Aachen - Repair Café: Neues Leben für den alten Mixer

Repair Café: Neues Leben für den alten Mixer

Von: Christopher Gerards
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Aachen. Ein Info-Zettel sagt: „Wegwerfen? Denkste!“, und so ähnlich haben sich das auch die Eheleute Steinke gedacht. Sie haben ihren Mixer zum „Repair Café“ geschleppt. Ein Geschenk zum runden Geburtstag, 600 Euro teuer, sagt Otto Steinke. Seine Frau Marlies hat das Gerät selten benutzt, aber vor zwei, drei Jahren, da hat sie einen Kuchen backen wollen, und etwas ist schiefgelaufen.

Jetzt klemmt der Mixer. „Eigentlich schade“, sagt Frau Steinke. Ans Wegschmeißen hat sie aber nie gedacht, bei dem Preis. Einschicken wollte die 77-Jährige den Mixer ebenfalls nicht.

Deshalb ist sie jetzt hier. In Aachen, in der Martinstraße, am Samstagnachmittag: Beim elften „Repair Café“ soll lädierten Gegenständen neues Leben eingehaucht werden. Durch das Zuhause des Vereins „Digitales Aachen“ schwirren Begriffe wie „Hochspannungsbereich“, „Transformator“ und „Magnetfelder“; auf den Tischen liegen Staubsauger, Drucker und Radios; und wer mag, bekommt ein Käffchen oder ein Stück Streuselkuchen.

Die Besucher berichten von Back-Unfällen und Pannen nach dem Staubsaugen – und davon, warum sie ihre Geräte nicht einfach weggeschmissen haben. Er begreife eine solche Veranstaltung auch als „Kritik an der Wegwerfgesellschaft“, sagt Jan Simons, 32, Diplom-Physiker, Vorsitzender von „Digitales Aachen“ und nach eigenen Angaben „von klein auf“ technikaffin.

Die Idee „Repair Café“ stamme aus den Niederlanden, von wo sie in Deutschland zunächst nach Köln gekommen sei und dann nach Aachen. Die Besucher sollten ihre Gegenstände bei einem „Repair Café“ grundsätzlich selbst reparieren. Simons sagt: „Wir sind kein Reparaturservice. Es geht nicht, dass jemand etwas abgibt und sagt: macht mal.“ Der Verein stelle – in der Regel ein Mal pro Monat – den Ort bereit und das Werkzeug.

Und die Vereinsmitglieder packen auch selbst mit an. Die Besucher müssen für den Service kein Geld zahlen, können aber spenden. Ziel sei es, Wissen zu vermitteln, so dass die Menschen sich „selbst ran trauen“. Der „Respekt vor der Maschine“ solle gebrochen werden, „damit die Leute mündiger werden“. Den Mixer der Steinkes bearbeitet Simons selbst. Ein Haken ist Schuld, zu kantig. Simons schleift ihn zurecht. Es dauert ein bisschen, aber dann surrt die Maschine wieder, hoch bis Stufe zehn. Frau Steinke lächelt.

Erfolgsquote von 50 Prozent

Es ist nicht so, dass in einem „Repair Café“ jede Reparatur gelänge, sagt Simons. Die Erfolgsquote der Reparaturen liege bei über 50 Prozent. „Was nicht gut geht, sind etwa abgebrochene Strombuchsen“, oder Geräte, für deren Reparatur man „Spezialwerkzeug braucht, wie einen Mikroskoptisch“. Tja, und einmal, da habe irgendwo in Deutschland jemand einen Röntgenapparat angeschleppt, sagt Vereinsmitglied Jacek Wisniowski. Geht natürlich auch nicht.

„Schreiben Sie das ruhig: Mein Mann lernt hier auch noch was dazu“, sagt an einem Tisch Inge Wilke. Mehr als zehn Jahre arbeitet sie mit ihrem blauen Staubsauger, aber seit vergangener Woche wickelt sich das Kabel nicht mehr auf. Ihr Mann ist Elektro-Techniker, er habe sich das Gerät mal angeschaut, aber reparieren wollte er es nicht. Ist auch ein schwieriger Fall. Walter Dressen, Mathematik- und Physik-Lehrer im Ruhestand und freiwilliger Helfer, kämpft jetzt mit dem Ding. Weil es aber spät wird und Dressen nur langsam zur Quelle des Übels vordringt, vertagen Frau Wilke und Herr Dressen die Reparatur auf das kommende Treffen.

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