Aachen - Riesenbärenklau: Nicht einzudämmen

AN App

Riesenbärenklau: Nicht einzudämmen

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
Kampf gegen eine imposante und
Kampf gegen eine imposante und gefährliche Pflanze: Bernd Hagemann vom Fachbereich Umwelt steht inmitten von gut 2,50 Meter hohen Herkulesstauden. Sie können starke Verbrennungen hervorrufen und verdrängen heimische Pflanzen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wer wissen will, was eine Sisyphusarbeit ist, kann ja mal Bernd Hagemann fragen. Jahr für Jahr gehen er und seine Mannen einigermaßen rabiat gegen den sogenannten Riesenbärenklau, bekannt auch als Herkulesstaude, vor, doch die lässt sich einfach nicht kleinkriegen. Im Gegenteil.

Die hochgefährliche Pflanze breitet sich allem Anschein nach unaufhaltsam aus. Um die weitere Verbreitung einigermaßen eindämmen zu können, bräuchte Landschaftspfleger Hagemann dringend mehr Helfer, wie er am Dienstag auch im Landschaftsbeirat deutlich machte.

Kampf an vielen Fronten

Aktuell hat der Mitarbeiter des städtischen Fachbereichs Umwelt gerade noch zwei Helfer an seiner Seite, die an vielen Fronten einen schier aussichtslosen Kampf gegen den Eindringling aus dem Kaukasus führen. In diesem Jahr zählt Hagemann bereits 100 Standorte im Stadtgebiet - vor drei Jahren waren es gerade mal 40.

Bedrohlich ist dies deshalb, weil alle Pflanzenteile der Herkulesstaude ein Gift enthalten, das bei Menschen schwere Hautverbrennungen verursacht. Bei Sonneneinstrahlung wirkt es besonders schlimm. Selbst Todesfälle hat es infolge von Kreislaufschocks schon gegeben. Die Ausdünstungen der Pflanze belasten die Atemwege und können eine Bronchitis auslösen.

In die Müllverbrennung

Deshalb können Hagemanns Mitarbeiter nur unter Vollschutz gegen die sogenannten Neophyten - also Pflanzen, die hier nicht hingehören - vorgehen. Seit März sind sie bereits unterwegs, um die Herkulesstauden in einem möglichst frühen Stadium samt Wurzeln auszugraben und anschließend in die Müllverbrennung zu bringen. Es ist die sicherste Methode, die weitere Ausbreitung zu verhindern, ist Hagemann überzeugt. Im ehemaligen Kreisgebiet setzen seine Kollegen auch kochendes Wasser ein - ebenfalls eine gute Methode, meint Hagemann, aber „nicht geländegängig” und daher im Stadtgebiet nicht so gut geeignet.

Rund 30.000 Pflanzen hat das städtische Umweltamt alleine im vergangenen Jahr vernichten können, in diesem Jahr werden es am Ende der Saison rund 25.000 sein. Doch vor allem an Bachläufen, Brachen, Ackerrändern oder auch Autobahnböschungen wachsen immer wieder neue Herkulesstauden nach. Bis zu 50.000 Samen produziert eine einzige Pflanze im Laufe ihres drei- bis fünfjährigen Lebenszyklus. Vögel und fließende Gewässer tragen zur Ausbreitung bei, oft aber werden die Samen auch bei Bauarbeiten durch herangekarrte Erde verbreitet.

Hagemann kartiert jeden Standort, weil jahrelange Nachkontrollen nötig sind. „Aber ich stolpere ständig über neue”, sagt er. In diesem Jahr musste er weitere Flächen am Senserbach, an der Wurm, am Haarbach und an der Verlautenheidener Straße eintragen. Trotz der aggressiven Ausbreitung bestehe für Wanderer oder spielende Kinder im Normalfall keine Gefahr, meint Hagemann. Öffentliche Wege, Schulhöfe oder Spielplätze werden besonders streng kontrolliert.

„Auf normalen Wegen ist man im Stadtgebiet sicher”, sagt Hagemann. Gefährlich aber kann es im Unterholz, auf Brachen und an Bach- oder Flussläufen werden. Vor allem Kinder sollte man daher frühzeitig warnen, ihnen zeigen, wie die Pflanze aussieht, und erklären, dass sie eine Berührung unbedingt vermeiden müssen. Wer eine Herkulesstaude entdeckt, sollte das städtische Umwelttelefon, 0241/432 36 66, anwählen und einen Hinweis geben oder eines der Bezirksämter informieren.

„Brauche mehr Manpower”

Derweil hofft Hagemann, seine so sinnvolle Sisyphusarbeit auch im nächsten Jahr fortsetzen zu können. Zu schaffen machen ihm dabei jedoch die jüngsten Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung, denn Langzeitarbeitslose und von Sozialträgern zugewiesene Kräfte stehen ihm im nächsten Jahr möglicherweise nicht mehr zur Verfügung. „Ich brauche vor allem mehr Manpower”, sagt er.

Denn zu schaffen machen ihm längst nicht nur Herkulesstauden, sondern auch weitere Neophyten - darunter die Beifußambrosie. Von Süden kommend breitet sich die wegen ihrer allergieauslösenden Pollen hochgefährliche Pflanze zunehmend auch in unserer Region aus.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert