der rechte Aufbewahrungsort gewesen.

Die Heiligtümer von Kornelimünster sind nämlich ausgesprochen wertvoll, auch wenn nach wie vor nicht sichergestellt ist, dass das Schürztuch, das Grabtuch und das Schweißtuch tatsächlich aus dem Umfeld Jesu stammen. Eines ist aber sicher: Bis zur Thronbesteigung Ludwigs des Frommen im Jahr 814 befanden sie sich im Aachener Dom, besser gesagt in der damaligen Marienkapelle des großen Kaisers Karl, der der Vater Ludwigs des Frommen war.

Jetzt hatten die „Nachrichten“ die Möglichkeit, den Heiligtümern in der Sakristei der Pfarrkirche von Kornelimünster ganz aus der Nähe zu betrachten. Selbstverständlich packte Propst Ewald Vienken die Reliquien nicht aus. Dies wird erst am 20. Juni geschehen, wenn in Kornelimünster und in Aachen die alle sieben Jahre stattfindende Heiligtumsfahrt eröffnet wird. Zehn Tage lang, bis zum 29. Juni, wird die Wallfahrt dauern. Mehr als 100.000 Pilger werden erwartet.

Öffentlich vom Balkon

Dann werden die Heiligtümer öffentlich vom Balkon der Kirche gezeigt. Während der zehn Tage sind sie aber auch ganz aus der Nähe zu sehen. Sie werden dann in Vitrinen ausgestellt und von strengen Schützenabordnungen aus dem Münsterländchen bewacht. Und das ist offenbar durchaus nötig. Propst Vienken, immer für ein Anekdötchen gut, erzählt: „Bei einer der letzten Heiligtumsfahrten hat sich eine Nonne ziemlich für das Grabtuch interessiert. Sie wollte das Alter des Stoffs überprüfen.“ Sogar dem Bischof habe sie geschrieben und ihn gebeten, sich für eine Erlaubnis einzusetzen. Doch, was so uralte Dinge angeht, können auch Pfarrkirchen stur sein. Die Erlaubnis wurde verweigert. Also nutzte die Ordensschwester beim öffentlichen Zeigen der Reliquien die Gelegenheit und versuchte, einen Faden aus dem Grabtuch zu zupfen. „Das verhinderten aber die Schützen vehement und auch mit körperlichem Einsatz“, erinnert sich Vienken.

Alle sieben Jahre Heiligtumsfahrt, sieben Sakramente, sieben Heiligtümer, drei in Kornelimünster, vier in Aachen – ist das Zufall? „Nein“, sagt Vienken bestimmt. „Die Sieben ist eine heilige Zahl. Die Drei steht für Gott, die Vier für den Menschen. Drei und sieben addiert ergibt sieben. Drei und vier miteinander multipliziert, dann haben wir die Zwölf. Und diese Zahl steht für die zwölf Stämme Israel und für die zwölf Apostel.“ Jetzt ist Vienken in seinem Element. Er lädt ein, mit ihm und dem Gemeindereferenten von St. Kornelius, Adrian Reipen, in die Sakristei zu gehen. Dort öffnet er den Safe.

Armknochen des Heiligen

Im Tresor liegen die Tuche. Das Schürztuch Jesu ist in grüne Seide gepackt, das Grabtuch in weiße, das Schweißtuch in rote Seide. Vienken und Reipen holen aus dem Safe die verpackten Heiligtümer, die wertvollen Reliquiare mit dem Armknochen des Heiligen Kornelius und die Büste des Heiligen Cyprianus, des zweiten Patrons der Kirche, die die Schädeldecke dieses Heiligen enthält. Auffällig ist, dass dem Heiligen Kornelius, dem ersten Namenspatron der Kirche, ein wesentlich aufwendigeres Reliquiar zugedacht wurde als dem zweiten Patron.

Gabe für kranke Pilger

Wenn die Heiligtümer am 20. Juni ausgepackt werden, um sie der Öffentlichkeit zu zeigen, dann werden die Seidentücher in kleinste Stückchen zerschnitten. Diese werden dann auf Doppelkarten geklebt und den kranken und behinderten Pilgern nach dem Gottesdienst mitgegeben. Ein kleiner Trost also für so viel Mühsal und Schmerz.

„Seit dem Mittelalter“, weiß der Propst, „werden in Kornelimünster und Aachen die Wallfahrten angeboten“. Aber wahrscheinlich sei die Tradition schon von Kaiser Karl begründet worden, vermutet Vienken. Kaiser Karl hatte schließlich die Heiligtümer in seine Lieb­lingspfalz nach Aachen geholt. Sein Sohn Ludwig der Fromme brachte die drei Heiligtümer nach Kornelimünster, weil er gerade Benedikt von Aniane mit der Gründung eines Klosters nach der benediktinischen Regel beauftragt hat.

In diesem Jahr feiert das Inde­städtchen Kornelimünster auch seinen 1200. Gründungstag. Der historische Jahrmarkt wird ebenfalls in die Heiligtumsfahrt eingebettet. Der letzte Tag der Kirmes in Kornelimünster ist der erste Tag der Heiligtumsfahrt.

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