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Richtericher Dell: Erster Spatenstich erst im Jahr 2016

Von: Dörte Schulz und Heiner Hautermans
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Richterich. Den Planern geht es eigentlich nicht schnell genug. „Es ist schwierig, in Aachen Wohnraum zu finden“, sagte Dezernentin Gisela Nacken am Dienstag in einem Pressegespräch über das Neubaugebiet Richtericher Dell. Das sehe man zum Beispiel samstags bei Terminen zur Wohnungsbesichtigung: „Es trifft nicht nur Studenten, sondern zunehmend auch Familien und Singles. Es wird wirklich eng.“

Und da kann das Mammutvorhaben Richtericher Dell Abhilfe bringen. 800 bis 900 Wohneinheiten sollen dort in den nächsten 20 bis 30 Jahren auf knapp 40 bisher landwirtschaftlich genutzter Fläche am Rande Richterichs entstehen – Platz für 2500 bis 3000 Menschen. Allerdings benötigt das Mammutvorhaben auch einen Mammut-Planungsprozess. Die ersten Überlegungen gehen auf das Jahr 2005 zurück, der erste Spatenstich wird wahrscheinlich Anfang 2016 erfolgen. Ein vergleichbares Projekt dieser Größenordnung hat es in den letzten Jahrzehnten in Aachen nicht gegeben.

Hohe Ziele

Auch wenn es noch dauert, bis das erste Gebäude dort steht, die Bürgerbeteiligung für das Riesenprojekt läuft in der nächsten Woche an (s. Infobox). Das Riesenprojekt ist nämlich mit einigen Vorbehalten verbunden, eines der zu lösenden Probleme ist die Verkehrsbelastung durch die Neusiedler. Die soll langfristig durch die Ortsumgehung für Richterich, die an die Kohlscheider Straße angeschlossen wird, gelöst werden. Deshalb haben die Bezirksvertretung Richterich und der Planungsausschuss erst im Dezember letzten Jahres grünes Licht für die weitere Planung des ersten Bauabschnittes „Vetschauer Weg, Süd“ mit 188 Wohneinheiten gegeben.

Die Planer haben sich hohe Ziele gesteckt. Gertrude Helm, Abteilungsleiterin Stadterneuerung und Stadtgestaltung: „Es ist ein ungewöhnlich großes Gebiet mit hohem Flächenverbrauch. Deshalb müssen wir es besonders gut machen.“ Entstehen sollen – je zur Hälfte – nicht nur schmucke Häuser für Betuchte, sondern auch Wohnraum für junge Familien oder Menschen mit durchschnittlichen Einkommen. Eines der Leitthemen ist etwa der Klimaschutz. Alle Gebäude werden zum Beispiel nach Süden ausgerichtet, der Energieverbrauch soll gegen Null gehen, das Regenwasser komplett aufgefangen und in die Gestaltung der Grünzonen integriert werden.

Autos sind im Richtericher Dell übrigens nicht verpönt, aber auch nicht unbedingt erwünscht. Planungsdezernentin Nacken: „Wer ohne Auto leben will, soll die Möglichkeit dazu bekommen.“ Elektroautos nennt sie in diesem Zusammenhang, auch das Car-Sharing. Und: Eine Haltestelle für die Euregiobahn soll angelegt werden, relativ nahe am Richtericher Dell und wahrscheinlich an der Stelle des alten Bahnhofs in Richterich. Aber auch das ist noch Zukunftsmusik und kann nicht vor 2016 erfolgen.

Vermieden werden sollen die Fehler alter Stadtplanung, etwa in Steppenberg. Die Infrastruktur soll nämlich diesmal mitgeplant werden, etwa eine Kindertagesstätte oder eine Platz für Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen. Planerin Helm: „Wir wollen einen gesunden Stadtteil schaffen.“ Deshalb sollen die baulichen Einheiten, neudeutsch in Cluster unterteilt, in überschaubare Größenordnungen von 30 bis 40 Wohneinheiten um einen Innenhof gruppiert werden, der als grüner Treffpunkt dienen soll und in dem Kinder spielen können – die Entwicklung erfolgt abschnittsweise. Projektleiterin Annika Kubbilun: „Wir wollen, dass sich die Nachbarn als Nachbarn begreifen.“

Jung und Alt sollen in Richtericher Dell mit- und nebeneinander wohnen, so wird nicht nur die Kindertagesstätte geplant, sondern werden auch viele barrierefreie Wohnungen angelegt. An denen besteht nämlich Mangel im vergreisenden Richterich. Details wie Materialwahl sind allerdings späteren Planungsschritten vorbehalten. Vorgesehen sind Reihen- und Kettenhäuser, Einzel- und Doppelhäuser mit Wohnungen in verschiedenen Zuschnitten und Größen – für jeden Bedarf etwas. Vor allem an der Horbacher Straße sollen Mehrfamilienhäuser (mit Läden) bis zu drei Geschossen entstehen, am Vetschauer Weg nimmt man die Bebauung auf der anderen Straßenseite mit maximal zwei Geschossen auf.

Keine Probleme

Nach der ersten Bürgerbeteiligung wird wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres eine zweite stattfinden, wenn ein zweiter, genauerer Entwurf vorgelegt wird und die Politik die entsprechenden Beschlüsse trifft. Ende 2014, schätzt Dezernentin Nacken, kann der Satzungsbeschluss erfolgen, erst danach kann die Erschließung des Areals beginnen und können die ersten Grundstücke verkauft werden (voraussichtlich 2016). „Ich glaube, dass wir mit der Vermarktung keine Probleme haben werden.“ Der Baustellenverkehr soll komplett über die Straße zum Grenzübergang Vetschau abgewickelt und nicht durch Alt-Richerich geführt werden.

Die Stadt hat die benötigten Liegenschaften vor geraumer Zeit günstig kaufen können, deshalb kann sie jetzt auch dafür sorgen, dass der gewünschte Siedlungs- und Wohnungsmix erfolgt. „Wir haben Sonderkonditionen für sozialen Wohnungsbau und können Investoren suchen, die so bauen, wie wir das wünschen“, erklärt die Planungsdezernentin. Überhaupt wolle man bei der Verwirklichung den Gemeinschaftsgedanken wiederbeleben, etwa in Form von Baugenossenschaften.

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