Reste eines römischen Badehauses: Beheizter Pool in zentraler Lage

Von: Werner Breuer
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Duo am Beckenrand: Stadtarchä
Duo am Beckenrand: Stadtarchäologe Andreas Schaub und Baudezernentin Gisela Nacken über den Resten eines römischen Badegebäudes am Markt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein Spaßbad? Andreas Schaub will nicht ausschließen, dass die alten Römer in diesem Bad ihren Spaß hatten. Sicher weiß der Aachener Stadtarchäologe bislang nur, dass seinerzeit am Markt gebadet wurde. Schließen kann er das aus ein paar Mauerresten, die er dort ausgebuddelt hat.

Schaub erledigt momentan einen Teil der Erdarbeiten bei der Kanalsanierung im Bereich Katschhof und Markt. Als eingetragenes Denkmal sei diese Ecke besonders geschützt, sagt der Stadtarchäologe. Deshalb gräbt er selbst, damit nicht wertvolle Funde versehentlich in der Baggerschaufel landen. Wie zum Beispiel dieser alte Estrich in etwa 2,50 Metern Tiefe. „Das ist Kalkmörtel”, erklärt der Fachmann, „und daneben das sind die Reste des alten Ziegeldachs.”

Aus solchem Bauschutt kann der Stadtarchäologe die schönsten Geschichten herauslesen. Da erkennt er zum Beispiel Spuren einer antiken Fußbodenheizung, von zeitgenössischen Klempnern „Hypokaustum” genannt. In Verbindung mit einem Wulst im Mauerwerk legt das für Schaub den Schluss nahe, dass er es mit den Resten eines beheizten Pools zu tun hat. „Es war wohl ein römisches Badegebäude”, glaubt er.

Für Badezimmer zu groß

Aufgrund der Spurenlage kann er nämlich erkennen, dass dieses Wasserbecken in einem rund fünf Meter langen Raum untergebracht war. „Für ein privates Badezimmer wäre das ziemlich groß”, meint Schaub. Auch die Lage spricht gegen die Annahme, es könnte sich um die üppig dimensionierte Nasszelle eines luxuriösen Wohnhauses handeln. „Wir sind hier direkt an der Jakobstraße”, erklärt der Archäologe, „das war damals die Hauptstraße.”

Besserverdienende Römer hätten sich vermutlich ebenso in einer ruhigeren Wohngegend angesiedelt wie heute die besserverdienenden Aachener.

Schaub geht deshalb von einer öffentlichen Badeanstalt aus, nicht zu verwechseln mit einem Thermalbad. Solche gab es am Büchel und in Burtscheid, zudem die Münstertherme unter dem Dom. „Die Quellen liegen tiefer”, sagt Schaub. Markt und Jakobstraße hingegen liegen hoch oben - und Schaub will herauskriegen, wie sie auf diese Höhe gekommen sind. „Wir wollen wissen, auf welchem Niveau die Karolinger gelebt haben”, so der Stadtarchäologe.

Es dürfte wohl niedriger gewesen sein als das heutige. „Man hat sich sukzessive hochgewohnt”, erklärt Andreas Schaub die Stadtentwicklung der vergangenen Jahrhunderte. Wenn alte Gebäude in Trümmer fielen, wurden von den Nachfahren auf ihrem Schutt neue Häuser gebaut. Und so stehen heute die Bauten am Markt auf einem Trümmerhaufen, der ein Stückchen höher ist als zu Zeiten der römischen Badeanstalt.

Deren Eröffnung datiert der Stadtarchäologe auf die Zeit um 100 nach Christus, ihr Ende auf die Jahre zwischen 270 und 275. Aus dieser Zeit hat er alte Münzen in den Trümmern („Zerstörungsschicht”) gefunden. Außerdem wisse man durch antike Schriftsteller von Übergriffen rechtsrheinischer Germanen auf linksrheinische Gebiete, erklärt Andreas Schaub. Und diese Typen haben vermutlich das Bad geplündert.

Schaub wird noch weiterbuddeln und sehen, was der Schutt noch alles zu erzählen hat. Nach Abschluss der Kanalsanierung wird dann alles wieder zugeschüttet. Man wohnt ja jetzt höher.
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