Aachen - Riesieges Hamsterrad schwebt ins Quadrum

Riesieges Hamsterrad schwebt ins Quadrum

Von: Dagmar Meyer-Roeger
Letzte Aktualisierung:
7932434.jpg
Da schwebt es hoch über den Quadrum: Das hölzerne Laufrad des Tretradkrans. Der Aachener Dombaumeister Helmut Maintz (v.l.), Urlich Först, Leiter der Dombauhütte Bamberg, Kunsthistoriker Mathias König und Zimmermannmeister Martin Freymüller (beide aus Bamberg) beobachten, wie das Teil mit einem Durchmesser von 3,6 Metern per Autokran in den Innenhof gehievt wird. Foto: Dagmar Meyer-Roeger
7932433.jpg
Schrauben und Hämmern: Im Quadrum packt Ulrich Först, Leiter der Dombauhütte Bamberg, beim Zusammenbau mit an. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Aachen. Ein Schlüsselproblem in der Technik sowie in der Sozialgeschichte der Menschheit war und ist das Heben von Lasten. Der hölzerne Tretradkran, dessen Prinzip seit der Antike bekannt ist, beschleunigte die Beförderung von Werkzeugen und anderen Lasten nach oben und ist somit wichtig für die Bautechnik, im Verkehrswesen, im Bergbau und in vielen verarbeitende Industrien.

Der Nachbau eines solchen „Hamsterrades“ wird während des „Chorhallenjubiläums – Haus aus Licht“ von Freitag, 20. Juni, bis Sonntag, 14. September, im Quadrum der Domsingschule am Katschhof präsentiert.

Doch bevor es soweit ist, musste die Leihgabe der „Stiftung Domstadt Bamberg“ erst einmal an Ort und Stelle platziert werden. Nachdem Ulrich Först, Leiter der Dombauhütte Bamberg, Kunsthistoriker Mathias König und Zimmermannmeister Martin Freymüller mit dem zerlegten Exemplar den Domhof sicher erreicht hatten, begann hier am Samstag unter den Augen zahlreicher Schaulustiger das Aufbau-Spektakel des 3,60 Meter Durchmesser großen und 800 Kilogramm schweren Tretrades, mit dem eine Last von 300 Kilogramm bewegt werden kann.

„Was ist das?“ war aus den Zuschauerreihen immer wieder zu hören. Auf die Antwort „Ein Tretradkran“ gab es dann sowohl fragende Gesichter als auch Antworten wie „Ah, davon habe ich schon gehört!“. Interessant war die Aktion jedenfalls für jedermann. Denn neben der hölzernen Tretmühle hatte sich inzwischen auch ein Autokran im Domhof eingefunden, nachdem dieser es in Millimeterarbeit geschafft hatte, das Tor zu passieren. Die Einzelteile wurden vom Anhänger abgeladen und zusammengebaut – für den Weitertransport per Autokran. Schließlich wurden Rad und Unterbau mit Hilfe dieses Krans ins Quadrum gehoben, wo die letzten Schritte des Aufbaus stattfanden.

Der Tretradkran ist ein Beispiel dafür, dass schwere Lasten auch ohne modernen Kran und Elektrizität zu heben sind. „Bei Raddurchmessern zwischen drei und fünf Metern und entsprechenden Übersetzungsverhältnissen konnten Lasten bis über eine Tonne nach oben transportiert werden“, informiert der Aachener Dombaumeister Helmut Maintz. „Die Laufwege der ‚Windenknechte‘ zum Heben der Lasten waren lang. Für 20 Meter Förderhöhe mussten sie je nach Raddurchmesser 300 bis 400 Meter im Rad laufen“, führt er aus.

Die Tätigkeit sei mühsam, anstrengend und gefährlich gewesen, da die Laufräder nicht einfach auf einer Stelle fixiert werden konnten. Helmut Maintz weiter: „Das Halten der Lasten auf einer Höhe, aber auch das Ablassen bargen Gefahren, wenn die Last durch ihr Eigengewicht die Männer in den Rädern zum „Rotieren‘ oder ‚Schleudern‘ brachten.“ Redewendungen wie „ins Rotieren kommen“ oder ins „Schleudern kommen“ oder „Tretmühle“ und „Hamsterrad“ hätten hier, so der Dombaumeister, wohl ihren Ursprung.

Mal abgesehen von der optischen Anziehungskraft, die der Tretradkran zum Chorhallenjubiläum au süben wird, kann der von der „Stiftung Domstadt Bamberg“ ausgeliehene Nachbau seine Funktionstüchtigkeit unter Beweis stellen. Kinder, Jugendliche wie Erwachsene werden dann die Gelegenheit haben, sich von der Wirksamkeit dieses mittelalterlichen Werkzeugs zu überzeugen.

So können Interessierte vom 21. bis 29. Juni in der Zeit von 14 bis 17 Uhr unter Anleitung und Aufsicht des Ehrendienstes am Aachener Dom den Laufkran ausprobieren. Vom 30. Juni bis 14. September werden noch freiwillige Helfer gesucht, die sich vorerst von 14 Uhr bis 17 Uhr als Aufsicht und Bremshilfe zur Verfügung stellen. Dombaumeister Helmut Maintz: „Es wäre schön, wenn uns hier viele Bürger helfen würden, damit wir über die gesamte Standzeit auch den Betrieb des Tretradkrans anbieten können.“ Interessiert können sich per Mail unter chorhallenjubilaeum2014@dom.bistum-aachen.de melden oder per Telefon unter Telefon 0241/47709-124.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert