Rosa Aseag-Knöllchen fliegen auf die Straße

Von: Georg Dünnwald
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Ein Dutzend Aseag-Knöllchen flatterte mit einem Anschreiben eines Anwohners in die Redaktion der „Aachener Nachrichten”. Die Zettel fand der Anwohner an der Ecke Adalbertsteinweg/Frankenstraße. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Da staunte der Anwohner nicht schlecht, als er am vergangenen Freitag auf dem Weg zur Arbeit war. Auf der Straße, direkt an der Ecke Adalbertsteinweg/Frankenstraße, befand sich ein Dutzend rosa Zahlungsaufforderungsvorlagen der Aseag.

Die Durchschläge der Zettel, die Schwarzfahrern mit auf den Weg gegeben werden, damit sie die fällige Gebühr von 40 Euro innerhalb von acht Tagen überweisen, sind schon arg in Mitleidenschaft gezogen, weil sie im Dreck lagen.

„Ich habe die Zettel um 7.30 Uhr gefunden”, gibt der Finder an, der sie mit einem Anschreiben an die Lokalredaktion der „Aachener Nachrichten” schickte. Der Briefschreiber mutmaßt einen klaren Verstoß gegen datenrechtliche Bestimmungen. „So dürfen solche Sachen nicht entsorgt werden”, regt er sich auf.

Aseag-Sprecherin Anne Linden weist darauf hin, dass die Zettel keineswegs „entsorgt” wurden, sondern ein Mitarbeiter diese schlicht und einfach verloren habe. „Das darf sicherlich nicht passieren, aber es ist nun mal passiert.” Schon am Freitagmorgen habe der Mitarbeiter den Verlust bei seinem Arbeitgeber gemeldet, „er konnte sich selbst nicht erklären, wie ihm so etwas passieren konnte”, sagt Anne Linden.

„Missgeschick”

Der Mann sei schließlich als zuverlässiger und langjähriger Mitarbeiter bekannt. Bekannt sei ihm aber auch, dass die Aseag sehr großen Wert auf die Einhaltung des Datenschutzes lege. Dass nur ein Mitarbeiter am „Missgeschick” (die Aseag-Pressesprecherin) beteiligt sei, sei an der Prüfnummer zu erkennen. Denn selbst auf den Ausweisen, die die Kontrolleure mit sich führen und jederzeit auf Verlangen dem zu kontrollierenden Fahrgast vorzeigen müssen, sei kein Name vermerkt, um gegebenenfalls Repressalien zu vermeiden.

„Gottseidank hat der Finder die Durchschläge an die Nachrichten-Redaktion geschickt. Noch lieber wäre uns allerdings gewesen, wenn er sie direkt bei uns abgegeben hätte”, gibt sich Anne Linden erleichtert. Denn eine Menge personenbezogener Daten ist den Aseag-„Strafzetteln” zu entnehmen.

Der Vor- und der Nachname beispielsweise, das Geburtsdatum, die Adresse, wo der „Schwarzfahrer” den Bus bestiegen hat, wo er aussteigen wollte, die Uhrzeit, zu der erwischt wurde, ob er gesessen hat oder gestanden, ob er sich hinten im Bus aufgehalten hat, in der Mitte oder vorne.

Ein Passagier, der seinen Ausweis nicht bei sich hatte, benutzte zur Legitimierung seine Versichertenkarte. Also wurde auch der Name seiner Krankenkasse mitsamt der Versichertennummer notiert. Der beschuldigte „Schwarzfahrer” kann auch dem Knöllchen der Roten Flotte entnehmen, dass „die Erfassung und Bearbeitung Ihrer persönlichen Angaben zur Erledigung dieses Vorgangs im Rahmen der Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes” erfolgen.

Hat denn der Kontrolleur arbeitsrechtliche Konsequenzen zu erwarten? Ein knappes „Möglicherweise” gibt die Aseag-Sprecherin zur Antwort.
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