Rohrreiniger: Es gibt Ermittlungsansätze

Von: Thomas Vogel
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Achtung Gefahr: Am vergangenen Sonntag ist erneut eine ätzende Substanz auf einem Spielplatz gefunden worden, nachdem zuletzt im Juni ein bislang nicht ermittelter Täter ätzenden Rohrreiniger auf Grillplätzen und Spielplätzen ausbrachte. Foto: Harald Krömer

Aachen. Was mag in Menschen vorgehen, die Schaukeln und Rutschen auf Spielplätzen mit Kot beschmieren, die Halterungen der Geräte lockern, oder – wie zuletzt vergangenen Sonntag wieder – ätzende Substanzen darauf verteilen? Ganz offensichtlich: Es handelt sich um Menschen, die Kinder verletzten wollen oder das zumindest billigend in Kauf nehmen.

Um Täter, die sich strafbar machen. Es handelt sich um Personen, denen Staatsanwaltschaft, Polizei und Stadtverwaltung schnellst möglich das Handwerk legen wollen. Allein: Das ist keine einfache Aufgabe.

„Wir sind total entsetzt und berührt, dass es wieder passiert ist“, sagt Evelin Wölk vom Presseamt der Stadt Aachen. „So ein ätzendes Thema, im wahrsten Sinne des Wortes.“ Wie lange der Spielplatz im Westpark gesperrt bleiben muss, stehe noch nicht endgültig fest. Das hänge damit zusammen, wie lange es dauert die Substanz rückstandsfrei zu entfernen, sagt Wölk. Derzeit ist der Platz mit Flatterband abgesperrt. „Feuerwehr-Absperrband“ steht darauf, „Achtung Gefahr – Nicht betreten!!!“ auf Schildern, die daran hängen.

Verbindung noch nicht sicher

Nach jetzigem Kenntnisstand von Polizei und Staatsanwaltschaft ist durch die jüngste Tat auf dem Spielplatz im Westpark niemand verletzt worden. Möglich, dass sich im Nachgang noch Opfer melden. Oder Zeugen. Darauf hoffen die Ermittler. Deren Arbeit läuft, und tatsächlich gebe es „verschiedene Ermittlungsansätze“, sagt Staatsanwalt Jost Schützeberg auf „Nachrichten“-Anfrage. Dazu könne er derzeit jedoch nichts näheres sagen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

Ob die Tat eine Verbindung zu jenen aus dem Juni aufweist, darauf will sich Schützeberg zum aktuellen Zeitpunkt nicht festlegen. Zuerst müsse das Ergebnis der Zusammensetzung der Substanz, die am Sonntag gefunden wurde, vorliegen. Sollte sich herausstellen, dass es sich um den gleichen Rohrreiniger handelt, wie er bei den Taten im Juni benutzt wurde, dann sei sehr wahrscheinlich, dass die Taten miteinander zusammenhängen. Das Vorgehen bei den Taten jedenfalls sei das gleiche. Damals gab es gleich mehrere Tatorte: neben einigen Spielplätzen – auch im Westpark – war der Rohrreiniger auch auf Grillplätzen entdeckt worden. Ein Täter konnte vor einigen Monaten aber nicht ermittelt werden.

Mit Staatsanwaltschaft und Polizei will auch die Stadt Aachen möglichst eng zusammenarbeiten, um die Chance zu steigern, dem Täter auf die Spur zu kommen oder zumindest von weiteren Taten abzuschrecken. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts sollen an den entsprechenden Plätzen verstärkt Streife laufen. Die Taten allerdings geschahen bisher wahrscheinlich nachts. Deshalb ist unklar, wie wirksam diese Maßnahme sein wird. Bei der Stadt stehe man, sagt Wölk, aber auch noch am Anfang der Abstimmung. Die Substanz wurde am vergangenen Sonntag entdeckt und müsse nun auch erst einmal in ihrer Zusammensetzung analysiert werden, um sicher sagen zu können, ob es sich um den gleichen Rohrreiniger handelt, wie er bei Taten in der Vergangenheit bereits benutzt wurde.

Im Westpark kümmert sich Axel Jansen von der Bleiberger Fabrik am Montag um die letzten Aufräumarbeiten nach dem „Kulturfest West“ (siehe Seite 16), das am vergangenen Samstag stattfand. „Wir hatten rund 800 Besucher. Als ich von der Substanz auf dem Spielplatz gehört habe, dachte ich gleich: Hoffentlich ist keines der Kinder damit in Berührung gekommen.“ Jansen ist Leiter der Werkwochen der Bleiberger Fabrik, ein Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche. „In den Ferien gehen wir jeden Tag auf den Spielplatz.“ Und auch mit seinen eigenen Kindern besucht er ab und zu den Ort. „Wenn wir hier irgendwo hingehen, schaue ich mir den Platz vorher sehr genau an.“

Eine andere Substanz auf Spielplätzen sorgte bereits im vergangenen Jahr in mehreren Fällen für Schlagzeilen. Ein bis heute unbekannter Täter hatte damals mehrfach Spielgeräte auf Spielplätzen mit Kot beschmiert, auch im Westpark, und damit viele Eltern in Aachen verunsichert.

In Düren musste die Stadtverwaltung nach einer Reihe von Vorfällen in den Sommermonaten ebenfalls aktiv werden. Ein oder mehrere Täter hatten dort auf Spielplätzen die Halterung von Kletterseilen gelockert, so dass sie bei Benutzung nicht mehr hielten – in mindestens neun Fällen. Ein Kind war daraufhin abgestürzt und rund anderthalb Meter gefallen, glücklicherweise ohne sich zu verletzten.

Auch in Düren sind die Kontrollen daraufhin ausgeweitet worden. Wurden die Spielplätze vorher einmal in der Woche kontrolliert, so geschah dies danach jeden Tag bis spätesten 6.30 Uhr morgens. Die Stadtverwaltung hat außerdem Anzeige erstattet und eine Belohnung von 1000 Euro ausgelobt. Die Verschraubungen, die man auch vorher nicht per Hand lösen konnte, sind mittlerweile zusätzlich verklebt.

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