Aachen - Qualm bei Kinderkarneval: Gesundheitsamt hält sich raus

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Qualm bei Kinderkarneval: Gesundheitsamt hält sich raus

Von: Martina Feldhaus und Holger Richter
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Behörden verweisen auf das ab dem 1. Mai geltende strikte Rauchverbot.

Aachen. Als am Sonntag aus Tim Führen Märchenprinz Tim I. wurde, da war die Luft rein. Wie bei allen Veranstaltungen des Arbeitskreises Aachener Kinderkarneval (Akika) war zur Proklamation des Aachener Kinderprinzen im Eurogress Rauchverbot erlassen worden. Und die jecken Besucher hielten sich auch daran. Wer unbedingt rauchen wollte, tat dies draußen vor der Tür.

Bei Veranstaltungen für erwachsene Jecken ist dies (noch) anders. Letztmalig sind in dieser Session Karnevalssitzungen als Brauchtumsveranstaltungen vom Nichtraucherschutz ausgenommen. Erst ab dem 1. Mai gilt auch beim Brauchtum wie Karneval oder Schützenfesten ein strikter Nichtraucherschutz. Das heißt aktuell: Es darf im Saal geraucht werden – egal, ob vorne auf der Bühne Kindergruppen auftreten oder nicht.

Diese Tatsache hatte im vergangenen Jahr die Kinderärztin Dr. Gabriele Trost-Brinkhues auf den Plan gerufen. Als sie im Fernsehen die Übertragung der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ sah und gleichzeitig Kinder auf der Bühne und qualmende Zigarren im Saal ausmachte, schrieb sie dem veranstaltenden Aachener Karnevalsverein (AKV) einen Brief, worin sie als Verantwortliche für Kindergesundheit und Prävention im zuständigen Gesundheitsamt der Städteregion an AKV-Präsidenten Werner Pfeil appellierte, künftig bei Kinderauftritten das Rauchen zu unterbinden.

„Er hat auch geantwortet und gesagt, das der AKV das Thema ernstnimmt“, berichtet Gabriele Trost-Brinkhues. Allerdings habe er auch darauf verwiesen, dass der AKV sich rechtskonform verhalten habe.

Eine Wiederholung eines solchen Appells vonseiten des Gesundheitsamts wird es in der laufenden Session allerdings nicht geben. „Die bestehende Rechtslage sieht eine Änderung des Nichtraucherschutzes erst zum 1. Mai dieses Jahres vor“, erklärt die stellvertretende städteregionale Dezernatsleiterin Marlis Cremer auf Anfrage der „Nachrichten“ die bekannte Rechtslage. Daher hätten die Ordnungsbehörden keine Handlungsgrundlage für eventuelle Maßnahmen. Folglich „werden wir nicht im vorauseilenden Gehorsam an die Karnevalsvereine appellieren“, so Cremer wörtlich. „Eine konkrete Kampagne ist derzeit nicht in Vorbereitung.“ Natürlich sei dem Gesundheitsamt an der Gesundheit „nicht nur der auftretenden Kinder, sondern aller Nichtraucher im Saal“ sehr gelegen, aber alle Vorbereitungen zur Umsetzung des strikten Nichtraucherschutzes zielten derzeit auf den 1. Mai, berichtet Marlis Cremer.

Werner Pfeil ist grundsätzlich froh, dass die Regelung erst nach der diesjährigen Karnevalssession greift. „Vielleicht hat sich das Ganze bis zur nächsten Session 2014 schon eingespielt. Und die Leute haben sich dann schon dran gewöhnt, fürs Rauchen rauszugehen“, meint er. Begrüßen würde er das auch jetzt schon, zumindest wenn Kinder – auch bei Erwachsenenveranstaltungen – auftreten. „Wir bitten unsere Gäste natürlich darum, das Rauchen einzustellen, wenn Kinder auf der Bühne sind. Das haben wir bislang so getan und wir werden es auch in dieser letzten Session ohne Nichtraucherschutz tun.“ Ein Appell an die Vernunft also – allerdings ohne Garantie.

Auch Wilm Lürken, Präsident des Ausschusses Aachener Karneval (AAK), sieht bislang jeden Einzelnen aufgefordert, Rücksicht zu nehmen. „Von generellen Ansagen halte ich nicht viel. Jeder sollte selbst auf sich gucken und vernünftig sein, wenn Kinder auftreten.“ So hat Lürken – selbst Nichtraucher – kein Verständnis dafür, wenn etwa bei der Proklamation des Märchenprinzen gequalmt wird. Ganz zu verhindern sei das aber nicht.

Rauchen bei der Tropigarde tabu

Anders handhabt das Sarah Siemons, Generalin der Tropigarde. Rauchen ist im Veranstaltungssaal des „nicht-eingetragenen Vereins“ im Josefshaus während der Abendvorstellung seit Jahren tabu. „Wir treten schließlich in einer Jugendeinrichtung auf, die am Tag drauf wieder so genutzt wird.“ Wer rauchen will, muss raus ins Foyer oder eben vor die Tür. Siemons: „Das bereitet eigentlich keine Probleme. Zumal sich ‚unsere’ Raucher während des Programms doch zurückhalten und recht selten den Saal verlassen.“

Sarah Siemons freut sich schon jetzt auf die nächste Session, wenn alles rauchfrei ist – per Gesetz. „Dann ist es endlich offiziell. Das ist gut so, zum einen für den Kinder- und Gesundheitsschutz. Und auch für die Klamotten, die am nächsten Tag nicht so stinken.“

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