Aachen - Rettungsdienste und Telenotärzte: Die anfängliche Skepsis ist längst verflogen

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Rettungsdienste und Telenotärzte: Die anfängliche Skepsis ist längst verflogen

Von: Rolf Hohl
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Jürgen Wolff, Leiter der Aachener Berufsfeuerwehr (l.), und Stefan Beckers, Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Aachen, sind davon überzeugt, dass sich die Telenotärzte in Aachen etabliert haben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist verständlich, dass einigen anfangs nicht ganz wohl bei der Sache war. Als im April 2014 die Berufsfeuerwehr Aachen den Telenotarzt für die Rettungsdienste einführte, war sie die erste Organisation in Deutschland, die diesen Schritt wagte.

Drei Jahre und mehr als 10.000 Einsätze später zogen die Verantwortlichen und die medizinischen Helfer aber eine durchwegs positive Bilanz beim „Anwendertag Telenotarzt“. Dazu hatte am Donnerstag die Firma P3 Telehealthcare eingeladen, die den telemedizinischen Dienst in Aachen betreibt.

Eine Demonstration vor Publikum machte dabei deutlich, inwieweit sich Rettungseinsätze durch den Einsatz von Telenotärzten verändern. So ist nicht mehr in jedem Fall ein Notarzt physisch vor Ort, sondern wird über Funk aus der Zentrale zugeschaltet. Dort hat der diensthabende Arzt Zugriff auf sämtliche Gesundheitsdaten und kann beispielsweise bei Vergiftungen bereits Recherche betreiben und die Retter vor Ort über Kopfhörer beraten. Der Notarzt bestimmt aus der Distanz auch über die verabreichten Medikamente – und trägt die rechtliche Gesamtverantwortung für den Einsatz.

System wurde angenommen

Was sich waghalsig anhört, scheint sich in der Praxis zu bewähren. „Der Telenotarzt wurde hier schnell angenommen, als die Retter merkten, dass auch sie davon profitieren“, sagte Jürgen Wolff, Leiter der Aachener Berufsfeuerwehr. Er rechne damit, dass das System in den kommenden zehn Jahren im ganzen Bundesgebiet Anwendung finden werde. Auch der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Aachen, Stefan Beckers, sah durchaus positive Effekte durch den Telenotarzt. 2016 habe man damit erstmals wieder leicht rückläufige Einsatzzahlen und kürzere Eintreffzeiten erreicht. „Aber es wird trotz allem immer Situationen geben, bei denen ein Notarzt mit seinen Fähigkeiten vor Ort sein muss“, betonte er.

Eingesetzt wird das System mittlerweile auch am anderen Ende von Deutschland – in Mecklenburg-Vorpommern. Dort hat der Rettungsdienst Vorpommern-Greifswald ebenfalls den Telenotarzt eingeführt, jedoch weniger aus Freude an der Tüftelei, sondern aus der puren Notwendigkeit heraus.

„Bei einem so großen Einsatzgebiet und dünner Einwohnerdichte sind wir mit der Erweiterung von Notarzt-Standorten einfach an die Grenzen des Machbaren gestoßen“, berichtete deren ärztlicher Leiter, Lutz Fischer. Seit Ende Oktober arbeite man dort nun mit Telenotärzten, und nach rund 130 Einsätzen sei die Bilanz „beeindruckend“. Auch der Nachbarkreis Vorpommern-Rügen – ebenfalls nicht für kurze Wege bekannt – habe bereits Interesse bekundet.

In andere Regionen übertragbar

Gerade jüngere Beispiele zeigten, dass das System nicht nur in Aachen funktioniere, sondern auch in andere Regionen übertragbar sei, wie der Geschäftsführer von P3 Telehealthcare, Michael Tobias, sagte. Für weitläufige Gebiete mit wenigen Ärzten könne der Telenotarzt zumindest einige Abhilfe schaffen. Entscheidend wird auf lange Sicht sein, ob die Technik auch anderswo von den Rettern und nicht zuletzt von den Patienten angenommen wird.

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