„Räuber haben Verletzte in Kauf genommen“

Von: Heiner Hautermans
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Aachen. Nicht nur der Überfall auf das Juweliergeschäft Studio Küpper war bis ins Detail geplant, auch die weitere Flucht der vier maskierten Männer am Donnerstagnachmittag war sorgfältigst vorbereitet und wurde ebenso brutal durchgezogen.

Vom Holzgraben aus raste das Quartett kurz nach 17.30 Uhr im Fluchtfahrzeug, einem Ende Januar in Düsseldorf gestohlenen silbernen BMW, über den Büchel und den Markt sowie die Jakob-straße in die Judengasse, wo sie in die mit einem Rollgitter gesicherte Tiefgarage eines Gebäudekomplexes fuhren. Das Fahrzeug wurde dort später von einem Hausbewohner mit laufendem Motor und offenstehenden Türen gefunden.

Auf dem Weg durch die um diese Zeit belebte Innenstadt hielt die professionell vorgehende Bande sich natürlich auch nicht an Verkehrsregeln, etwa Schrittgeschwindigkeit in den Fußgängerzonen oder Einbahnstraßen. Polizeisprecher Paul Kemen: „Die sind ein sehr hohes Entdeckungsrisiko eingegangen und haben Verletzte oder Tote billigend in Kauf genommen. Wer weiß, was passiert wäre, wenn die auf Widerstand gestoßen wären.“ Denn bei aller Eile (das Geschehen im Geschäft dauerte exakt 56 Sekunden, der gesamte Überfall weniger als drei Minuten) war nicht auszuschließen, dass eine Polizeistreife in Richtung Markt unterwegs gewesen wäre. Auch die Tatsache, dass die Einfahrt zu Tiefgarage im Gebäudekomplex Judengasse 8 meist offensteht und dort keine Kameras hängen, musste man erst einmal in Erfahrung bringen. Kemen: „Das war generalstabsmäßig vorbereitet.“ Durch die Blockade der von Pollern eingegrenzten Ursuliner-straße durch ein zweites Fahrzeug erschwerte die Bande überdies die Verfolgung durch die Polizei.

In der gleichen Manier

Etwa ein halbes Dutzend Hinweise sind bei der Polizei zum Fluchtweg bis zur Judengasse eingegangen, doch dort ist vorläufig Endstation. Kemen: „Weitergehende Hinweise haben wir nicht.“ So ist nach wie vor unklar, wie die Männer, die einige Dutzend hochwertige Uhren im Wert von mehreren hunderttausend Euro erbeuteten, von der Tiefgarage aus weitergeflüchtet sind, ob in einem Auto, in zwei oder gar zu Fuß: „Wir suchen weiter Zeugen, weitergehende Hinweise haben wir bisher nicht.“

Natürlich hat das Polizei-Team, das den Blitz-Überfall untersucht, in den beiden BMW auch nach verwertbaren DNA-Spuren gesucht, doch die Erfolgsaussichten sind nicht gerade verheißungsvoll. Die vier Männer, die während des Überfalls kein einziges Wort miteinander gewechselt haben und auf ein Pfiff-Kommando verschwunden sind, waren mit Sturmhauben und Handschuhen so vermummt, dass nur die Augen zu sehen waren.

Außerdem überprüfen die Fahnder alle vergleichbaren Überfälle der letzten Jahre. 2007 wurde ein Juwelier in Hamburg auf eine ähnliche Manier von vier maskierten und mit Schusswaffen bewaffneten Männern überfallen. Sie riefen nur auf Russisch „Dawai, dawei“ („Los, los“), zertrümmerten Vitrinen und entkamen mit Schmuck und Uhren im Wert von einer Million Euro. Möglicherweise waren es angeheuerte Profis, die nach dem Muster der sogenannten Koszaliner-Bande eingesetzt wurden. Die Hintermänner kundschaften Juweliere aus, die überfallen werden sollen. Für die Tat selbst werben sie im Ausland Täter an. Diese werden erst hier ausgerüstet und auf den Raubzug geschickt. Die Beute müssen sie abliefern. Sie bekommen ihren „Lohn“ und setzen sich schnell in ihre Heimat ab. 2004 war in Hamburg einer der Drahtzieher, ein 26-jähriger Pole aus Koszalin, festgenommen worden.

2010 wurde ein Juwelier in Berlin-Charlottenburg mitten im Berufsverkehr ebenfalls von vier bewaffneten und maskierten Männern per Blitz-Überfall heimgesucht, wiederum betrug der Wert der Beute eine Million Euro. Damals soll mit südosteuropäischem Akzent gesprochen worden sein. Sprecher Kemen: „Wir fragen bei anderen Polizeibehörden nach und ziehen alle Register.“

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