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Rentnerin fühlt sich durch Modernisierung unter Druck gesetzt

Von: Heiner Hautermans
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Das Haus an der Oppenhoffallee liegt in bevorzugter Wohngegend. Eine Modernisierung war lange Zeit unterblieben.
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Elvira Wetzel ist hörgeschädigt und hat seit Monaten Ärger mit ihrem neuen Vermieter. Sie hat einen Rechtsanwalt und den Mieterschutzbund eingeschaltet. Foto: Harald Krömer

Aachen. Bezahlbarer Wohnraum in Aachen wird immer knapper, weil immer mehr Einheiten aus der Sozialbindung fallen. Diese Tatsache ist ebenso betrüblich wie bekannt.

Elvira Wetzel schildert in ihrem Schreiben an die Redaktion eine weitere Ursache: „Zusätzlich fällt preiswerter Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen durch Eigentümerwechsel und/oder Sanierung weg. Ich bin 67 Jahre und zu 80 Prozent schwerbehindert. Seit 12 Jahren wohne ich in einer 50 Quadratmeter großen Wohnung im Frankenberger Viertel, für die ich 320 Euro inklusive Nebenkosten zahle. Eine Summe, die ich mir gerade so leisten kann.“

Anfang des Jahres sei jedoch das Wohnhaus an eine Bauträgergesellschaft verkauft worden. Der Geschäftsführer kündigte der Mietergemeinschaft umfangreiche Umbaupläne an, und es dauerte kaum drei Monate, bis er den Mietern den Auszug nahelegte. Nachdem anfänglich die Gespräche noch in angenehmer Atmosphäre verlaufen seien, sei dann versucht worden, ihnen den Auszug durch die Zusendung diverser Angebote schmackhaft zu machen.

Doch dann sei kurz darauf die Zwangsräumung der zusätzlich angemieteten Dachkammern erfolgt und dort mit dem Umbau begonnen worden. Die darin stehenden Möbel seien den Mietern einfach vor die Wohnungstüre gestellt worden, die Handwerker zapften die dort liegenden Steckdosen an.

Schutt und Dachziegel

Von April an sei der Flur mit Schutt, Dachziegeln und Baumaterial vollgestellt wurden: „Das Treppenhaus war wochenlang eine Baustelle.“ Im Keller hingen Kabel des Hauptsicherungskastens lose herunter – „lebensgefährlich“. Irgendwann war die Wäscheleine im Keller durchtrennt, die Wäsche lag auf dem Boden. „Der Druck wurde im Verlauf diesen Jahres derart erhöht, dass ich mittlerweile allein im Haus zurückgeblieben bin, da meine beiden Nachbarinnen aufgegeben haben und ausgezogen sind. Dieser Umstand ist für mich besonders beängstigend“, schreibt Elvira Wetzel weiter. Sie habe ja gar nichts dagegen, dass das Haus renoviert werde, könne aber eine Verdoppelung der Miete nicht bezahlen. „Es muss ja auch für mich einen Platz geben. Jeder hat ein Grundrecht auf bezahlbaren Wohnraum.“

„Alles voller Staub“

Auch die beiden ehemaligen Mitbewohnerinnen bestätigen, dass sie sich unter Druck gesetzt fühlten. „Alles war voller Staub, auch in den Wohnungen und in den Klamotten. Meine Ärztin meinte, dass mein Asthma zurückkommt“, sagt eine Ex-Mieterin, die bald darauf in eine andere Wohnung umzog.

Die andere Frau schildert, dass sie eigentlich in dem Haus an der Oppenhoffallee ihren Lebensabend verbringen wollte, was ihr von dem Vorbesitzer auch zugesagt worden sei. Sie zog aus, nachdem ihr die Kosten für den Einbau eines Bads erstattet wurden: „Ich habe von dem Geschäftsführer gehört, dass er alle rauskriegt.“

Elvira Wetzel, sicherlich kein Einzelfall, wandte sich hilfesuchend an den Mieterschutzbund, wo Rechtsanwältin Cornelia Schmidt Röhling bestätigt, dass es sich in der Art des Vorgehens mit einem Komplettausbau eher um eine Ausnahme handele, die aber in „recht rücksichtsloser Weise“ vorgenommen worden sei.

„Eine Modernisierung muss in schonender Weise erfolgen, das ist hier nicht der Fall gewesen.“ Sicherlich sei eine Haussanierung grundsätzlich zu begrüßen und „immer eine Gratwanderung“, aber die Interessen der Bewohner müssten ebenfalls berücksichtigt werden: „Die Nutzung der Wohnung muss gewährleistet bleiben.“

Der Rechtsanwalt der Bauträgergesellschaft, von dem befragten Geschäftsführer eingeschaltet, zeigte sich verwundert, weil in den Korrespondenzen, die er in dieser Sache geführt habe, nie von „ruppigen Methoden oder Auszugsdruck“ die Rede gewesen sei.

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