Radarfallen Blitzen Freisteller

Rentner beschuldigt Verwandtenzu Unrecht der Pädophilie

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:

Aachen. „Dass jemand mit derartiger Dreistigkeit und Intensität vorgeht, hat man auch nicht alle Tage”, äußert sich Oberstaatsanwalt Robert Deller am Freitag mittelprächtig entsetzt über eine Familienfehde, in deren Verlauf vor gut drei Monaten ein 62-Jähriger den Mann seiner Nichte zu Unrecht der Pädophilie beschuldigt haben soll.

Der Verfasser übler Flugblätter habe die Straftat zugegeben, gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung. Der Strafrahmen in diesem Fall reicht laut Deller von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug.

Der 62-jährige Rentner soll demnach zahlreiche Flugblätter hergestellt haben, auf denen der 48-Jährige abgelichtet war und mit vollem Namen, Adresse und Arbeitgeber genannt wurde. Besonders Kinder und Jugendliche in Eilendorfer Sportvereinen seien in Gefahr,. „Letzter Warnschuss”, hieß es in dem ersten von zwei Pamphleten.

Diese Flugblätter wurden in der Nachbarschaft und vor dem Arbeitgeber des Opfers aufgehängt und verteilt, eins landete auch, anonym abgeschickt, in der Redaktion der „Nachrichten”. Die Redaktion recherchierte, nun sind die Hintergründe des ungewöhnlichen Falles geklärt.

Das sei so richtig, teilte Oberstaatsanwalt Robert Deller, ein Strafverfolger mit langjähriger Erfahrung, am Freitag mit: „Der Verfasser hat eingestanden, dass er die Vorwürfe zu Unrecht erhoben hat.”

Hintergrund seien langjährige erbrechtliche Auseinandersetzungen, der 62-Jährige ist der Onkel von der Ehefrau des Opfers. Es habe eine ganze Reihe von Hinweisen gegeben, dass die massiven Anschuldigungen des Kindesmissbrauchs falsch gewesen seien und dass er die Flugblätter bei verschiedenen Gelegenheiten verteilt und aufgehängt habe.

So seien auch Computer und Datenträger des 62-Jährigen beschlagnahmt worden. Oberstaatsanwalt Deller: „Die werden zurzeit noch ausgewertet. Es gibt keinen Grund, an seinen Angaben zu zweifeln.”

Schließlich seien erhebliche Anstrengungen unternommen worden, um den Verwandten in seinem Umfeld zu diskreditieren. „Jeder, der in diesem Bereich wohnhaft ist, wird ihn gekannt haben. Man muss sich einmal in die Lage desjenigen versetzen, der zu Unrecht derartiger hässlicher Taten beschuldigt wird. So etwas kann man nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen.”

Besonders ärgert den Strafverfolger, dass auf dem Flugblatt auch seine Behörde in ein falsches Licht gerückt wurde: „Leider wurde die Staatsanwaltschaft nicht aktiv, aber das ist bei solchen Tätern oft der Fall oder üblich”, heißt es unten auf der Vorderseite. „Das ist blanker Unsinn und - wie sich im Nachhinein zeigt, völlig aus der Luft gegriffen”, sagt der Oberstaatsanwalt weiter.

Viel Erfahrung

Gerade in diesem sensiblen Bereich seien Staatsanwältinnen tätig, die über viel Erfahrung und Engagement verfügten. Es handele sich um eine Straftat heftigerer Natur, und die Anklagebehörde sei weit davon entfernt, diese Tat zu bagatellisieren.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert