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Rettung eines 15-Jährigen: Für Lina und Julia ist Mama eine Heldin

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Hilfe in höchster Not: Auf dem Weiher sieht man noch die Spur, die sich Retterin Susen Meier durch das Eis bahnte. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Eigentlich wäre Susen Meier gar nicht da gewesen. Ein verlängertes Wochenende in Bayern hatte sie geplant, ein paar Tage Urlaub im Schnee. Susen Meier war mit der Familie schon auf der Autobahn unterwegs. Dann liefen im Radio die Staumeldungen. Und sie kehrten um, zurück nach Hause, nach Richterich.

Eigentlich wollte Susen Meier nie mehr einen Hund haben. Ihre Töchter quengelten so lange, bis Tibet-Terrier Emma doch einziehen durfte. Deswegen blieb Susen Meier am Rosenmontag nicht zu Hause. Emma musste raus, und so ging sie gemeinsam mit ihrem Ehemann die übliche Gassi-Route. Die führt an dem kleinen Weiher hinter dem Sportplatz in Richterich vorbei.

Mit dem Hund aufs Eis

Letztlich war Susen Meier genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Kurz vor 17 Uhr kam ein atemloser älterer Mann auf sie zu gerannt. „Ich dachte zuerst: Der joggt aber komisch”, erinnert sich die 41-Jährige. Aber die Situation war ernst, das hatte Meier schnell erkannt. Mitten im Weiher kämpfte ein junger Mann um sein Leben.

Wie berichtet, hatte sich ein 15-Jähriger - allen Warnungen zum Trotz - mit seinem Hund auf den zugefrorenen Weiher gewagt. Das Eis trug die beiden nicht. Genau davor hatte Meier ihre eigenen Kinder immer gewarnt. „Meinen beiden Töchtern habe ich oft gesagt: Wenn ihr da einbrecht, hole ich euch nicht raus”, sagt sie.

Natürlich war das gelogen. Als sie den 15-Jährigen sah, überlegte sie nicht lange. Der atemlose ältere Herr forderte Meiers Mann noch auf, per Handy die Feuerwehr zu rufen, da stand Susen Meier schon am Ufer. Sie schlug das Eis weg und stieg ins Wasser. So kämpfte sie sich Stück für Stück zu dem jungen Mann durch. Die Spuren der Rettungsaktion sind noch vier Tage später erkennbar.

Angeschrien habe sie den 15-Jährigen. Halt dich fest! Konzentrier dich! Solche Sachen. „Ich habe gesehen, dass er nicht mehr konnte”, sagt Meier. Und irgendwie hat sie es geschafft, ihn an Land zu ziehen. Der Hund konnte sich allein ans Ufer retten. Dort nahm der ältere Herr den Jungen in Empfang, brachte ihn sofort nach Hause. Als die Feuerwehr den Weiher erreichte, fand sie nur noch eine nasse Retterin und ihren Ehemann. „Da kam eine Mannschaft, so was habe ich noch nie gesehen. Sogar ein Hubschrauber”, erinnert sich Meier.

Sie wurde in warme Decken gepackt. Dabei war ihr gar nicht kalt. „Ich war wohl vollgepumpt mit Adrenalin”, sagt die Frau aus Richterich. Das große Zittern kam am Abend. Plötzlich sei sie „hypernervös” gewesen, vielleicht wurde Meier da bewusst, dass sie sich selbst in Lebensgefahr gebracht hatte. Sie sagt, sie würde es jederzeit wieder machen. Denn sie wäre froh, wenn jemand genauso handeln würde, falls ihre Kinder in einem Teich ums Überleben kämpften.

Gehört hat sie von dem 15-Jährigen seit Rosenmontag nichts mehr. Die gebürtige Mönchengladbacherin würde gern wissen, ob es dem Jungen gut geht. Große Dankesworte erwartet Susen Meier gar nicht. Sie findet, sie hat nur das getan, was jeder in dieser Situation getan hätte.

In warme Decken gepackt

Ihre beiden Töchter sehen das anders. Lina, neun Jahre alt, hat mit Wasserfarben und groben Strichen ein Bild gemalt, das die Szene auf dem Eis zeigt. Und gemeinsam mit ihrer elfjährigen Schwester Julia hat sie eine Lebensretter-Medaille gebastelt. Susen Meier hat sie sich verdient.
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