Aachen - Sänger und Glocken verwandlen den Dom in eine klingende Kathedrale

Sänger und Glocken verwandlen den Dom in eine klingende Kathedrale

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:
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Mächtiger Gesang erfüllt die Kathedrale: Zum Diözesan-Kirchenchortag sind Sängerinnen und Sänger von rund 60 Kirchenchören nach Aachen gekommen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es gab so wunderschöne Erlebnisse an diesem singenden, schwingenden Wochenende in Aachen, aber das war einer der köstlichsten Augenblicke: Heinrich Mussinghoff, der Bischof von Aachen, zog am Samstag zum Gottesdienst feierlich gemessenen Schrittes in seinen Dom ein, und wuchtig und mächtig trug ihn das aus Hunderten stimmgewaltigen Kehlen gesungene „Den Herrn will ich loben” zum Altar.

Da stand er, mit glücklichem Gesicht, voller Freude, voller Stolz, wie die anderen mit erhobenem Herzen ob der wunderbaren Klänge und der tragenden Melodien.

Später, als diese hundertköpfige Meistersängerschar ein „Halleluja” gospelartig in die Kuppel des Oktogons beschwingt emporjauchzte, hätte nicht viel gefehlt, und der ansonsten so bedächtige Bischof von Aachen hätte mit rhythmisch-jubilierendem Wippen ein wenig zur Melodei getanzt.

Es schien, dem Manne war danach, aber er beherrschte sich. Heinrich Mussinghoff und alle im Dom genossen eine außergewöhnliche Stunde.

570 Sängerinnen und Sänger

Die „klingende Kathedrale”, wie ein lachender Bischof den singenden Gästen dankte, war Teil des Diözesan-Kirchenchortags 2009. Aus rund 60 Kirchenchören aus dem gesamten Bistum waren 570 Sängerinnen und Sänger nach Aachen gekommen. Der Bischof dankte ihnen für ihren treuen Dienst in den Pfarrgemeinden.

Und als er am Ende seiner Predigt den Lobpreis „Komm, oh Herr” anstimmte, fielen Hunderte wackere Sänger mit ein, begleitet von den Bläsern der International Brass aus Mönchengladbach, dirigiert von Chorleiter Michael Hoppe, unterstützt von Kantor Marco Fühner. „Amen. So ist es gut”, schloss der Bischof lachend seine Predigt und in der altehrwürdigen Kathedrale stimmten alle auch in dieses Lachen ein.

In zahlreichen Arbeitskreisen erfuhren die aus dem Bistum angereisten Chorsänger neue Ideen zur Kirchenmusik, sie vertieften ihre Praxis, ermutigten und unterstützten sich.

Glockenjubiläum

Eine kluge und historisch phantasiereich fündige Regie bescherte zum Kirchenchortag nicht nur den Sängern, sondern der ganzen Stadt mit einem „Glockenjubiläum” des Doms ein zusätzliches Fest der besonderen Art. Sieben der acht Domglocken schlagen den Aachenern seit 350 Jahren die Stunde. Welchen Schatz der Domturm bewahrt, mag vielen nicht so bekannt sein: Das seit 1659 gut erhaltene Barockgeläut gilt als kostbare Rarität in Deutschland, als „das größte, geschlossene, noch vorhandene Barockgeläut aus einem Guss (einer Kölner Gießerei) überhaupt”.

Aber die Aachener ahnen vom Schatz. Hunderte, wenn nicht Tausende standen am Samstag um die Mittagszeit erwartungsvoll und viele in den hohen sommerblauen Himmel guckend auf den Plätzen rings um den Dom, im Domhof, auf dem Münsterplatz und auf dem Katschhof, um sich auf eine Reise in die hörbare Vergangenheit der Stadtgeschichte zu machen.

Was sie nicht sehen konnten: Unter Leitung von Norbert Jachtmann, Glockensachverständiger für das Bistum Aachen, kletterte das „Beier-Team” von St. Anna in Krefeld (abgeleitet vom Altfranzösischen „baier” = anschlagen) den engen Domturm hoch, in weiße Overalls verpackt, angeseilt und mit Schutzhelmen gesichert, in halsbrecherischer Akrobatik sich mit den Füßen auf jeder erreichbaren Strebe abstützend, um dort oben die Klöppel der acht Domglocken von Hand anzuschlagen.

Schlag auf Schlag, mal dumpf, mal hell, sandten die alten Glocken eine halbe Stunde lang ihre Melodien von der Aachener Karlshymne „Urbs aquensis” und frommen Kirchenliedern bis zum „Vür sönd allemoele Öcher Jonge” und „Mer losse der Dom en Kölle” über die Stadt.

Das „Kölle”, so Organisator Norbert Jachtmann, allein wegen der uralten Beziehung zu den einstigen kölschen Glockengießern. „Die da unten” schickten bewegt und beeindruckt langen Beifall und einen verzagt-verzückten Zugabe-Schrei an „die da oben”. Die zeigten sich nach vollendetem Werk winkend auf der Dom-Galerie.

Und am frühen Abend flog ein Glöcklein sanft von Heilig Kreuz herbei, das Vollgeläut von St. Adalbert gesellte sich hinzu, eingeholt vom Geläut von St. Peter, der Dom schickte bescheiden seine zweite Glocke, es machten sich schlagend die Glocken von St. Marien auf den luftigen Weg, Heilig Geist und St. Jakob folgten eiligst, der Dom gab seiner 1. Glocke freien Klang, St. Michael und vorlaut St. Foillan meldeten sich flink und hell - verzagt war das anfangs und wollte nicht so recht in Schwung geraten, aber dann trafen sich aus allen Himmelsrichtungen herbeitönend die Glocken von acht Innenstadtkirchen und des Doms zu einem gemeinsamen furiosen Finale und es dröhnte und dröhnte und schwoll an und ebbte ab und schwoll an und wurde am Ende übertrumpft vom tiefen behäbig-brummigen Dong der 6045 Kilogramm schweren majestätischen Marienglocke des Doms.

Domkapellmeister Berthold Botzet hatte diesen „Dialog der Domglocken mit den Glocken der Innenstadtkirchen” komponiert und ihm den Titel „Symphonie des Aachener Stadtgeläutes” gegeben.

Beglückte Gesichter am Ende dann doch ringsum. Ein Abendkonzert im Quadrum des Doms und sonntags ein Konzert auf dem Glockenspiel des Rathauses, gespielt von Carilloneuren aus Mechelen/Belgien, und ein Orgelkonzert im Dom komplettierten das melodienreiche Wochenende.

Lob für die Macher

So sang und klang eine Stadt zwei fröhliche Tage lang. Die Macher hatten ihr Ziel erreicht: das Bewusstsein der Menschen für ihr Dom- und Stadtgeläut und auch für die Chormusik zu schärfen. Unter den gepriesenen Machern fand auch er lobenden Dank: Organisiert hatte den fröhlichen Kirchenchortag der bereits erwähnte Chorleiter Michael Hoppe, Professor an der Musikhochschule Aachen und zuständig für den Fachbereich Kirchenmusik im Bistum Aachen.
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