Rollenspiel „Nesciamus“: Fiktive Reformation auf dem Spielbrett

Von: Rolf Hohl
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Reformation mal anders: Das Fazit der jugendlichen Test-Spieler zum „Nesciamus“-Brettspiel fällt positiv aus. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das fiktive Dörfchen Rauningen wird von unerbittlichen Dämonen angegriffen. Zugegeben, es braucht schon ein wenig Fantasie, um bei diesem Szenario eine Verbindung zu Martin Luthers Reformation herzustellen – aber das soll auch so sein. Der Kirchenkreis Aachen ist nämlich mit eben diesem Ansatz an die Spielentwickler des Vereins „Dragon Legion“ herangetreten.

Herausgekommen ist das Rollenspiel „Nesciamus – Gefährliche Geheimnisse“, das bewusst in einer Fantasiewelt spielt, und eben nicht die hinlänglich bekannte Geschichte der Reformation nacherzählt.

Das hat praktische und pädagogische Gründe. Einerseits sei so die Handlung nicht durch tatsächliche historische Geschehnisse eingeschränkt, andererseits seien die Figuren und Ereignisse nicht durch persönliche Meinungen vorbelastet, erklärt der Vereinspräsident von „Dragon Legion“, Rasmus Pechuel. „Es geht in dem Spiel viel mehr darum, die Umstände nachzuempfinden, in denen die Reformation überhaupt möglich wurde.

In einer Gesellschaft also, die strengen Regeln unterworfen war und eine starke Abhängigkeit von der Kirche bestand.“ Während des Spielverlaufs stoßen die Gruppen von drei bis sechs Spielern immer wieder an Weggabelungen, an denen sie sich ganz grundlegende Fragen stellen müssen. Folgen wir der Obrigkeit, die uns zwar unterdrückt, aber gleichzeitig Schutz bietet?

Welche Auswirkungen hat es, wenn man aufgrund bestimmter Handlungen von der Gesellschaft ausgeschlossen wird? Hinter der vordergründigen Geschichte eines Dorfes, das im mittelalterlichen Umfeld gegen eine Dämonenplage kämpft, verbergen sich eine Menge moralischer Dilemmata.

Beim Zielpublikum des Spiels, den Jugendlichen selbst, fällt das Fazit nach einigen Runden Probespielen in den Räumen des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses durchwegs positiv aus. Vor allem waren sie überrascht vom Ende ihres Abenteuers. „Wir haben zwar alle überlebt, aber sind am Schluss als Geächtete im Wald gelandet, das hatte ich irgendwie anders erwartet“, so eine der Testspielerinnen. Parallelen zu Luther, der wegen seiner Widerspenstigkeit vom Papst exkommuniziert wurde, sind hierbei durchaus gewollt.

Die Diskussionen unter den Jugendlichen nach dem Spiel machen schon deutlich, dass sich die Arbeit der Entwickler offenbar gelohnt hat. Immerhin knapp ein halbes Jahr haben etwa zehn Spielemacher in ihrer Freizeit daran gefeilt. „Dieses Spiel ist aber nur ein kleiner Ausschnitt aus einer ganzen fiktiven Welt, die wir darum herum aufgebaut haben. So kann man auch selbst neue Handlungen dazu erfinden“, erklärt Mario Weißkopf, einer der Entwickler von „Nesciamus“.

Auch Axel Büker, Jugendreferent des Kirchenkreises Aachen, ist vom Resultat begeistert. „In der Jugendarbeit geht es häufig darum, sich in die Situation anderer Menschen hineinzuversetzen. In dem Setting dieses Spiels um Glaubensrituale, Macht, Intrigen und Dämonen ist das sehr gut nachvollziehbar und wirft gleichzeitig wichtige gesellschaftliche Fragen auf“, sagt er.

Zu kaufen gibt es „Nesciamus“ bald in einigen Aachener Spielwarenläden ...

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