Aachen - Raucher-Initiative setzt sich für den blauen Dunst ein

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Raucher-Initiative setzt sich für den blauen Dunst ein

Von: Thomas Vogel
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Will nicht auf die Gemütlichkeit verzichten, die der blaue Zigarettendunst ihrer Meinung nach in Gaststätten zaubert: Gerda Pannhausen hat eine kleine Initiative gegen das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz ins Leben gerufen. Foto: Harald Kroemer

Aachen. „Der 1. Mai wird ein schwarzer Tag für die Raucher. Nichtraucher werden ihren Triumph feiern. Eine Niederlage aber wird es für alle Demokraten.“ Beim Blick in das Gesicht von Gerda Pannhausen wird deutlich: Sie ist von ihren Worten 100 Prozent überzeugt.

Die leidenschaftliche Raucherin schaut sorgenvoll darauf, dass den Bürgern mit Inkrafttreten des verschärften Nichtraucherschutzgesetzes an besagtem Tag wieder ein Stück Selbstbestimmung genommen wird.

„Inzwischen sind Raucher eine Randgruppe“, sagt sie. Eine, die zuweilen intolerant und ignorant behandelt werde, besonders von der rot-grünen Landesregierung. Mit der Umsetzung ihrer Pläne werde der Bürger in seiner Freiheit beschnitten. Die Freiheit des Gastes, in einer Wirtschaft zu rauchen. Die Freiheit der Gastwirte, zu entscheiden, ob sie ein Raucherlokal, ein Lokal mit Raucherraum oder ein rauchfreies Lokal betreiben. Deshalb bläst sie zum Angriff, arbeitet aktiv gegen das Unrecht, das die Gesetzesverschärfung ihrer Ansicht nach darstellt. Pannhausen hat eine kleine Initiative ins Leben gerufen.

Das Ziel: Raucher wie Nichtraucher noch einmal besonders auf das Thema aufmerksam machen, bevor die Gesetzesnovelle da ist. Sie will es als Einladung verstanden wissen, darüber nachzudenken.

Kontakt zur Landespolitik

Einen Anreiz dazu möchte Pannhausen mit dem selbstgestalteten Plakat bieten, auf dem zu lesen ist: „Aachener Initiative: Ein Plädoyer für Raucher(räume), für Freiheit und Toleranz“. Elf Punkte bietet sie dem Betrachter als Grundlage für Überlegungen an. Darunter hebt sie auf die kulturelle Bedeutung des Rauchens ab, weist auf die Unwirksamkeit von Verboten hin oder warnt vor einer Ausgrenzung der Raucher, die als „lästige und unliebsame Störenfriede stigmatisiert“ werden könnten. In ein solches Schicksal will sich Pannhausen auf keinen Fall willfährig ergeben.

Rund 15 Plakate hat sie in Gaststätten aufgehängt und sich zusätzlich in einem Brief an Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Gesundheitsministerin Barbara Steffens gewandt. In der Antwort aus dem Gesundheitsministerium heißt es, das bestehende Gesetz biete keinen ausreichenden Schutz vor den Gefahren des Passiv-Rauchens und richte sich nach dem Willen der Mehrheit. Argumente, die Pannhausen so nicht gelten lässt: „Ich denke, man muss sich auch für die Minderheiten einsetzen, gerade wenn sich Raucher und Nichtraucher räumlich so trennen lassen, dass sich keiner von beiden gestört fühlt.“

Pannhausen ist zwar nicht das einzige Mitglied der Initiative, die Namen ihrer Mitstreiter will sie aber nicht in der Presse lesen – aus Vorsicht vor den Launen der Vorgesetzten. Ja, in der Debatte um ein radikales Rauchverbot in Gaststätten finden sich hüben wie drüben militante Verfechter. Gerda Pannhausen gehört nicht dazu, darauf besteht sie. Allerdings möchte sie auch nicht von der Politik bestraft werden – denn das bald nicht mehr in der Kneipe geraucht werden dürfe, sondern der Tabakrauch künftig vor der Türe gen Himmel steigen müsse, sei eine Strafe. Ganz besonders im Winter und bei schlechtem Wetter. Der Bereich vor dem Lokal werde zum „Ghetto“ der Raucher. „Raucher dürfen nicht ghettoisiert werden“, stellt die ehemalige Sozialpädagogin fest.

Kontakt zur Stolberger Initiative gegen das rigorose Nichtraucherschutzgesetz hat Pannhausen im Vorfeld gesucht. Dort sei man ihr gegenüber aber „nicht besonders offen aufgetreten“. Illusionen macht sie sich nicht. Das Ziel, den legislativen Status Quo in Sachen Rauchverbot zu halten, ist den Bach runter. Eine Aachener Raucherrevolution wird es nicht geben. Aber Raucher und Nichtraucher gegenseitig zu Toleranz und Akzeptanz aufrufen – das ist ein realistisches Ziel in ihren Augen. Und weiter? Erstmal nichts: „Man muss jetzt schauen, wie sich die Sache nach dem 1. Mai entwickelt. Dann können weitere Aktionen geplant werden“.

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