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Römischer Weihbezirk im Herzen der Aachener Altstadt entdeckt

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
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Schauen bei den außergewöhnlichen Fundstücken ganz genau hin: Grabungsleiter Joachim Meffert, Klaus Scherberich vom Historischen Institut der RWTH, OB Marcel Philipp, Stadtarchäologe Andreas Schaub und Wolfgang Raabe von der Stawag (v.l.). Foto: Harald Krömer
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Dieser Weihestein, der Größte der Funde, wurde in der ursprünglichen Aufstellung angetroffen. Foto: Harald Krömer
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FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 01.12.2016 neue Archäologische Funde,

Aachen. Wenn über Baustellen berichtet wird, gibt es diesbezüglich meist eher unangenehme Nachrichten. Staus, Umleitungen, so etwas. Dass Baustellen aber auch etwas Gutes mit sich bringen können, etwas „Sensationelles“ sogar, wie Oberbürgermeister Marcel Philipp sagt, zeigen die jüngsten Entdeckungen bei Kanalarbeiten der Stawag unter der Körbergasse/Ecke Büchel.

Denn dort stolperten die Archäologen überraschend über einen römischen Weihbezirk. Reste von mindestens neun Steinaltären wurden gefunden. Und die Inschriften beweisen: Die Steine wurden von römischen Beneficiariern, also Legionssoldaten im Stab des Provinzstatthalters, gestiftet. Die Beneficiarier waren oft auf Stationen in der Provinz abkommandiert und übten dort polizeiähnliche Aufgaben aus.

Statthalter Iulius Severus (zwischen 142 und 150 n.Chr.) ist auf den Steinen namentlich erwähnt und hatte seinen Sitz in Köln. Die Beneficiarier wurden von ihm vermutlich nach Aachen geschickt. Dank der Inschriften, die die Archäologen bereits entschlüsselt haben, besteht also kein Zweifel – es ist ein Weihbezirk.

„Bei den Arbeiten hat man teilweise eine Originalsituation vorgefunden“, sagt Philipp. Und das „ist etwas wirklich Ungewöhnliches“, ergänzt Stadtarchäologe Andreas Schaub. Einer der Weihesteine stand noch „in situ“, also in der Position, in der er einst aufgestellt wurde; ein weiterer lag umgestürzt vor seinem Fundament. Außerdem kamen in den umgebenden Schichten noch weitere Fragmente weiterer Altäre zum Vorschein.

Die neun Altäre stammen vermutlich aus dem Zweiten und Dritten Jahrhundert nach Christi und warteten in rund 3,50 Metern Tiefe darauf, endlich entdeckt zu werden. Für den Oberbürgermeister sind die aktuellen Funde „der immer wieder neue Hinweis darauf, welch faszinierende Geschichte unsere Stadt hat“.

Dabei hatte man in Aachen mit einem solchen Fund eigentlich gar nicht gerechnet. Bis jetzt waren im gesamten Römischen Reich nur drei solcher Weihbezirke gesichert lokalisiert worden. Mit den Aachener Funden gelang nun ein weiterer, vierter Nachweis. Durch die Nennung von Iulius Severus kann eine der Weihungen zwischen 142 und 150 nach Christi datiert werden und dürfte somit eine der ältesten Beneficiarier-Weihungen aus Germanien sein. Im gesamten Imperium Romanum ist es erst der vierte, sicher lokalisierte Bezirk. Das macht es für die Fachwelt so spannend.

Daher hat auch das Landesmuseum Bonn bereits Interesse bekundet. „Die beiden großen Weihesteine werden dort zunächst restauriert und dann vorübergehend ausgestellt“, sagt Schaub. Danach kämen sie natürlich wieder zurück nach Aachen. Die kleineren Fragmente bleiben ohnehin dort. Denn mit der Ausgrabung ist es nicht getan. Die Fundstücke müssen dokumentiert und sortiert werden. Außerdem stünde auch danach noch viel Recherchearbeit an. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, stellt in Aussicht, dass die Steine auch in Aachen ausgestellt werden könnten. Schaub hofft zudem, dass beim letzten Abschnitt der Stawag-Kanalarbeiten, der noch rund drei Meter beträgt, vielleicht auch noch das eine oder andere Schätzchen darauf wartet, entdeckt zu werden. In 40 bis 80 Zentimeter-Schritten gehen die Archäologen dabei voran, in der Hoffnung, auch den kleinsten Teil eines der Altäre zu entdecken.

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