Aachen - Rolf-Dieter Mönning: Alemannia-Wahl „fast wie eine Enthauptung”

Rolf-Dieter Mönning: Alemannia-Wahl „fast wie eine Enthauptung”

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Der renommierte Rechtsanwalt Prof. Rolf-Dieter Mönning wird sein Amt als Aufsichtsrat der Alemannia nicht antreten. Er war am Samstag mit 290 Ja- gegen 73-Nein-Stimmen gewählt Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Verkleinert werden sollte Alemannias Aufsichtsrat von elf auf sieben Mitglieder. Das war der Plan. Nach der Nicht-Wahl von Jürgen Linden verzichtet nun der gewählte Prof. Dr. Rolf-Dieter Mönning auf sein Mandat. Die Gründe teilt der renommierte Insolvenzrechtler im Gespräch mit Redakteur Christoph Pauli mit.

Sie sind überzeugend in den Aufsichtsrat gewählt worden, haben aber nicht zugesagt, sondern um Bedenkzeit erbeten. Warum?

Mönning: Ich habe inzwischen mitgeteilt, dass ich die Wahl nicht annehme. In einer Krisensituation muss ein Verein klaren Kurs behalten. Das ist im Sport so wie in der Wirtschaft. Da schießt man nicht die wichtigsten Leute, die den Laden führen, ohne Grund ab. Ich bin nur angetreten, weil mich Jürgen Linden und Hubert Herwartz darum gebeten haben. Es war uns klar, dass wir in dieser schwierigen Situation alle Kräfte bündeln müssen. Da gehören vor allem diejenigen dazu, die in der Wirtschaft und Kreditwirtschaft als verlässliche Partner gelten.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, diesen Team-Gedanken im Vorfeld zu dokumentieren?

Mönning: Ich habe vermisst, dass Alemannias Führung als Führung auftritt. Es gab nur eine Moderation der Versammlung mit teilweise sehr chaotischen Vorgaben bei der Abstimmung. Ich hätte erwartet, dass das Präsidium klar dokumentiert, dass wir gemeinsam antreten. Denn vor allem Jürgen Linden ist für viele, die in diesen Verein Geld reinstecken oder belassen, der Garant für Zuverlässigkeit. Das hätte man der Versammlung vor der Abstimmung deutlicher vermitteln müssen.

Mit welchem Eindruck haben Sie die Versammlung nach sieben Stunden verlassen?

Mönning: Für mich war es ein Enthauptungsschlag, mit dem die Chefs von Aufsichts- und Verwaltungsrat gleichzeitig abgewählt wurden.

Welchen Eindruck haben Sie in der Fragestunde gewonnen?

Mönning: In der Opposition sind ja nicht nur Schreier. Anhand der Fragen war festzustellen, dass die Kritiker „Soll und Haben” auseinanderhalten können und Verständnis für wirtschaftliche Fragen haben. Denen muss erst recht klar sein, dass man die wichtigsten Protagonisten in einer lebensbedrohlichen Situation nicht auswechselt. Das hat Folgen: Man muss für alles was man tut, Verantwortung übernehmen. Man kann nicht einfach ein bisschen zündeln und dann vertrauen, dass andere am Ende löschen. Dazu stehe ich auf jeden Fall nicht zur Verfügung.

Haben Sie im Vorfeld Einblick in die finanzielle Situation gehabt?

Mönning: Wenn man jemand wie mich, der seit 30 Jahren Erfahrung in ganz schwierigen Lagen und der Alemannia mal als stiller Insolvenzverwalter geführt hat, bittet, einem solchen Gremium beizutreten, macht man das doch nicht, um es nur zu komplettieren. Man erwartet, dass ich Sachverstand mitbringe, um die Krise zu bewältigen. Wer auf der Versammlung zugehört hat, weiß, dass die Kurve noch lange nicht genommen ist. Deswegen wollten mich Jürgen Linden und Hubert Herwartz dazunehmen. Ich habe zugesagt, obwohl es nicht mehr zu meiner Lebensplanung gehörte. Aber ohne solche verlässlichen Mitstreiter kann ich nicht helfen. Mir ist die Geschäftsgrundlage für das Amt entzogen worden.

Zudem bin ich menschlich sehr betroffen, dass keiner den Mut hatte, Jürgen Linden oder Hubert Herwartz mit einer offenen Kritik zu konfrontieren. Da hat einfach der Arsch in der Hose gefehlt.

Was folgt jetzt?

Mönning: Der Vorstand muss jetzt beweisen, dass er führen kann.

Sie waren schon einmal in den 80er Jahren in Alemannias Gremien unterwegs, haben Sie einen Eindruck wie sich der Verein entwickelt hat?

Mönning: Damals war der Verein durch die Münzenberg-Insolvenz in Schieflage geraten. Alemannia war damals quasi erledigt, weil die 6,5 Millionen-Mark-Bürgschaft von Münzenberg für Alemannia nichts mehr wert war. Damals fand sich mit Bubi Hirtz jemand, der mich sehr unterstützt hat. Und die Mitglieder haben an einem Strang gezogen. Heute scheint mir das auseinanderzuklaffen - in traditionelle Mitglieder und eine immer selbstbewusster auftretende Fangemeinschaft.

Das könnte man einen demokratischen Vorgang nennen.

Mönning: Die eingeforderte Mitsprache ist vom Grundsatz her in Ordnung. Aber wenn ich mit einem Segelboot in schweres Wetter gerate, ist die Demokratie zu Ende. Da kann ich nicht noch zwei Tage über den Kurs diskutieren, sondern muss die ans Ruder lassen, die den Kurs halten können. Auf Alemannia bezogen: Der Verein braucht noch zwei, drei Jahre, um ins normale Geschäft zurückzukehren. Diese Entwicklung am Samstag war für diesen Prozess sicher nicht förderlich.

Abschließende Frage an den Juristen: Hat diese geheime Wahl gesetzlichen Vorgaben genügt?

Mönning: Ich kenne die Satzung nicht, die angeblich vorschreiben soll, dass die Wahl offen oder geheim abgehalten werden muss. Wenn das so ist, dürfte die Wahl anfechtbar sein. Offen heißt, per Handzeichen oder Zuruf, geheim bedeutet per Wahlkabine im verschlossenen Umschlag. Was da geboten wurde, war eine Mischung, aber das sollen andere prüfen.

Für mich ging es bei der Abstimmung etwas drunter und drüber, ich hätte mir eine stringentere Leitung gewünscht.
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