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RWTH entwickelt Wohnmodul zur Unterbringung von Flüchtlingen

Von: Werner Breuer
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Für jeden eine Schnitte: Dirk Henning Braun und Oberbürgermeister Marcel Philipp (3. und 4. von links) mit ihren Mitstreitern im Wohnmodul „Make Home“, das nach Bedarf aus schmalen Scheiben zusammengebaut wird. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wer sein Haus vergrößern möchte, braucht normalerweise mehr Zeit. Aber hier wird der Anbau nur mit einem Gabelstapler herangeschoben, noch mal kurz geruckelt, verschraubt – fertig. „Make Home“ heißt der neue Gebäudetyp, und Oberbürgermeister Marcel Philipp verspricht sich nach eigenem Bekunden „sehr viel davon“.

Das Wohnmodul kann etwa zur Unterbringung von Flüchtlingen je nach Bedarf zusammengebastelt werden. In ähnlichen Wohneinheiten quartiert die Stadt schon jetzt Schutzsuchende ein. Die Beschaffung solcher Boxen wird allerdings zunehmend schwieriger, weil nicht nur Aachen vor dem Problem steht, Flüchtlinge unterzubringen. Die große Nachfrage treibt die Preise, „der Markt ist überhitzt“, meint Philipp. Und weil es außerdem kein schönes Gefühl ist, den Anbietern „so ausgeliefert“ zu sein, hat man in Aachen die Dinge jetzt selbst in die Hand genommen.

Die Idee, ein solches Wohnmodul selbst zu entwickeln, sei auf einem „sehr kurzen Dienstweg“ umgesetzt worden, berichtet der OB. Nachdem er mit Professor Dirk Henning Braun vom RWTH-Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und Unternehmer Bert Wirtz (Mobau Wirtz Haussysteme) die Köpfe zusammengesteckt hatte, konnte nach nur vier Monaten am Freitag schon ein Prototyp vorgestellt werden.

Der baue allerdings auf der Vorarbeit eines Projektes auf, bei dem es um den eigenen Hausbau von Studenten ging. Das neue „Make Home“ solle aber in größeren Stückzahlen von professionellen Handwerkern hergestellt werden, erklärt Braun. Als mangelndes Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Studenten will der Professor das nicht verstanden wissen, aber nicht zuletzt aus Gründen der Gewährleistung sei das anders nicht zu stemmen.

Gefertigt wird das Wohnmodul gewissermaßen scheibchenweise: Kaum mehr als einen Meter breit und etwas über fünf Meter lang sind die einzelnen Teile, gewünschte Ausstattungsvarianten wie etwa Dusche, WC oder Küche sind jeweils vorinstalliert. Je nach Bedarf werden die Teile zusammengesteckt wie Bauklötzchen. Das lässt Bauten in allen möglichen Größen und Variationen zu. „Make Home“ taugt nach Ansicht der Entwickler ebenso zum Ferienhaus wie zur Studentenbude, Kita-Gruppen und Hochschulseminare könnten das Modul nutzen, und gleichermaßen ließe sich auf diese Weise mal eben ein Konferenzraum zusammenstecken.

Erste Anfragen aus der Industrie liegen laut Braun schon vor. Und für den stetig steigenden Raumbedarf der Aachener Hochschulen wäre das sicher auch eine interessante Lösung, meint der OB.

Die RWTH kann ohnehin schon punkten mit dem, was da an ihrem Lehrstuhl für Gebäudetechnologie entwickelt wurde. Das Projekt demonstriere die Innovationsfähigkeit in ganz lebenspraktischen Dingen, findet Marcel Philipp. Nutzen sollte das Wohnmodul auch der heimischen Wirtschaft, weil Betriebe aus der Region die Produktion der Bauteile übernehmen würden.

Bislang gibt es nur einen Prototyp, doch Braun geht davon aus, dass das „Make Home“ in drei Monaten serienreif sein könnte. Dann könnte auch die Stadt Aachen, die bislang immerhin schon 85 000 Euro in das Projekt investiert hat, erste Module für die Unterbringung von Flüchtlingen bestellen. Ein Preis ist allerdings noch nicht ausgehandelt.

Der dürfte auch von der Stückzahl abhängig sein – und gerade da herrscht bei der Stadt noch einige Unsicherheit. Denn klar ist allenfalls, dass für 50 Wohneinheiten rund 450 Modul-Scheiben gebraucht würden. Niemand weiß aber derzeit, wie viele Flüchtlinge künftig untergebracht werden müssen. Bestellen kann die Stadt erst, wenn der Bedarf klar ist.

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