„Rausch“goldengel Tausendschönbegeistert mit Besoffenheitslyrik

Von: Peter Langohr
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Bereiteten einige vergnügliche Stunden: Frank Goosen, Wendelin Haverkamp, Nessi Tausendschön und Freddy Matulla. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Besucher, die am Wahlabend die neueste Ausgabe von !Au Banan, dem Kleinkunstspektakel im Dreiländereck, besuchten, haben mit Sicherheit die richtige Wahl getroffen. Auch diesmal erlebten die Zuschauer im Franz an der Franzstraße vergnügliche Stunden mit Wendelin Haverkamp und seinen Gästen, dabei wie immer begleitet von Freddy Matulla an den Keyboards.

Wenn je auf eine Künstlerin des Kabaretts das Attribut „Rampensau“ gepasst hat, dann auf Nessi Tausendschön. Von William McKenzie auf der Gitarre begleitet, reiht sie mit einer Stimme zwischen Samt und Edelstahl einen Höhepunkt an den anderen. Sie ist einfach ein Gesamtkunstwerk, bringt sie doch ihre Komik über Gesang, Sprache und tänzerische Bewegung gleichermaßen an den Mann. Der Saal tobt, wenn sie als ihr eigener Schutzengel auftritt, der „nur ein klissekl..., ein klisse-kleines..., ein klitzekleines Alkoholproblem“ hat und sich aufgrund dessen als „Rausch“goldengel outet, der sein Publikum mit „Besoffenheitslyrik“ erfreut. Hätte es an diesem Abend eine Punktwertung für den stärksten Applaus gegeben, wäre Nessi Tausendschön als Siegerin von der Bühne gegangen.

Frank Goosen, bekennender Fan und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Vfl Bochum, stellte zu Beginn seines Auftritts fest, er weile gerne in Städten, deren Fußballverein es noch schlechter gehe als dem Vfl – auch wenn es immer weniger würden. Er befasste sich mit den Ansichten Richard David Prechts – „Der wird immer genommen, wenn man einen Klugscheißer braucht.“ – zu fußballschauenden Männern, um zu konstatieren, der Philosoph habe zwar von der Materie keine Ahnung, aber immerhin gelte für ihn: „Du hast die Haare schön...“ Natürlich darf auch eine Anekdote über den Besuch in der Arroganz-Arena des FC Bayern nicht fehlen. Sehr erhellend seine Erfahrungen, die er als Trainer einer Bochumer D-Jugendmannschaft macht, deren Kicker an der Schwelle zur Pubertät stehen und für die Zuhören nicht als Primärqualifikation gilt, mit der Folge, dass sich bisweilen dadaeske Gesprächsformen entwickeln: Trainer: „Also, denkt dran, morgen 14 Uhr, hier bei uns auf dem Platz!“ Spieler: „Zuhause oder auswärts?“

Gewohnt souverän betrachtete Haverkamp das Geschehen aus der Perspektive des Westzipflers. In einem besonders engagierten Beitrag – immerhin ist er ja von Beruf Lehrer – zeigte er die Schwierigkeit auf, die absurde Diskrepanz zwischen immer kürzeren Ausbildungszeiten auf der einen Seite und einer immer längeren Lebenszeit auf der anderen Seite zu verstehen. Er appellierte daher an die Zuhörer: „Wir haben doch heute wirklich alle Zeit der Welt, um junge Leute wenigstens so lange zu erziehen, bis sie in der Lage sind fehlerfrei in ganzen Sätzen zu sprechen.“

Zeit ist dann auch sein Thema bei der Suche nach einer Lagerstätte für radioaktiven Müll. Da empfiehlt Haverkamp Gelassenheit: „Das Zeug strahlt doch noch Tausende von Jahren, was soll da die Hektik?“ Den Nerv des männlichen Publikums trifft er in besonderer Weise mit seinen Einlassungen auf den Vorwurf seiner schönen jungen Frau: „Du hörst mir nie zu!“

Wiederholung im Radio

Wer !Au Banan verpasst hat, die Highlights noch einmal erleben möchte oder auch nur sich selbst im Radio applaudieren hören möchte, der hat dazu am Samstag, 14. Juni, ab 15.05 Uhr auf WDR 5 in der „Unterhaltung am Wochenende“ Gelegenheit.

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