Römermünzen in Aachen: Gold ist kaum dabei

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
ostgote_bu
Der eine findet, der andere wertet aus: Stadtarchäologe Andreas Schaub (links) und Dr. Holger Komnick aus Frankfurt freuen sich über die jüngsten Aachener Münzfunde aus römischer Zeit. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Man sieht ihn vor sich, den vierschrötigen römischen Legionär, wie er vor 2000 Jahren das Militärbad am Büchel betritt, um sich im warmen Aachener Wasser von den Strapazen des Kriegerdaseins zu erholen.

Auch damals musste man in den Thermen schon Eintritt bezahlen, und so wird er an der Kasse vielleicht jenes Geldstück hinterlassen haben, dass viele, viele Generationen später im Untergrund der Innenstadt aufgefunden wurde.

Die Münze, geprägt zur Zeit des Augustus in Spanien, fand auf abenteuerliche Weise ihren Weg nach Aachen und gehört zu den prominenteren Funden dieser Art im Weichbild von Dom und Rathaus.

Im Lauf der Zeiten sind im Zentrum der Stadt um die 300 Münzen entdeckt und erfasst worden, die aus keltischer rund römischer Zeit stammen, wozu auch noch das 6. Jahrhundert gezählt wird. Es sind in aller Regel Einzelfunde, aber ausgebuddelt wurde auch ein kleiner Schatz in der Ursulinerstraße.

In letzter Zeit hat der Bestand wieder beträchtlich zugenommen - bei den Grabungen im Dom sind 20 bis 25 Römermünzen entdeckt worden, bei der archäologischen Durchleuchtung des Elisenbrunnens 18 weitere.

Im Dom wurden zwei der interessantesten Objekte gefunden, zwei Münzlein aus ostgotischer Zeit (6. Jahrhundert), die wohl aus Norditalien importiert worden sind, in der Hosentasche zurückwandernder - fränkischer - Soldaten. Für den Stadtarchäologen Andreas Schaub eine ganz außerordentliche Trouvaille, die beweise, dass Aachen auch in den „dunklen Jahrhunderten” existiert habe und bewohnt gewesen sei.

600 Seitden dick

Die Entdeckung gelang, als im Dom Schutt und Geröll durchackert wurde, das schon einmal von Archäologen inspiziert worden ist, bei der Grabung in den Jahren 1910 und 1911. Dass die beiden „Ostgoten” damals übersehen wurden, erklärt Schaub folgendermaßen: „Sie sind winzig klein, das Licht war damals schlechter, Metalldetektoren gab es noch nicht.”

Die jüngsten Entdeckungen werden von Dr. Holger Komnick natürlich entsprechend gewürdigt - mit seinem Team katalogisiert er alle, wirklich alle „Fundmünzen der Römischen Zeit in Deutschland (FMRD)” und präsentiert sie in der renommierten Veröffentlichungsreihe, die unter gleichem Namen erscheint. Demnächst gibt es den Band über Aachen und Umgebung, auch um die 600 Seiten dick - und das ganz ohne Bilder (sonst würde der Rahmen einfach gesprengt).

Der Mann von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main nimmt nicht nur die wirklich übriggebliebenen Münzen in seine Verzeichnisse auf, sondern recherchiert zudem intensiv mit Hilfe alter Akten und vergilbter Zeitungen, wann und wo antike Geldstücke jemals erwähnt wurden.

Sie sind ihm auch dann eine Erwähnung wert, wenn sie nicht mehr unter uns weilen. Bei diesen Arbeiten gelang ihm ein kleines Meisterstück: Im Suermondt-Ludwig-Museum stieß er, säuberlich magaziniert, auf eine größere Anzahl von Stücken, die längst als verschollen galten. Unter ihnen eine veritable keltische Goldmünze, die in Verlautenheide entdeckt wurde.

Und die unter den bisherigen Funden einen ziemlichen Einzelfall darstellt. Gleich mehrere Exemplare sind aus Silber, die meisten jedoch aus Bronze oder Kupfer, und damit gehören sie zum damaligen Kleingeld, mit denen man seinen Wein oder sein Stück Käse bezahlte. In erster Linie waren es tatsächlich die Legionäre, die „Träger” von Münzgeld waren - sie erhielten dreimal im Jahr ihren Sold und machten schwer Rabatz, wenn sich die Zahlungen verzögerten oder gar ganz ausblieben.

Anfangs erwähnte Kupfermünze, die möglicherweise als Zahlungsmittel im Militärbad diente, wurde in augusteischer Zeit (27 vor bis 13 nach Christus) im damaligen Calagurris, dem heutigen Calahorra, am Oberlauf des Ebro geprägt und könnte in unsere Gefilde geraten sein, als die Römer Truppen aus Spanien in die Lager am Rhein verlegten. Von dort könnte dann der Erholung suchende Soldat nach Aachen marschiert sein, um sich ein paar schöne Stunden oder Tage an den heißen Quellen von Aquisgranum zu machen.

Das Mammutunternehmen FMRD ist mittlerweile ein Projekt der Akademie der Wissenschaften Mainz mit drei festen Mitarbeitern, Schreibkraft und Sekretärin, zu denen bei Bedarf wissenschaftliche Helfer stoßen. Nach dem Krieg wurde die ehrgeizige Unternehmung, alle römischen Münzen aus deutschem Boden zu erfassen, in München begonnen, dann ging es nach Frankfurt. Mit dem Band über Stadt und Landkreis Aachen wird so ziemlich die letzte Lücke in der Buchreihe geschlossen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert