Reizthema G8: Schulministerin am Couven-Gymnasium

Von: Margot Gasper
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Klare Worte zu G 8: Schulminis
Klare Worte zu G 8: Schulministerin Syliva Löhrmann stellte sich am Couven-Gymnasium den Fragen von Eltern, Lehrern und Foto: Imago/Rainer Unkel

Aachen. Das Schlagwort G8 hat auch fast sechs Jahre nach der Einführung der verkürzten Gymnasialzeit noch das Zeug zum Aufreger. Die Pioniere der achtjährigen Gymnasialzeit sind jetzt schon in der Oberstufe, aber Eltern, Lehrer und Schüler können sich immer noch die Köpfe heiß reden über vollgepackte Stundenpläne, lange Unterrichtstage oder die Last mit den Hausaufgaben.

Umso erfreuter war die Schulgemeinschaft am Couven-Gymnasium, dass Schulministerin Sylvia Löhrmann ihre Einladung nach Aachen angenommen hatte und sich anderthalb Stunden Zeit nahm, um an der Lütticher Straße über G8 zu diskutieren - und darüber, was man verbessern kann.

SPD und Grüne haben das ungeliebte Projekt von der schwarz-gelben Vorgängerregierung in NRW übernommen. „Es ist ein geerbtes Thema”, erklärte Löhrmann, „wir hatten andere Vorstellungen. Aber wir alle müssen die Uhr nun reparieren, während sie tickt.” Als Kern des Problems wird allgemein die Reduzierung der Sekundarstufe I auf fünf Jahre wahrgenommen und die damit verbundene Stofffülle.

Eine Optimierung in sieben Handlungsfeldern hatte die grüne Schulministerin bereits Ende 2010 angekündigt. Hausaufgaben und Lehrpläne gehören dazu, Schulorganisation oder Ganztag. Manches ist aber offenbar noch in der Entwicklung, denn allzu viel Konkretes erfuhren Eltern, Schüler, Lehrer, Politiker und Vertreter der Stadt nicht. „Es kann nicht von heute auf morgen ausgemerzt werden, was vorher verbockt worden ist”, merkte Löhrmann an.

Schülersprecherin Inés Rogge brachte die Arbeitsbelastung gerade für die unteren Jahrgänge aufs Tapet. Ein Sechstklässler im G8 habe „viele lange Tage” und danach oft genug noch reichlich Hausaufgaben zu erledigen. Zeit für Hobbys bleibe häufig nicht.

Hausaufgaben, beklagte Rogge, „werden oft genutzt, um den Unterricht zu Ende zu bringen”. Und das geht so nicht, betonte die Schulministerin. Im NRW-Hausaufgabenerlass stehe ausdrücklich, dass Hausaufgaben nicht zur Verlängerung des Unterrichts dienen dürfen: „Übungs- und Vertiefungsaufgaben sollen im Unterricht stattfinden.” Löhrmann sieht hier auch jedes einzelne Gymnasium gefordert, systematisch am Thema Hausaufgaben zu arbeiten, um zu einem stimmigen und auch für jeden Lehrer verbindlichen Gesamtkonzept zu kommen.

Schulleiter Günther Sonnen erläuterte den G8-Druck am Beispiel der Ergänzungsstunden. Diese Stunden sind eigentlich zu individuellen Förderung vorgesehen. Am Couven gehen sie aber fast zur Gänze dafür drauf, den enormen Stoffdruck auszugleichen; in Klasse 5 zum Beispiel, um alle Kinder in Kernfächern wie Englisch oder Mathematik auf den gleichen Stand zu bringen, in Klasse 6 zum Beispiel, um die Kinder beim Start in die zweite Fremdsprache zu unterstützen. „Wir brauchen mehr Ressourcen”, forderte Sonnen.

„Frei werdende Mittel bleiben im System”, versicherte die Schulministerin. Da die Schülerzahlen in den nächsten Jahren massiv zurückgehen, werden Lehrerstunden frei. Allerdings hält Löhrmann nichts davon, mit diesem „Demografie-Gewinn” die Klassen überall ein wenig zu verkleinern. „Ein Kind weniger pro Klasse, das verändert nichts. Das würde lediglich das Geld aufbrauchen.” Stattdessen denkt man im Ministerium über eine Verteilung nach, die am Sozialindex orientiert ist. Davon würden vor allem Schulen profitieren, die unter schwierigen Bedingungen, etwa in sozialen Brennpunkten, arbeiten.

Eine klare Absage erteilte Löhrmann auch dem Vorschlag des Schulleiters, jeder Schule doch ihren eigenen Demografie-Gewinn zu überlassen.

Ein großes Thema in der Debatte um die G8-Optimierung war der Ganztag. Schulen, die den gebundenen Ganztag mit Pflicht-Unterricht an mindestens drei Nachmittagen einführen, erhalten einen 20-prozentigen Stellenzuschlag. Diese Ressourcen würde man sich am Couven natürlich auch wünschen. Der verpflichtende Ganztag aber ist, wie an vielen Gymnasien, umstritten. Elternvertreter wünschen sich zwar dringend mehr Lehrerstunden, um den Unterricht zu entzerren, den Ganztag würden sie aber lieber in ein freiwilliges Modell packen. „Lassen Sie die Schulen von der Leine”, forderte Schulpflegschaftsvorsitzende Susanne Hollmann. Die Schulministerin allerdings beschied klipp und klar: „Den 20-prozentigen Lehrerzuschlag ohne den gebundenen Ganztag gibt es nicht.”

Löhrmann hält auch nichts von der Idee, an Gymnasien Ganztags- und Halbtagszüge nebeneinander zu installieren. Die FDP hatte diese Idee in die landespolitische Diskussion eingebracht. „Ich rate von so einer Zügigkeit ab”, erklärte Löhrmann. Wenn die einen mittags nach Hause gingen und die anderen bleiben müssten, habe das keinen guten Einfluss auf die Atmosphäre an einer Schule, befürchtet sie.

„Bilden Sie Allianzen!”

So ganz konnte die Ministerin die Abneigung gegen den verpflichtenden Ganztag ohnehin nicht verstehen: „Bei 34 Wochenstunden haben Sie doch sowieso schon Unterricht an drei Nachmittagen.”

Ans Couven-Gymnasium und die anderen Gymnasien im Land appellierte Löhrmann, den eigenen Entwicklungsauftrag ernstzunehmen. Ihr Rat: „Bilden Sie Allianzen, schaffen Sie Schübe von unten!” Günther Sonnen will diesen Aufruf zur Vernetzung sehr ernst nehmen. Mit den Kollegen von St. Leonhard hat er schon einen Austausch vereinbart: über die Gestaltung des Ganztags über die Rhythmisierung des Schulalltags.
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