Reha-Klinik in Burtscheid: 54 Stellen fallen weg

Von: Heiner Hautermans
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Mit ganztägigen Warnstreiks verleihen die Mitarbeiter des Schwertbads ihren Forderungen seit zwei Monaten Nachdruck. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Im Burtscheider Kurgebiet zeichnen sich große Veränderungen ab: Schwertbad und Rheumaklinik werden zusammengelegt. Dafür wird ein Neubau errichtet, der 35 Millionen Euro kosten wird und bis 2017 fertiggestellt sein soll. Das neue Haus soll 229 Betten erhalten, 180 Vollzeitstellen werden geschaffen.

Das bedeutet, dass von den vorhandenen Stellen 54 Vollzeitkräfte „keine Verwendung mehr finden“, bestätigte am DienstagHeribert Frieling, Leiter der Unternehmenskommunikation der Marienhaus Holding.

Für diese Mitarbeiter sollen Arbeitsplätze in anderen Einrichtungen des katholischen Gesundheits- und Sozialkonzerns im Raum Aachen gefunden werden, etwa im Franziskuskrankenhaus oder dem Franziskus-Seniorenzentrum in Würselen. Dort sollen sie nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bezahlt werden, während die 180 Mitarbeiter, die in dem neuen Burtscheider Haus arbeiten, freiwillig auf 20 Prozent dieser TVöD-Konditionen verzichten sollen.

Das tun die Mitarbeiter des Schwertbads und der Schwertbad-Ambulanz schon seit vielen Jahren, sie kämpfen gerade dafür, die Tarifsätze zu erreichen. Diese Forderung nach tarifgerechter Bezahlung soll fallengelassen werden, wurde in einer Mitarbeiterversammlung von Arbeitgeberseite erklärt. Und auch Mitarbeiter der Rheumaklinik müssten auf 20 Prozent ihres Gehalts verzichten.

Auch Vorruhestandslösungen seien denkbar, sagte Kommunikationschef Frieling im Gespräch mit den „Nachrichten“, außerdem solle die natürliche Fluktuation genutzt werden. „Wir werden mit jedem Mitarbeiter Einzelgespräche über eine individuelle Lösung führen.“ Das Zukunftskonzept sei in Workshops mit Betriebsräten und Verdi erarbeitet worden. „Der Träger hat Vertrauen in den Standort Burtscheid“, betonte Frieling weiter.

Ausgerichtet wird die neue Klinik auf Patienten mit orthopädischen und rheumatologischen Indikationen sowie psychosomatischen Krankheitsbildern. Wo sich der Neubau befinden wird, stehe noch nicht fest: „Wir haben noch keinen Bauplatz gekauft. Wir versuchen aber, in Burtscheid zu bleiben.“

Bei Verdi-Sekretär Harald Meyer stoßen die Pläne naturgemäß nur begrenzt auf Zustimmung: „Der Arbeitgeber trägt die Verantwortung für Fehler in der Vergangenheit und gibt dies auch zu – persönliche Konsequenzen aber sollen dafür nur die Beschäftigten tragen.“ Der Gewerkschafter betont, dass die Umstrukturierungen nicht vorgenommen würden, weil Verdi die Anwendung des Tarifvertrages fordert. „Ohne die laufenden Tarifverhandlungen und ohne unsere Forderung, die Karten auf den Tisch zu legen, wäre die derzeitige Transparenz gegenüber den Beschäftigten nicht unbedingt vorhanden gewesen.“

Meyer spricht sogar von einer Erpressung der Beschäftigten: „Verzicht auf faire Vergütung oder Jobverlust.“ Eine Vergütung von 20 Prozent unter Tarif sei keine angemessene Bezahlung, wie sie der Kodex des katholischen Kirchenrechts vorsehe, damit die Beschäftigten für sich und ihre Familien „in geziemender Weise“ sorgen können: „Mit einer Vergütung unter 20 Prozent kann man keine Familie ernähren.“

Deshalb solle niemand auf diese 20 Prozent des Gehalts verzichten und werde die Forderung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst für alle aufrechterhalten: „Der Arbeitgeber will die Kredite für die neue Einrichtung durch den Verzicht der Beschäftigten finanzieren.“

Verdi-Versammlung

Die schon geleisteten Beiträge der Arbeitnehmer (mehr als zwölf Jahre keine Lohnerhöhung im Schwertbad) fänden keine Berücksichtigung. Um die weitere Vorgehensweise abzustimmen, lädt Verdi seine Mitglieder zu einer Versammlung am Donnerstag, 27. Juni, um 19.30 Uhr im Verdi-Haus, Harscampstraße, ein.

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