Rot-Grün beschließt den City-XL-Tarif für einen Euro

Von: Werner Breuer
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Ein Bus der Aseag. Foto: Harald Krömer

Aachen. Irgendwann zu vorgerückter Stunde konnte Roland Jahn das Wort „Wahlkampf” nicht mehr hören. „Wir machen die ganze Zeit gute Politik für Aachen”, hielt der Grünen-Vertreter im Verkehrsausschuss der Opposition vor.

Zuvor schon hatte Ausschuss-Vorsitzender Heiner Höfken (SPD) Wert auf die Feststellung gelegt, dass die von Rot-Grün forcierte Einführung einer neuen Citybuslinie nichts mit dem Urnengang zu tun habe.

Dass der Nachfolger des vor Jahren gestrichenen Marktliners in diesem Herbst seine Touren zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt fahren soll, sei eine sinnvolle Maßnahme vor dem Hintergrund der Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und der Vermeidung von Umweltzonen.

Dem wollten sich auch die Christdemokraten nicht verschließen. Allerdings trieben sie Fragen nach der Wirtschaftlichkeit um, zudem wollten sie nicht recht einsehen, dass bei so viel Bemühen um die Umwelt der neue Bus mit alter Diesel-Technik angetrieben werden soll. Das sei nicht nur eine Preisfrage, erklärte Heiner Höfken: Mit innovativen Antrieben ausgerüstete Fahrzeuge seien nicht nur um ein Vielfaches teurer, sondern zudem auch schwer aufzutreiben.

Und die finanziellen Sorgen konnte der Ausschussvorsitzende der Opposition schließlich auch ausreden. Die Einführung der Citybuslinie zum September, die schließlich doch einstimmig beschlossen wurde, geschieht „vorbehaltlich der Haushaltsverträglichkeit” und wird zudem eingehend geprüft vor dem Hintergrund der im Haushalt vorgesehenen Gesamtbelastung von 800.000 Euro. Sollte der Griff ins Stadtsäckel tiefer gehen, „machen wir die Kiste wieder auf”, warnte denn auch CDU-Vertreterin Gaby Breuer.

Nicht einigen konnten sich Rot-Grün und Schwarz-Gelb über den City-XL-Tarif. Das neue Ticket ist die gewissermaßen gemäßigte Fassung des ursprünglich von Sozialdemokraten und Grünen propagierten Nulltarifs innerhalb des Alleenrings. Statt der Gratis-Touren soll es in einem erweiterten Kurzstreckengebiet, das größere Teile der Stadt abdeckt, Fahrten zum Preis von einem Euro ermöglichen.

Ohne Wechselgeld „Das muss ein Renner sein”, forderte Heiner März von der SPD, deshalb sei der runde Preis ohne Wechselgeldrechnerei so wichtig. Der Aachener Verkehrsverbund (AVV) hatte ursprünglich ein anderes System vorgeschlagen: Eine Viererkarte zum Preis von vier Euro für vier Fahrten und einen Einzelfahrschein, der dann aber 1,40 Euro kosten sollte. Das würde der Stadt Mehrkosten von jährlich 250.000 Euro bescheren, rechnete AVV-Geschäftsführer Hans Joachim Sistenich den Politikern vor, die Ein-Euro-Lösung für den Einzelfahrschein würde die Belastung verdoppeln.

Heiner März konnte die Rechnung „nicht nachvollziehen”, und letztlich beschloss eine rot-grüne Mehrheit die Einführung des City-XL-Tarifs für einen Euro. Dagegen stimmten CDU und FDP, die sich ihrerseits nicht mit dem Wunsch nach einer „wandernden Kurzstrecke” durchsetzen konnten. Diese Lösung zum Preis von 1,40 Euro und gültig im gesamten Stadtgebiet, womöglich auch darüber hinaus, sah Gaby Breuer als „gerechter für alle Bürger” an. Testlauf für ein Jahr

Sozialdemokraten und Grüne wollten sich dem aber nicht anschließen. Sie folgten dem Rat von Verwaltung und Verkehrsexperten, erst die Auswirkungen des City-XL-Tarifs etwa ein Jahr lang zu beobachten, bevor man jetzt auch noch die Kurzstrecken wandern lasse.
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