Römer waren früher in Kornelimünster als in Aachen

Von: Werner Breuer
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Im alten römischen Tempelbezi
Im alten römischen Tempelbezirk Varnenum bei Kornelimünster wurden sogenannte Fibeln und Scherben aus dem ersten Jahrhundert vor Christus gefunden. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Vielleicht werden Lokalpatrioten aus Kornelimünster demnächst über die „Neubausiedlung” Aachen als spotten.

Immerhin können sie sich darauf berufen, dass das „römische Kornelimünster älter ist als das römische Aachen” - ­ das erklärte jetzt Stadtarchäologe Andreas Schaub den Bezirkspolitikern des Indestädtchens.

Um diesen Schluss ziehen zu können, hat der Mann wieder ein Weilchen gegraben. Diesmal allerdings nicht im Erdreich, sondern im Depot des Landesmuseums in Meckenheim. Dort lagert ein Großteil der Funde aus dem römischen Tempelbezirk Varnenum zwischen Kornelimünster und Breinig. Was seit den ersten Grabungen im Jahr 1907 und bei diversen späteren Untersuchungen aus dem Boden geholt wurde, landete teilweise im Reif-Museum, aber auch im Meckenheimer Depot.

Der Stadtarchäologe hatte sich die alten Schätzchen noch einmal vorgenommen, weil er das in die Jahre gekommene Erklärungsschild am Tempelbezirk Varnenum auf den neuesten Stand bringen wollte. Nach seiner Sichtung konnte er jetzt der Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim eine „überraschende Neuigkeit” verkünden. Andreas Schaub präsentierte den Politikern Bilder von sogenannten Fibeln, den antiken Vorläufern heutiger Broschen. Den alten Römern dienten sie nicht nur praktisch als Sicherheitsnadeln, um ihre Kleidung zusammenzuhalten, sondern auch als Schmuck.

Fibeln und Scherben

Die in Kornelimünster gefundenen Fibeln datiert Schaub zeitlich auf das Ende des ersten Jahrhundert vor Christus ein. Auch Keramikscherben hat er sich genau angesehen, um aus ihrer Form Rückschlüsse zu ziehen. „Die kommen aus der Toscana”, erklärte Schaub in der Bezirksvertretung. Ähnliche Scherben seien zwar auch in Aachen gefunden worden, „aber nicht in dieser frühen Ausprägung”. In Aachen reichen die Spuren laut Schaub zurück bis zur Zeit um Christi Geburt.

Schon in vorchristlicher Zeit wurden demnach in Varnenum die Gottheiten Sunuxsal und Varneno verehrt, doch laut Schaub ist in diesem Bereich nicht nur gebetet, sondern auch gearbeitet worden. „Dort wurde Handwerk betrieben”, meint er.

Und so glaubt der Archäologe auch, einen der früheren Bewohner des heutigen Stadtbezirks namentlich zu kennen: „Similis ist der erste, den wir namentlich fassen können”, erklärte Schaub, der habe nämlich seinen Namen in ein Tongefäß geritzt. Nicht zuletzt deshalb schwärmt Schaub von der „überdurchschnittlichen Qualität der Funde”.

Sie sollten nach seiner Ansicht gründlich wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Außerdem seien die Schätze viel zu schade, um ein tristes Dasein in einem Depot zu fristen. Der Stadtarchäologe könnte sich eine ansprechendere Präsentation vorstellen, eventuell gar in Kornelimünster.

Dort hätte man in der Tat einigen Grund, die alten Fibeln und Scherben stolz zur Schau zu stellen. Mit süffisantem Lächeln erinnerte Bezirksbürgermeister Eberhard Büchel an die Eingemeindung von Kornelimünster und Walheim vor etwa 40 Jahren: „Eigentlich hätte der Zug ja in die umgekehrte Richtung gehen müssen.”
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