Russisch-orthodoxe Gemeinde: Als die Kündigung kam, flatterten die Nerven

Von: Georg Dünnwald
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Die Aufregung war groß. Aber
Die Aufregung war groß. Aber bald wird alles gut: Denn Archimandrit Josif Pustoutov darf wohlmit seiner Gemeinde in den Räumen der Schützenstraße bleiben. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Den Mitgliedern der russisch-orthodoxen Gemeinde flatterten die Nerven. Ein paar Tage vor dem 31. Januar erreichte ein Schreiben des städtischen Fachbereichs Gebäudemanagement den Kirchensprengel.

In dem wurde die Gemeinde aufgefordert, für die zwei Etagen, die sie in Haus Nr.13 in der Schützenstraße zum Gemeindezentrum mit Liturgieraum umgebaut hatten, bis zum 31. Januar einen beigefügten Auflösungsvertrag unterschrieben zurückzusenden. Obwohl die Gemeinde einen Überlassungsvertrag vom 4. Juni 2004 besitzt, der bis zum 30. Juni 2012 befristet ist. „Bitte schicken Sie die originalen Verträge unterschrieben bis zum 27. Januar zurück”, war unmissverständlich der vorab geschickten E-Mail vom 24. Januar zu entnehmen.

Wohl um Miete zu sparen

Dem Immobilienmanagement der Stadt war zu Ohren gekommen, dass der Hauseigentümer das Gebäude an der Schützenstraße verkauft, wohl deshalb veranlasste es diesen schnellen Schritt, um Miete zu sparen. Denn als der Überlassungsvertrag vor acht Jahren unterschrieben wurde, hatte die Stadt zugesagt, die Kaltmiete für das Objekt zu zahlen, die russisch-orthodoxe Gemeinde bezahlte seither lediglich die Betriebskosten und die Heizung.

Viele Deutschstämmige

Seitdem steckt die Gemeinde, allen voran der Archimandrit Josif Pustoutov, viel Arbeit in die Inte­gration von Jugendlichen, die aus den ehemaligen Sowjetstaaten zugewandert sind. Darunter sind dem Vernehmen nach auch viele Deutschstämmige, deren Ahnen im Laufe der Jahrhunderte zur russisch-orthodoxen Konfession konvertierten. Im Souterrain unterhält die Kirche mehrere Aufenthaltsräume für Erwachsene und Jugendliche. „Wir legen Wert darauf, dass die Jugendlichen Unterricht in der deutschen Sprache und auch Unterricht in der reichhaltigen deutschen Geschichte bekommen”, verdeutlicht Pater Josef, wie er in der Pfarrgemeinde „Heilige Tamara Zarin von Georgien” genannt wird. Immerhin, die Pfarre hat etwa 350 Mitglieder. „Das was die an Integrationsarbeit leisten, ist allemal mehr wert, als die Stadt bisher an Miete gezahlt hat”, weiß ein Kenner der Szene.

Weil den Gemeindeoberen die Endlichkeit des Überlassungsvertrages bekannt war, waren sie verstärkt auf der Suche nach neuen Räumen. In der Zwischenzeit war auch schon mal Kirche St. Paul in der Trichtergasse im Gespräch. Weil die Kirche aber nicht allein der Pfarre „Heilige Tamara Zarin von Georgien” zur Verfügung gestanden hätte, verzichtete die Gemeinde darauf. Denn ein Einzug wäre mit unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden gewesen. Sie wäre ständig mit den für die Liturgie vorgeschriebenen Gegenständen unterwegs gewesen und hätte für jede Messe den Altarraum umbauen müssen. Weil in der russisch-orthodoxen Gemeinde der Priester und das Allerheiligste für den „normalen” Gläubigen verborgen bleibt.

Ein Himmelszeig?

Vielleicht war es ja ein Himmelszeig, als ein großzügiger Sponsor bekannt gab, dass er die Eigentumsrechte an den beiden Etagen übernimmt. In Gesprächen zwischen dem derzeitigen Eigentümer, dem Sponsor und der Gemeinde wurde erörtert, wie und in welchem Umfang die Räume weiter nutzen dürfen. Jetzt müssen nur noch Feinheiten abgestimmt werden, dann ist der Weg zum Notar offen und die Gemeinde der „Heiligen Tamara Zarin von Georgien” darf in der Schützenstraße bleiben.

Als der Fachbereich Gebäudemanagement von der für den Kirchensprengel erfreulichen Entwicklung hörte, wurde dort versucht, Nägel mit Köpfen zu machen. Dem derzeitgen Eigentümer wurde der Mietvertrag zum 31. Januar gekündigt, der Kirchengemeinde die Kündigung des Überlassungsvertrages zugesandt. Alles sollte in rasanter Geschwindigkeit geschehen. Am 24. Januar gingen Kündigungsschreiben raus, bis zum 27. Januar sollten Eigentümer und Kirche jeweils den vorzeitigen Kündigungen des Mietvertrages und des Überlassungsvertrages zustimmen.

Den „Nachrichten” gegenüber nahm der Fachbereich Gebäudemanagement folgendermaßen Stellung: „Ein Kündigungsschreiben für die Räume in der Schützenstraße hat die Stadt der russisch-orthodoxen Gemeinde niemals zugestellt”. Stimmt! Wohl aber die vorzeitige Kündigung des Überlassungsvertrages.
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