Aachen - Rock gegen Galeriepläne am Kaiserplatz

Rock gegen Galeriepläne am Kaiserplatz

Von: Achim Kaiser und Wolfgang Schumacher
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Brach liegende Fläche:  Am Ad
Brach liegende Fläche: Am Adalbertsberg (links) soll am 1. September gegen die Pläne einer Kaiserplatz-Galerie gerockt werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Das marode Areal am Kaiserplatz dümpelt weiter vor sich hin. Die Politik hat zwar die Pläne für eine Shopping-Mall im Schatten von St. Adalbert - vorerst - gestoppt. Wie es aber tatsächlich weitergehen soll rund um die untere Adalbertstraße, ist derzeit noch völlig offen.

Denn erst in der Septembersitzung soll nach einem entsprechenden Beschluss im Planungsausschuss die Programmberatung, über die Brache starten. Dies bekräftigte am Mittwoch der planungspolitische Sprecher der Mehrheitsfraktionen von CDU und Grünen im Stadtrat, Michael Rau (Grüne).

Derweil will die Bürgerinitiative „Kaiserplatzgalerie - Nein danke!” wieder mit einem Event auf sich und ihre Vorstellungen aufmerksam machen. Horst Schnitzler, Ratsherr und Sprecher der Initiative, und der renommierte Aachener Musiker Günter Krause planen ein rockig-jazzig-folkloristisches Musikfestival am Adalbertsberg. Am 1. September sollen ab 12 Uhr im Rahmen einer Mahnwache mehrere Aachener Bands auftreten.

„Ich bin noch gar nicht Mitglied der Initiative, denke aber, dass eine Super-Mall am Kaiserplatz das Bild der Stadt, aber auch die Situation vieler Anwohner und kleinerer Geschäftsleute dramatisch verändern würde”, sagt der Chef und Gitarrist der international bekannten Aachener Artrockgruppe Rufus Zuphall. Sein Traum wäre ein „Mies-van-der-Rohe-Wohnpark”: „Man könnte doch einen Architektenwettbewerb ausschreiben. Zielsetzung wäre dann die Errichtung eines hohen Wohntowers mit einem Park und einem See drumherum. Den gabs da wohl schon mal in alten Zeiten, als hier am Kaiserplatz alle Bäche zusammengeflossen sind. Also Wasser wäre da.”

Krause hatte bereits Ende Februar 2010 ein ähnliches Festival mit musikalischen Lokalmatadoren organisiert, dessen Erlös den Opfern in Haiti zugute kam. Diesmal geht es weniger um finanzielle Hilfen als vielmehr um öffentliche Aufmerksamkeit. „Warum also nicht mal jet för Oche maache?”, dachte sich der vielseitig engagierte Gitarrist: „Als altem Öcher blutet mir das Herz, wenn ich mir das heute so ansehe. Ich habe sogar einen Song über das verschwundene Gloria-Kino am Kaiserplatz geschrieben.” Der soll dann am 1. September am fast gleichen Ort uraufgeführt werden. Auftreten wird Krause womöglich gleich zweimal - mit Rufus Zuphall und Günter Krauses Anstreicherbrigade.

Ob dieses Event Anfang September tatsächlich open air am Adalbertsberg stattfinden darf, will Schnitzler mit der Polizei abklären: „Die Anmeldung der Mahnwache mit Musik ist vorbereitet. Es wird dann Kooperationsgespräche geben, in denen es auch Sicherheitsfragen geht, erklärt das UWG-Ratsmitglied: „Ich bin optimistisch, denn es gibt einen vergleichbaren Fall am Gasborn. Dort ist auch die Genehmigung erteilt worden.”

Außerdem sei Schnitzler im Gespräch mit Herbert Pontzen, dem Geschäftsführer des Hauptgrundstückseigentümers Projektentwicklungsgesellschaft Adalbert-straße, kurz PEA. Denn solange über die endgültige Nutzung des brach liegenden Geländes nicht entschieden sei, könne es eine Art Zwischennutzung geben, etwa in Form einer Naturerlebnisoase, argumentiert Schnitzler. Eine Ortsbegehung stünde nun bevor.

Danach könne mehr darüber gesagt werden, ob eine derartige Idee auch realisiert werden könne. „Vorbilder dazu gibt es in anderen Städten wie zum Bespiel in Köln. Dort ist auf Betreiben der initiative „Neuland” in Kalk eine 15.000 Quadratmeter großer mobiler Garten entstanden. Die Bürgerinitiative gegen die Kaiserplatz-Galerie favorisiert eine Bebauung mit mittelständigem Einkaufsbereich und bezahlbarem Wohnraum in einer begrünten urbanen Anlage.

Auch die politischen Entscheidungsträger protegieren mittlerweile nicht mehr um jeden Preis eine Einkaufsgalerie in der einst angedachten Größe. Das „Thema Wohnen” solle mehr in den Vordergrund gestellt werden. Es werde zwar Einzelhandel rund um den Kaiserplatz gewünscht, allerdings müsse es nicht in dieser Massierung sein, wie es die Befürworter einer Shopping-Mall für nötig halten. „Die neuen Gedankenspiele sind gar nicht so weit von unseren Vorstellungen entfernt”, sagt Initiativsprecher Schnitzler. Die Zwickmühle für die Stadt: Für eine anderweitige Ausrichtung des Bebauungsplanes braucht sie die Grundstücke, die im Besitz der PEA sind.

Deren Geschäftsführer Pontzen kann nach wie vor keine Angebote von Investoren auf den Tisch legen. Erst in rund vierzehn Tagen käme möglicherweise wieder Bewegung in das Projekt.

Auch die nach eigenen Angaben weiterhin an dem Großprojekt interessierten Kölner Investoren, die Strabag Real Estate GmbH, bekundet lediglich weiterhin ihr Interesse, mehr aber nicht.
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