Aachen - Roter Karl und die Frage: Kunst oder Kommerz?

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Roter Karl und die Frage: Kunst oder Kommerz?

Von: Lee Beck
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Angeregte Diskussion: Im NAK war man sich über den Kunstcharakter von Ottmar Hörls roten Karls-Figuren uneinig. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Lässig steht er dort, in der linken Hand den Reichsapfel, in der rechten Hand das Zepter. Das rechte Bein ist locker eingeknickt und die Augen blicken wach in die Menge. Auf der einen Seite wirkt er herrisch, auf der anderen sieht es fast so aus, als würde er schmunzeln. Für seine Größe von einem Meter blickt er ganz schön frech drein und sieht doch zugleich aus, wie ein Witz: Karl der Große in der Figur-Ausgabe des Künstlers Ottmar Hörl.

In 500- bis 700-facher Ausgabe wird der Kunststoff-Karl ab Samstag, 12. April, für zwei Wochen als Installation auf dem Aachener Katschhof zu sehen sein, je nachdem wie viele der Figuren bis dahin produziert werden können. Vorab hat der Neue Aachener Kunstverein (NAK) zu einem Vortrag von Direktor Ben Kaufmann eingeladen.

Die Frage: „Inwieweit lassen sich der künstlerische Ansatz von Ottmar Hörl und Marketingaspekte in der Installation vereinbaren?“ Die Stadt Aachen hatte Ottmar Hörl damit beauftragt, ein Werk anlässlich des Karlsjahres 2014 zu entwerfen. Interessierte Bürger konnten für 375 Euro Paten einer roten Figur oder für 500 Euro Paten einer goldenen Figur werden.

Nach dem Abbau der Installation können sie ihren Karl mit nach Hause nehmen. Schon in mehreren Städten hat Hörl seine Figuren im Stadtbild platziert. In Bayreuth dirigierte Richard Wagner, in Trier zählte man 500 Karl-Marx-Figuren in unterschiedlichen Rottönen und in Frankfurt wird Goethe in multipler Ausführung diesen Sommer zu sehen sein.

Einzigartigkeit in Frage stellen

Die Figuren können außerdem alle auch käuflich erworben werden. Der Künstler selbst sagt, dass nur drei Prozent der Menschen ins Museum gehen, die anderen 97 Prozent möchte er mit seiner Kunst im öffentlichen Raum erreichen. Seine Kunst ironisiert, auch mit Karl dem Großen in multiplen Ausführungen stellt er dessen Einzigartigkeit in Frage.

Obwohl der NAK zu einem Vortrag eingeladen hatte, dauerte es nur wenige Minuten, bis eine lebhafte Diskussion im Publikum – Menschen aus Stadtverwaltung und Kunstszene waren gekommen – entfacht wurde. Sind Hörls Figuren wirklich Kunst oder doch eher Kommerz? Ist er nun als Miniaturausgabe, Karl der Große, „Karl der Kleine“ oder gar „Karl der Zwerg“? Sind seine Füße überproportional groß oder ist es doch eher der Kopf? Und warum eigentlich Karl der Große als Installation, ist er in Aachen nicht „verhasst“?

„Es ist plausibel, dass Hörl Karl im Karlsjahr genommen hat“, rechtfertigt Ben Kaufmann die Wahl des Künstlers. Mehrmals muss Kaufmann die Gruppe beruhigen, damit auch jeder zu Wort kommt. Einig waren sich die Diskutanten, dass die Installation an sich als Marketingobjekt, welches Touristen und Besucher anzieht, ein gutes Ziel verfolge und der Stadt von Nutzen sein könne.

Andersherum wollten sie verstehen, welche Motivation die Käufer hegen: Ist es Lokalpatriotismus? Oder etwa „eine spießige Art von Popart zur Herstellung von Heimatverbundenheit, die durch moderne Kunst legitimiert ist?“ Fest steht: „Für die 700 Käufer beziehungsweise Interessenten gibt es sicherlich auch 700 verschiedene Beweggründe“, sagt Jutta Bacher, Leiterin des städtischen Marketings.

Kunstkritikerin Renate Puvogel bemängelt vor allem „das Zugeständnis von Hörl an den breiten Geschmack“ mit der Figur und findet die Vorstellung, dass der Karl vom Katschhof in die heimischen Vorgärten wandert, „grauenhaft“, wie sie mehrmals wiederholt. Andere sehen die Installation als „aufgehübscht“ und von der Presse „hochstilisiert“.

Außerdem wollte das Publikum wissen welche Nachhaltigkeit die Karl-der-Große-Armee eigentlich haben soll. „Warum muss jede Kunst nachhaltig sein?“, entgegnet Bacher. Für die Stadt Aachen jedenfalls soll die Installation ein Lockinstrument für Besucher sein und überregional Wirkung erzeugen.

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