Rothe Erde bebt unter so viel Kappes im Saalbau

Von: Gerald Eimer
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Nächstes Jahr soll es weitergehen: 2016 ist Lennet Kann 100 Jahre tot. Und weil seit dem Karlsjahr klar ist, „wie gut die vielen toten Leute für die Stadt sind“, wird das nächste große Event für kommendes Jahr avisiert. Ob die Bühne dann wieder so viele verrückte Karnevalisten beim Klenkes-Rap trägt oder ob es vielleicht sogar mehr werden – bleibt erst einmal offen. Foto: Andreas Herrmann
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Keine Zurückhaltung im Saalbau Rothe Erde: Genau so wird sich wahrscheinlich auch das Publikum der übrigen Aufführungen am langen Karnevalswochenende vom 12. bis 15 Februar feiern und freuen. Foto: Andreas Herrmann
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Offenbar hat auch der Kappes Meikel Freialdenhoven etwas zu sagen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Von wegen Bruch mit dem Traditionskarneval: Aachens Kultpenner Lennet Kann ist beim Kappesball 2015 gleich dreifach zu erleben. Selbst Dirk von Schwetzold, der seit 30 Jahren sein Talent bei der Konkurrenzveranstaltung des AKV ausbildet, hat seine Sonnenbank für diesen Auftritt verlassen. It‘s Showtime in der Kappertzhölle.

Die Lennet Kann-Nummer ist zweifellos einer der Höhepunkte in einer erneut rasanten Revue, die den etwas anderen Karnevalsgeschmack bedient und seit vergangenem Jahr an alte Strunxzeiten anknüpfen will. Frecher, respektloser und immer bereit, auch den Sitzungskarneval selbst auf die Schippe zu nehmen – das sind die Kappesball-Macher, ein achtköpfiges Team von Profis und Semi-Profis der Kleinkunst- und Comedyszene, das von der strikt tusch- und schunkelfeindlichen Hauskapelle „6 Shops“ begleitet wird.

Gemeinsam blicken sie bereits auf das große Jubiläumsjahr 2016: das 100. Todesjahr von Lennet Kann. Und da man ja spätestens seit dem Karlsjahr weiß, „wie gut die vielen toten Leute für die Stadt sind“, planen sie das nächste Event: „Das Kann-Jahr, muss ja.“ Dass Lennet Kann für Aachen im Grunde viel bedeutsamer war als Karl der Große erfahren Kappesball-Besucher spätestens bei den drei Prophezeiungen der „Lennet-Kann-Liturgie“: Ohne ihn gäbe es keinen Weihnachtsmarkt, keinen Glühwein, keine Frittenbuden. Das ist Heimatkunde der allerfeinsten Art vom Comedy-Duo Hoppla (Michael Dannhauer und Thorsten Neumann), die kein Öcher verpassen sollte.

Ja, es gibt sie auch beim Kappesball: die Gags, die nicht zünden wollen, die Längen, die für die Pinkelpause genutzt werden können, und die Zoten, von denen gerne ein paar gestrichen werden können. Doch unterm Strich steht ein flottes Nummernprogramm mit tollen Persiflagen, wunderbaren Albernheiten und großartigen Erkenntnissen.

Ordnungsamt spaßt spießend mit

Wo sonst kann man erfahren, dass das britische Königshaus seine Wurzeln bei den australischen Ureinwohnern hat? Christian Klömpken und Andreas Wiegels, bekannt vom Wallstreet-Theatre, erklären es uns. Wo sonst wird einem noch während der Sitzung ein Service der anonymen Alkoholiker geboten (Motto: „Wer bin ich und wenn ja, wie voll“)? Liza Kostuyk machte es möglich, und zwar fachkundig, weil sie genetisch vorbelastet ist: „Ich komme aus Russland.“ Und wo sonst können wir sichergehen, dass das Ordnungsamt auch den korrekten Ablauf der Sitzung überwacht?

Herr Hase, alias Necip Tokuglu, ist der ordnungsliebendste Spießer, den sich Deutschland wünschen kann. Und was der Ur-Öcher so denkt über seine kleine Provinzstadt, das präsentieren gegen Ende der dreistündigen Show Meikel Freialdenhoven und Kurt Radermacher, die Urgesteine des sogenannten Aachener Alternativkarnevals.

Schenken tun sie sich alle nichts. Außer Atem und nass geschwitzt stehen sie zum Finale auf der Bühne und werden beim nun schon traditionellen „Klenkes-Rap“ von einem begeistert mitsingenden Publikum bejubelt. Die zweite Show sei immer die schwierigste, hat Meikel Freialdenhoven im Vorfeld gesagt. Die 14-köpfige Kappes-Crew hat am Premierenwochenende auch diese Klippe mit Bravour genommen.

Vier Aufführungen sind am langen Karnevalswochenende vom 12. bis 15. Februar noch zu sehen. Beginn ist jeweils um 20 Uhr im Saalbau Rothe Erde, Hüttenstraße. Vor allem für die Vorstellungen am Fettdonnerstag und am Karnevalssonntag sind noch Karten erhältlich (25 Euro im Mediastore, Großkölnstraße 56, oder beim Zeitungsverlag, Dresdener Straße 3).

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