Römische Keramikscherben am Aquis Plaza

Von: Martina Feldhaus
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Ganz schön schlammige Angelegenheit: Archäologen graben am Kaiserlatz nach interessanten Funden. Mehrere Brunnen aus verschiedenen Jahrhunderten haben die Profis aus Brühl bereits ausgegraben. Und auch römische Scherben sind aufgetaucht. Foto: Harald Krömer

Aachen. Rund um den Kaiserplatz herrscht derzeit vor allem eins: laute Baustelle. Bagger, Bohrer und Bauarbeiter bereiten das 17.000 Quadratmeter große Gelände für die Grundsteinlegung und den darauffolgenden Rohbau vor.

Doch mitten drin, rechts von der Baustellenzufahrt und einige hundert Meter von der Kirche St. Adalbert entfernt, geht‘s deutlich ruhiger zu. Da kommt es auf Genauigkeit an, auf ein vorsichtiges Händchen und auf Geduld. Denn dort sind Archäologen dabei herauszufinden, was an der Stelle – wo künftig ein riesiges Einkaufszentrum mit rund 130 Geschäften entstehen soll – an historisch bedeutsamen Funden ans Tageslicht befördert werden kann.

Ziemlich tief unten

Die Ausgrabungs-Fachfirma archäologie.de tut das im Auftrag des Bauherrn ECE. Bereits seit März sind sie dort im Einsatz. Um die sieben Profis graben sich am Kaiserplatz Stück für Stück in die Tiefe. Mittlerweile eine ganz schön schlammige Angelegenheit dank einiger regenreicher Herbsttage. Nach fast acht Monaten können die Archäologen natürlich schon ein paar Funde vorweisen. Die wohl spektakulärsten bis dato: Rund 50 Keramikscherben aus der Römerzeit. „Die lagen relativ weit unten in Staunässeschichten. Wegen der Nähe des Kaiserplatzes zu Bächen ist der Grundwasserspiegel hier relativ hoch“, erklärt Projektleiter Stefan Graßkamp.

Wurden die Scherben also aus Richtung römischem Aachen angespült? „Nein, dann wären ihre Karten stärker abgerundet. Wir gehen davon aus, dass hier irgendetwas Römisches gewesen ist. Vielleicht haben sie diesen Ort auch nur kurzfristig genutzt, etwa als Lagerstelle.“ Die Scherben sind bislang die einzigen Hinweise auf eine römische Vergangenheit des künftigen „Aquis Plaza“-Geländes. Bauliche Strukturen oder Gräben seien nicht entdeckt worden, erklärt Graßkamp.

Ob die römische Geschichte Aachens nun neu geschrieben werden muss, scheint bisher eher unwahrscheinlich. Aber Graßkamps Leute wollen natürlich noch tiefer graben. Und zwar solange, bis die Schichten in allen Bereichen, in denen potenziell etwas Interessantes liegen könnte, weggebaggert sind. Die Römer? Das lässt natürlich den gemeinen Öcher besonders aufhorchen. Schließlich badeten schon die Legionäre genussvoll in den heißen Aachener Quellen.

Aber auch spätere Jahrhunderte haben im Dreieck Adalbertstraße, Adalbertsberg und Beecksraße ihre Spuren hinterlassen. Graßkamp: „Wir haben mehrere Brunnen aus ganz unterschiedlichen Jahrhunderten gefunden. Der jüngste stammt auf dem 18. oder 19. Jahrhundert, damals hatte eigentlich fast jedes Haus so einen. Der älteste ist aus dem 13. Jahrhundert.“ Teile aus Leder, die die professionellen Gräber zutage gefördert haben, deuten darauf hin, dass es an dieser Stelle mal eine Gerberei gegeben hat. In jedem Fall arbeiteten im Mittelalter allerhand Handwerker am heutigen Kaiserplatz.

Wohnbebauung in der Neuzeit

Ab dem 16. Jahrhundert, zu Beginn der frühen Neuzeit, habe es dann vor allem Wohnbebauung gegeben. Das zeigten Kupferstiche und andere Dokumente, die bis heute erhalten sind, so Graßkamp. Überraschendes ist aus diese späteren Jahrhunderten aber kaum zu erwarten. Mehr römische Funde dagegen, die etwa auf Häusersiedlungen hinweisen, wären ziemlich spannend, wenn nicht spektakulär. Denn das Areal um den Kaiserplatz gehört nicht zum bereits bekannten römischen Aachen.

Deshalb wird – bis auf eine kurze Pause im November – auch in den nächsten Wochen und Monaten noch weitergegraben. Im Schlamm der Kaiserplatz-Baustelle. Neben den lärmenden Baumaschinen. Zimperlich darf man auch als Archäologe nicht sein.

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