Aachen - Rosenmontag: Am „höchsten Feiertag” hinter der Ladentheke?

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Rosenmontag: Am „höchsten Feiertag” hinter der Ladentheke?

Von: Werner Breuer und Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
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Während viele Narren feiern, steht mancher Jeck hinter der Ladentheke: Auch am Adalbertsteinweg sind das eine oder andere Geschäft und Bäckereien geöffnet. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Elisabeth F. (Name geändert) ist Verkäuferin. Sie arbeitet in einem kleinen Laden am Stadtrand. Ein Tag im Jahr ist ihr heilig: Am Rosenmontag will sie feiern, am Zugrand stehen und sich amüsieren. Aber sie darf nicht. Ihr Arbeitgeber hat für Rosenmontag eine Urlaubssperre verhängt. Doch Elisabeth F. fragt sich, ob am höchsten Feiertag im Rheinland die Geschäfte geöffnet sein müssen.

„Ich kann kaum glauben, dass nach zwei Uhr nachmittags wirklich noch viel läuft”, sagt sie. Denn wenn sie ab 14 Uhr frei hätte, hätte sie noch eine Chance, was vom heißgeliebten Rosenmontagszug zu sehen.

Eine einheitliche Regelung in der Aachener Geschäftswelt gibt es nicht. Schließlich gehe es nur um „rheinische Feiertage”, wie Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Aachen/Düren/Köln das Finale der Session nennt. Er sieht jedoch einen Trend: Während am Rosenmontag viele große Geschäfte in der Innenstadt ganztägig geschlossen blieben, seien kleinere Läden in den Randlagen oft bis zum Nachmittag geöffnet. Und große Einkaufszentren außerhalb blieben mitunter gar bis zum Abend offen.

„Manche nehmen sich zum Feiern einen Tag Urlaub, in anderen Betrieben wird das in der Arbeitszeitplanung über das ganze Jahr geregelt”, weiß Piana. Da muss der leidenschaftliche Jeck dann eben für den Höhepunkt der fünften Jahreszeit in den anderen vier etwas mehr arbeiten. Piana sieht die traditionellen Turbulenzen bei den Ladenöffnungszeiten eher entspannt. „Man muss ja nicht alles immer wirtschaftlich sehen”, betont Piana, „Karneval ist ein Kulturgut.”

Das ist Futterneid

Benjamin Haseberger vom Rewe-Markt am Krugenofen weiß, dass vor allem Getränke bis mittags gekauft werden. Während der Supermarkt, in dem er als Abteilungsleiter arbeitet, von 8 bis 13 Uhr geöffnet ist, wird Karl Bellefroid, der in Haaren zwei Edeka-Märkte betreibt, seine Geschäfte am Rosenmontag schließen. „Das werde ich noch einige Jahre aushalten”, sagt der Haarener Ex-Prinz.

Den Geschäftsleuten, die „teilweise bis in die Nacht geöffnet haben”, unterstellt er Futterneid. „Wenn alle geöffnet haben, geht der Karneval kaputt, weil keiner mehr zum Rosenmontagszug gehen kann, aber die Umsätze steigen auch nicht.” Bellefroid findet es schade, dass durch den „Kommerz” der Karneval als wichtiger Brauchtumstag gefährdet wird.

Die Moss-Verkaufsstellen werden beispielsweise Rosenmontag zwischen 7 und 15 Uhr geöffnet sein, Nobis und Leo (Schumacher) passen sich den Gegebenheiten an. „Unsere Bäckerei am Münsterplatz ist geschlossen, die meisten unserer Filialen sind bis 12 oder 13 Uhr geöffnet, die die am Zugweg liegen, schließen dann, wenn der Zug vorüber ist”, erklärt Heiner Nobis. Die Filialen, die Nobis oder Leo in Supermärkten betreiben, orientieren sich an die Öffnungszeiten dieser Geschäfte.

Deshalb ist im Hirsch-Center bis 20 Uhr geöffnet. Leo öffnet seine Filialen in den Außenbezirken „wie immer”, erläutert Johannes Schumacher, in der Innenstadt sind sie bis eine Stunde nach Ende des Zuges geöffnet. Urlaubssperren gibt es bei Nobis und Schumacher nicht. „Die Verkäuferinnen sprechen sich untereinander ab.” Die Drouven-Filialen sind laut Sprecherin Daniela Gerards unterschiedlich geöffnet, am Karlsgraben gar bis 18 Uhr, „wegen des Rosenmontagszuges”.

„Grundsätzlich entscheiden die Märkte selbst über ihre Öffnungszeiten an Rosenmontag. Der Brauchtumstag ist schließlich kein gesetzlicher Feiertag”, erklärt Christian Lindner von der Gewerkschaft Verdi. Für Elisabeth F. ist es trotzdem ein Feier-Tag, an dem sie aber arbeiten muss.
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