Rieseninteresse am Plan Richtericher Dell

Von: Heiner Hautermans
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Die Grünanlagen am Weinweg sollen auch dazu dienen, Regenwasser versickern zu lassen. Entwurf: Spengler/Wiescholek

Aachen. Es war das erste Mal, dass die Bürger sich zum größten Neubauprojekt Aachens äußern konnten, und es ging chaotisch zu. Der Saal in Schloss Schönau erwies sich als viel zu klein für die Bürger, die sich aus erster Hand über das Riesenvorhaben Richtericher Dell informieren wollten, wo in den nächsten 15 bis 20 Jahren Wohnraum für bis zu 3000 Menschen geschaffen werden soll.

Eigentlich habe man in die Peter-Schwarzenberg-Halle gehen wollen, die sei aber wegen einer Karnevalsveranstaltung besetzt, erläuterte Moderatorin Angelika Hildesperger den dicht gedrängten Besuchern zu Beginn. Ein Großteil der Interessenten blieb außen vor und bekam von der Veranstaltung kaum etwas mit. Dann stieß auch noch der vorgesehene Ablauf auf heftige Kritik und musste geändert werden. Vorübergehend drohte sogar ein Abbruch der Veranstaltung, in der die Verwaltung viel Prügel einstecken musste.

Die Hauptbefürchtungen bei der Vorstellung des ersten Bauabschnitts: Jahrelange Belästigungen durch den Baustellenverkehr und noch mehr Kfz auf jetzt schon überlasteten Straßen in Alt-Richterich und Laurensberg. Am Rande der bestehenden Bebauung im Zwickel von Vetschauer Weg und Horbacher Straße soll, wie berichtet, der erste Bauabschnitt mit rund 190 Wohneinheiten für etwa 550 Bewohner verwirklicht werden, parallel laufen die Planungen für die Umgehungsstraße an.

Chance für den Bezirk

Bezirksbürgermeisterin Marlis Köhne und Planungsdezernentin Gisela Nacken stellten das Projekt als große Chance für Richterich dar. Es gebe viel Nachfrage nach neuem Wohnraum, nicht nur von Studenten oder jungen Familien, sondern auch aus älteren Bevölkerungskreisen. Auch könne die Horbacher Straße entlastet werden.

Projektleiterin Annika Kubbilun und Architektin Ingrid Spengler erläuterten die hochgesteckten Ziele. So soll etwa die Nachbarschaft dadurch gefördert werden, dass kleine Einheiten mit 30 bis 40 Wohnungen im Karree angelegt werden, Dächer werden begrünt, Häuser nach Süden ausgerichtet, Wasser soll komplett vor Ort in den Grünfugen versickern. Wohnungen verschiedener Größen für jeden Geldbeutel sollen entstehen.

Zu Wort kam auch der Sprecher der Bürgeraktion Vetschauer Weg, der gegen die Zerstörung eines Biotops protestierte, vor allem aber vor den Belästigungen durch die Baumaßnahmen warnte und ein schlüssiges Konzept zum Schutz dagegen verlangte. Er traf wohl die Stimmung der meisten Anwesenden.

Anschließend sollte nämlich die Diskussion in einzelne Themenbereiche wie Verkehr, Umwelt oder Vermarktung getrennt werden. Zu diesem Zweck waren in anderen Schlossräumen Tische mit Informationstafeln aufgebaut worden. Doch da erhob sich lautstarker Protest. „Sie wollen die Diskussion abwürgen. Wir weigern uns, dann gehen wir alle nach Hause“, waren einige der Einwände.

Die ganze Veranstaltung drohte aus dem Ruder zu laufen. Die verunsicherte Moderatorin ließ abstimmen: Die Mehrheit entschied, im Saal zu bleiben. Daraufhin verließ jedoch ein beträchtlicher Teil des Publikums den Saal, der sich hauptsächlich dafür interessierte, wie man an eines der begehrten Grundstücke kommen kann.

Die größte Sorge drinnen war, dass die Häuser gebaut werden, die gleichzeitig geplante Umgehungsstraße zwischen Richtericher Dell und Roermonder Straße bis dahin aber nicht fertig ist, beziehungsweise auf die zu Spitzenzeiten ebenfalls überlastete Kohlscheider Straße trifft. Über eine Verbindungsstraße vom Vetschauer Weg zum grenzüberschreitenden Gewerbegebiet Avantis soll der Baustellenverkehr geführt werden, allerdings außerhalb der vorhandenen Bebauung.

Verwiesen wurde von einer Bürgerin darauf, dass auf der Achse Laurensberger Straße/Rathausstraße jetzt schon das Verkehrsaufkommen hoch ist, noch mehr Pkw würden die Schüler am Schulzentrum gefährden. Dazu werde man geeignete Maßnahmen finden, damit die Belastung dort nicht weiter steigt, versicherte Verkehrsplaner Uwe Müller. Kritisiert wurde darüber hinaus, dass im neuen Wohngebiet zu wenig Stellplätze vorgesehen seien – insgesamt 345.

Immer wieder versicherten die städtischen Mitarbeiter, dass die Planungen noch ganz am Anfang stünden und alle Einwendungen berücksichtigt würden. Diese können ab sofort auch per Mail eingereicht werden: bebauungsplan@mail.aachen.de.

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