Raubserie: Wenn Sicherheit gewaltig leidet

Von: Oliver Schmetz und Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Raubüberfall
Einem Jugendlichen wird gewaltsam sein Mobiltelefon weggenommen. Symbolbild: Royalty-free (colourbox)

Aachen. Ob morgens beim Bäcker, im Supermarkt, im Büro, im Betrieb oder abends am Tresen: Die aktuelle Serie von Raubüberfällen ist das beherrschende Thema in der Stadt.

Und auch wenn – glücklicherweise – seit dem vergangenen Wochenende bislang noch keine weitere Tat hinzugekommen ist: Dass Straßenräuber binnen einer guten Woche 17 Mal auf Aachener Straßen und Plätzen zumeist ausgesprochen brutal zugeschlagen, zugetreten und einmal sogar zugestochen haben, verängstigt viele Bürger – zumal die Aachener Polizei bei der Fahndung nach den Tätern noch keinen Erfolg zu vermelden hat. Zwar gab es keinen weiteren Fall, aber auch keine Festnahmen, die die Hoffnung auf ein Ende der Raubserie wecken könnten, wie Polizeisprecherin Iris Wüster der AZ am Dienstag auf Anfrage mitteilt.

Gesprächsthema ist die Gewalt auf Aachens Straßen auch im Rathaus. In seiner nächsten Sitzung in der kommenden Woche werde sich der Verwaltungsvorstand mit dem traurigen Thema befassen, erklärt Stadtsprecher Hans Poth. Schließlich sei die Angelegenheit nicht ausschließlich eine polizeiliche: „Auch eine Verwaltung sollte sich Gedanken darüber machen, wie es um die Sicherheit in einer Stadt bestellt ist.“ Gut möglich, dass man darüber dann in Kürze auch spricht – zum Beispiel so von Oberbürgermeister zu Polizeipräsident. Einen solchen Austausch hat es zwischen OB Marcel Philipp zumindest zu diesem Thema mit Dirk Weinspach, dem Nachfolger des im Mai verabschiedeten ehemaligen Polizeichefs Klaus Oelze, bislang noch nicht gegeben.

Derweil ist die verwaltungseigene Abteilung Sicherheit und Ordnung laut ihrem Leiter Detlev Fröhlke für die aktuelle Problemlage durchaus sensibilisiert: „Wir haben alle Mitarbeiter darum gebeten, auf ihren Streifen mit verstärkter Aufmerksamkeit durch die Straßen zu gehen und dabei vor allem die kritischen Ecken im Blick zu haben“, sagt der Ordnungsamtsleiter. „Denn Präsenz ist die beste Prävention.“

Allerdings haben Fröhlke und seine Mitarbeiter auch festgestellt, dass die Hemmschwellen für verbale und sogar gewaltsame Attacken bei manchen Menschen immer weiter sinken – selbst wenn sie es mit unformierten Ordnungshütern zu tun haben. Der Ordnungsamtschef kann da zum Beispiel von drei Politessen berichten, die im vergangenen Jahr heftig attackiert worden sind. Eine Mitarbeiterin sei sogar erheblich verletzt worden, für zwei der Kolleginnen habe man ein neues Betätigungsfeld gesucht. Solche Entwicklungen führen dazu, dass die Sicherheitskräfte auch auf die eigene Sicherheit achten. „Nachts gehen die Kollegen immer zu zweit, in manchen Ecken auch nur zu dritt auf Streife“, berichtet Fröhlke – was frappierend an die aktuelle Empfehlung der Aachener Polizei erinnert, sich nachts besser nicht mehr zu Fuß auf den Heimweg zu machen.

Die entsprechende Plakatierung der Polizei, die nun vor allem an den Türen von Kneipen, Clubs und Restaurants vor Straßenräubern warnt, findet allerdings nicht überall einhellige Zustimmung. „Dass die Polizei auf die Gefahren aufmerksam macht, finde ich gut“, sagt etwa Dennis Polychroniou. Er ist der Chef des Cafés Madrid in der Pontstraße und einer der Sprecher der Gastro-Initiative des Partyviertels. „Was wir bedenklich finden, ist, dass auf den Warnplakaten der Polizei nicht präzise auf die Orte hingewiesen wird, die nachts offenbar besonders gefährlich sind“, sagt er. „Tatsache ist, dass das Pontviertel in keinem einzigen Fall Schauplatz eines Straßenraubs war. Wer die Plakate in den Lokalen der Pontstraße sieht, bekommt aber einen anderen Eindruck – da sollten wir nachbessern“, rät er. Deswegen hat er die Tatorte der vergangenen Wochen kurzerhand handschriftlich auf dem Polizei-Plakat ergänzen lassen. Denn Polychroniou sieht auch eine andere Gefahr: dass eine ganze Stadt zum hochgefährlichen Gebiet für Raubfeldzüge hochstilisiert wird... „Nur an den Brennpunkten selbst muss man durchgreifen“, betont er.

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