Aachen - Regen, Regen, Regen: Und ein Ende ist nicht in Sicht

Regen, Regen, Regen: Und ein Ende ist nicht in Sicht

Von: Martina Feldhaus, Georg Dünnwald, Heiner Hautermans und Holger Richter
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Normalerweise tobt hier um die
Normalerweise tobt hier um diese Jahreszeit der Bär: Die Außenanlagen der gastronomischen Betriebe am Hof sind derzeit fast menschenleer. Das schlechte Wetter lässt die Umsätze drastisch sinken. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Selbst die Wetterfachfrau wirkt ein wenig verzweifelt. „Ich habe meinem Nachbarn schon gesagt, wenn ich einen Knopf fürs Wetter hätte, dann hätten wir schon längst einen schönen Sommer”, sagt Christine Penquitt von der Aachener Station des Deutschen Wetterdienstes.

Die Daten, die sie und ihre Kollegen in den Feldern vor Orsbach derzeit sammeln, bestätigen das, was die Öcher von Walheim bis Horbach in seltener Einigkeit ohnehin schon längst subjektiv festgestellt haben: „Et reänt!” Und usselig kalt ist es obendrein.

„Im Juli hatten wir bislang nur zwei Tage ohne Niederschlag”, bestätigt Christine Penquitt. „Es waren der 2. und 4. Juli.” In diesem Bereich lagen auch die beiden einzigen Sommertage des Monats. „Als Sommertage bezeichnen wir Tage mit einer Maximaltemperatur von mehr als 25 Grad”, erklärt die Meteorologin, „und das war am 4. und 5. Juli, an denen es 25,8 beziehungsweise 25,4 Grad warm war.”

Sommer gab es also wenig, Regen dafür umso mehr. „Seit dem 7. Juli hat es jeden Tag mindestens 5 Liter pro Quadratmeter geregnet”, hat der Deutsche Wetterdienst gemessen. Insgesamt sind im Juli bislang 64 Liter auf das Stadtgebiet geprasselt.

„Im gesamten Juli 2011 waren es nur 47,4 Liter, da sind wir also jetzt schon drüber.” Doch auch der Juli vor einem Jahr war nicht gerade ein Wonnemonat. „Es war ähnlich frisch wie derzeit und auch nicht wesentlich trockener”, fasst Christine Penquitt zusammen. Auch damals habe es nur zwei Sommertage mit mehr als 25 Grad und nur sechs Tage ohne Regen gegeben.

Der Blick zurück mag also ein wenig tröstlich sein, der Blick nach vorn ist es auf keinen Fall. „Der Sebenschläfer am 27. Juni scheint sich zu bewahrheiten.” Allerdings verlässt sich die Wetterfachfrau dabei nicht auf die Bauernregel „Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt”. Christine Penquitt schaut vielmehr in ihre Daten und erkennt: „In der Großwetterlage ist einfach kein Hoch zu erkennen.” Daraus schlussfolgert sie: „Es bleibt nass und um die 20 Grad.”

Das wird Yvonne Hogen nicht gerne hören. Denn die stellvertretende Vorsitzende der Kreisbauernschaft wartet sehnsüchtig auf Trockenheit. „Die Gerste muss vom Feld”, beschreibt sie die anstehenden Aufgaben der Aachener Landwirte, „gefolgt von Weizen und Raps”. Noch seien zwar keine Ernteausfälle zu beklagen, „aber mit jedem Regentag, werde es schlimmer. Wir stehen mit den Mähdreschern quasi bereit, können aber wegen des Regens nicht rausfahren.”

Und ein Tag Trockenheit reiche dazu auch gar nicht aus, weil der Boden ja durch und durch aufgeweicht sei. „Was wir brauchen, ist eine stabile trockene Wetterlage”, sagt Yvonne Hogen, „aber im Wetterbericht kommt ja nur ein Tief nach dem anderen. Das geht uns Landwirten schon an die Nerven.”

Des einen Leid, des anderen Freud. Es gibt auch Aachener, die von der nassen Witterung profitieren. „Das Geschäft läuft so gut wie sonst nie im Juli und August”, berichtet Katja Wahner, Geschäftsführerin der Schirmfabrik Brauer. „Die Leute lassen viele Schirme reparieren oder kaufen neue.” Die Schirmfabrik, die im November 130 Jahre alt wird, ist beheimatet am Zieglersteg im Gewerbegebiet Eilendorf-Süd, kehrt aber nach vielen Jahren zurück an die Jülicher Straße.

Etwa 300 Meter vom alten Domizil, dem jetzigen Ludwig-Forum, hat man ein Schirmatelier aufgemacht, das in den Sommermonaten in aller Ruhe renoviert und am 1. September offiziell eröffnet werden soll. Die Räumlichkeiten im Haus Jülicher Straße 51 sind schon geöffnet und werden derzeit von der Kundschaft gestürmt. Wahner: „Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir die Eröffnung jetzt schon gemacht.”

Bei den vielen anderen Geschäften in der Aachener Innenstadt sieht es etwas anders aus. Deren Türen sind zwar weit geöffnet, doch die einkaufswillige Kundschaft bleibt in diesen Tagen vielfach aus. „Bei dem schlechten Wetter ist die Kauflaune bei vielen nicht besonders groß”, sagt Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands. Schließlich wollten die Menschen bei einem Bummel im Sommer draußen auch einen Kaffee trinken oder Eis essen. „Das ist zur Zeit alles nicht drin.”

Wochenlanger Regen und niedrige Temperaturen - welche Auswirkungen das für dem Einzelhandel hat, kann Piana schon jetzt in Zahlen sagen. „Der Umsatz ist im ersten Halbjahr zwei Prozent niedriger als im Vorjahr.” Für die Monate Juli und August sind seine Erwartungen nicht viel besser. „Deshalb fängt der Sommerschlussverkauf schon an, bevor der Sommer überhaupt begonnen hat”, erklärt er. „Und auch die Herbstware ist bereits in den Geschäften.” Genau auf dieser Jahreszeit ruhen nun die Hoffnungen der Einzelhändler. „Es kann nur besser werden”.

Mit dieser Einstellung müssen sich wohl auch die Gastronomen in Aachen bei Laune halten. „Die Geschäfte gehen grausam”, sagt etwa Wirt Matthias Erforth. Das Wetter macht dem Patron des „Goldenen Schwan” auf dem Markt einen dicken Strich durch die Rechnung. Rund 1600 Euro bezahlt er monatlich an Miete für die Außengastronomie. Gegen 17 Uhr wagte er einen Blick nach draußen: „Genau 22 Leute sitzen draußen, die verteilen sich auf sechs Betriebe”, zählte er nach und beeilte sich, wieder nach drinnen ins Trockene zu kommen, denn wieder fielen dicke Tropfen vom Himmel.

„Draußen ist das Geschäft absolut defizitär”, weiß Erforth mit einem Blick in die Kasse. Um 15 Prozent sei der Umsatz zurückgegangen. „Das liegt aber nicht nur am Wetter.” Denn der Markt sei längst nicht mehr eine Eins-A-Lage für Restaurationsbetriebe. Der Grund: „Hier fällt alles in einen Dornröschenschlaf.” Die Stadt müsse Seit an Seit mit den Gastwirten stehen, um dem zu begegnen. „Kleinkunst würden wir beispielsweise gerne anbieten. Aber wir dürfen nicht.” Und es sei sicherlich nicht dem Markt abträglich, wenn wieder ein Cityliner seine Erreichbarkeit erleichtern würde.

Egal wie viele Busse in Richtung Freibad Hangeweiher fahren, Torsten Liebl würde es derzeit nicht helfen. „Trübe und leer”, das ist die Bilanz des Badleiters, die er im Augenblick täglich aufs Neue ziehen kann. „Lediglich die Frühschwimmer und Sportler kommen zu uns, ziehen ihre Bahnen, duschen und sind dann auch schon wieder verschwunden.” Kein Wunder. Denn bei kaltem Nieselregen lädt der Beckenrand nicht gerade zum Aufenthalt ein. Die Wiesen rundherum sind sowieso nass. Die logische Folge: „Das badende Volk bleibt gänzlich weg.”

Wie schlecht die Saison für Aachens einziges Freibad ist, zeigen die Zahlen. Noch im Mai kamen 15 774 Besucher, im Juni waren es nur noch 7644. Die erste Julihälfte hinkt mit 5190 Gästen hinterher. Der Vergleich zum - wettermäßig nicht viel angenehmeren -Vorjahr: Damals ging die Kurve von 16 077 (Mai) auf 19 962 (Juni) zunächst nach oben. Der Juli kam dann zwar auch nur auf knapp 11 00 Besucher.

Aber: „Seit unserer Datenerhebung 2007 waren die Monate Mai, Juni und Juli nie so miserabel wie in diesem Jahr”, sagt Björn Gürtler vom Presseamt.

Die Laune will sich Torsten Liebl trotz all dem nicht verderben lassen. „Am Wetter kann sowieso keiner was ändern. Wir hoffen einfach weiter auf wärmere Tage.” Und alle Öcher hoffen fleißig mit.
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