Aachen - Rauchverbot: Politiker müssen draußen bleiben

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Rauchverbot: Politiker müssen draußen bleiben

Von: Gerald Eimer
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Wer quarzen will, muss vor die Tür: Diese Regel kennt seit Mai keine Ausnahmen mehr. Betroffen ist davon unter anderem das Bistro Adler, dessen Wirts-Ehepaar mit einem Hausverbot gegen Vertreter der rot-grünen Landesregierung reagiert hat. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Gleich hinter dem Tresen im Bistro Adler hängt eine Karikatur: „Wo ist der Wirt?“, fragt ein Gast, der vor seinem leeren Glas in einer verwaisten Kneipe sitzt. „Draußen eine rauchen“, antwortet der andere frustriert.

„Das trifft es richtig gut“, findet Monika Behaj, die gemeinsam mit ihrem Mann seit vier Jahren die Schänke an der Wirichsbongardstraße betreibt und seit Einführung des verschärften Nichtraucherschutz-Gesetzes um die Kneipenkultur im Land bangt.

„Rauchen und trinken gehört für die meisten doch zusammen“, sagt sie. Dass die Landesregierung seit Anfang Mai alle rauchenden Gäste vor die Tür verbannt, kann sie nicht gutheißen – und das, obwohl sie selbst Nichtraucherin ist. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie sich daher den Protesten angeschlossen, die derzeit von vielen Wirten im ganzen Land gegen das Rauchverbot organisiert und vom Gaststätten-Dachverband Dehoga unterstützt werden. Das Bistro Adler gehörte zu den ersten Kneipen in Aachen, die zudem mit einem Hausverbot für rot-grüne Landtagsabgeordnete reagiert und entsprechende Plakate mit den Politikerköpfen ausgehängt hat.

So müssen also die drei Aachener Abgeordneten Karl Schultheis, Daniela Jansen (beide SPD) und Reiner Priggen (Grüne) bis auf weiteres woanders ihren Durst stillen. Angesichts der Vielzahl von Ausweichmöglichkeiten sei das aber noch „kein Verlust an Lebensqualität“, gibt sich Priggen gelassen. „Ich kenne noch einige Lokale, in die ich gerne gehe.“

Daniela Jansen findet die Plakate zwar „ein bisschen unangenehm“, will aber ebensowenig darauf reagieren wie Priggen. „Ich kann verstehen, wenn sich kleine Kneipen in ihren Rechten beschränkt fühlen“, sagt sie. Gleichwohl stehe sie „hundertprozentig“ hinter dem Gesetz, das bekanntlich vor allem Passivraucher vor gesundheitsschädlichem Tabakqualm schützen soll. Die vielen Ausnahmen, die es zuvor gegeben hat, seien für Ordnungskräfte schlicht nicht mehr handhabbar gewesen.

Priggen bezeichnet die bislang nur vereinzelt ausgesprochenen Hausverbote gegen Politiker als „ein legitimes Mittel“ des Protests. „Aber das Gesetz wird nicht mehr geändert“, ist er überzeugt. In vielen europäischen Ländern und anderen Bundesländern hätten sich die Raucher längst mit den neuen Regeln arrangiert. „Selbst auf dem Oktoberfest werden die rauchfreien Zelte inzwischen von den meisten Menschen als angenehm empfunden.“

Die Hausverbote und auch die für kommenden Freitag angekündigte Demonstration der Raucher-Lobby, die vom SPD-Haus an der Heinrichsallee bis zum Grünen-Büro an der Franzstraße führt, seien Ausdruck des „Abschiedsschmerzes“. Die Proteste werden sich legen, ist Priggen überzeugt, und rauchfreie Kneipen werden „überall Alltag“.

Tatsächlich hat auch Gastwirtin Behaj bislang kaum Stammkunden verloren. Allerdings hat sie mehr Ärger mit den Nachbarn, die sich schon mal über weggeschnippte Kippen und Lärm auf dem Gehweg vorm Haus beschweren. Und deswegen würde sie wirklich Politiker vor die Tür setzen? „Naja“, lächelt sie, „wenn ich sie erkennen würde.“

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