Aachen - RWTH legt Spekulationenüber eine Münsterquelle trocken

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RWTH legt Spekulationenüber eine Münsterquelle trocken

Von: Werner Breuer und Holger Richter
Letzte Aktualisierung:
Unter der Ungarnkapelle des Aa
Unter der Ungarnkapelle des Aachener Domes befindet sich definitiv keine Quelle. Das haben Forschungen von RWTH-Wissenschaftlern jetzt ergeben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Jetzt können alle Besucher des Aachener Domes sicher sein. Wenn sie die Ungarnkapelle betreten, bekommen sie keine nassen Füße. Denn eine sogenannte Dom- oder Münsterquelle, die unter der 1755 errichteten Kapelle vermutet wurde, hat es nie gegeben.

Zu diesem Schluss kommt Lydia Seiffert in ihrer Bachelor-Arbeit, die sie am Lehrstuhl für Hydrogeologie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen geschrieben hat. „Es ist demnach unmöglich, dass unter der Ungarnkapelle jemals eine Thermalquelle gewesen ist, die die Römer hätten fassen können”, schreibt sie in ihrer Arbeit mit dem Titel „Oberflächennahe Gesteine unter dem Dom zu Aachen und die Frage der thermalen Domquelle”. Sie begründet ihr Fazit mit Bohrungen, die während der Restaurierungsarbeiten am Dom in den letzten Jahren nachgewiesen hätten, dass die Thermalwasser führenden Kalksteinschichten mehr als sieben Meter unter dem Fußboden des Domes und somit mehr als vier Meter unter dem Bodenniveau der Römer lagen.

Auf einer Linie

Professor Thomas Rüde vom Lehr- und Forschungsgebiet Hydrogeologie an der RWTH hat diese Erkenntnisse in dem kürzlich erschienenen ersten Band der Aachener Stadtgeschichte bereits dargelegt und liegt damit auf einer Linie mit dem Aachener Stadtarchäologen Andreas Schaub. „Es hat unter dem Dom eine Therme, also ein Bad gegeben, aber keine Quelle”, betont Schaub auf Nachfrage der „Nachrichten”. „Gespeist wurde die sogenannte Münstertherme aus der Quirinusquelle, die unter dem Hof liegt”, erläutert der Stadtarchäologe. Diese Erkenntnisse habe er bei den Untersuchungen unter der Bodenplatte des Oktogons von 2007 bis 2009 gewonnen. „Ich habe damals dort gegraben, während Professor Rüde dort gebohrt hat”, erinnert sich Schaub, „und wir sind beide zu demselben Schluss gekommen.”

Und dieser Schluss legt nahe, dass die römischen Funde unter der Ungarnkapelle vielmehr ein Hypokaustum gewesen sein könnten - eine Art Fußbodenheizung, mit der etwa der Ruheraum eines Badekomplexes beheizt wurde, fasst Professor Rüde die Ergebnisse von Archäologie und Geologie zusammen. „Eine Domquelle”, stellt Rüde allerdings fest, „hat es leider nie gegeben”.

Über die Existenz einer solchen Quelle hatte man spekuliert, seit beim Neubau der Ungarnkapelle 1755 im Untergrund römische Mauerreste entdeckt worden waren. Nachdem lange über die Zuordnung dieser Funde gerätselt worden war, interpretierte Hans Christ schließlich 1952/53 diese Funde als eine römische Quellfassung, von der aus benachbarte Badehäuser mit Wasser versorgt worden sein sollen. Doch das war ein Trugschluss, dessen können jetzt alle Besucher des Doms sicher sein.
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